(c) Schweisfurth Stiftung Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk Öko-Junglandwirt:innen-Tagung OEJN2025

Die Öko-Junglandwirt:innen-Tagung 2025: „Heroische Gestalten“

Junge Menschen, die Höfe übernehmen oder sich darauf vorbereiten, stehen vor großen Herausforderungen wie einer hohen Arbeitsbelastung oder eines hohen Kapitalbedarfs für Land oder die technische Ausstattung. Ihre Lebensrealität ist eine andere als die ihrer Eltern – digitaler, vernetzter. Wie also sehen die Arbeits- und Lebenswelten der Zukunft auf Bio-Höfen aus? Die 19. Öko-Junglandwirt:innen-Tagung unter dem Titel „Mensch, Ökolandbau! Lebensweg mit Mehrwert?!“ bot Raum für Austausch und praktische Orientierung: von Hofübergabe über Stress- und Burnout-Prävention bis zu Exkursionen auf umliegende Höfe, etwa der sozialen Demeter Hofgemeinschaft Altenschlirf.  Die Veranstaltung mit rund 160 Teilnehmenden fand vom 14. bis 16. November in Fulda statt. Die Schweisfurth Stiftung fungierte als Mitveranstalterin der Tagung.

Zeitsouveränität und Befreiung vom materiellen Überfluss

Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech, Professor für Plurale Ökonomik, Transformation und Nachhaltigkeit an der Universität Siegen, rückte in seinem Eröffnungsvortrag „Der Ökolandbau als Bestandteil einer Postwachstumsökonomie“ die Frage in den Fokus, wie zukunftsfähige Arbeit gestaltet werden könne. Paech skizzierte ein Arbeitsmodell, das die klassische 40-Stunden-Woche halbiert: 20 Stunden Erwerbsarbeit, 20 Stunden Tätigkeiten im nicht-kommerzialisierten Bereich – von Eigenproduktion zum Beispiel von Lebensmitteln, Handwerk oder Erziehung über Reparaturen bis hin zu gemeinschaftlicher Nutzung von Ressourcen und ehrenamtlichem Engagement. Ebenso zählt er den Leistungsaustausch in analogen sozialen Netzwerken dazu. Diese Mischung ermögliche mehr Zeitsouveränität, entschleunigte Lebensstile und eine Befreiung vom materiellen Überfluss.

Viele Öko-Höfe leben Teile dieses Modells bereits heute. Für Paech ist klar: Ökologisch wirtschaftende Betriebe sind nicht nur aufgrund ihrer bodenschonenden und energieärmeren Bewirtschaftung widerstandsfähiger. Sie schaffen auch mehr sinnstiftende, arbeitsintensive Tätigkeiten – und damit Perspektiven jenseits einer hoch technisierten Landwirtschaft. „Wir sollten zu Arbeitsbedingungen zurückkehren, die mit weniger Kapital, Technologie und Digitalisierung auskommen. Der ökologische Landbau ist dafür prädestiniert“, betonte er.

Paech würdigte die junge Generation ausdrücklich: „Die Öko-Junglandwirtinnen und -landwirte sind für mich heroische Gestalten. Das sage ich nicht aus übertriebener Bewunderung, sondern weil sie eine zukunftsfähige Ökonomie umsetzen, statt diese nur zu fordern. Was der Vorbildcharakter Ihres Handelns bewirkt, geht weit über das hinaus, was der Marktanteil des Ökolandbaus ausdrückt.“ Sein Appell: selbstbewusst auftreten, politisch Position beziehen und so sichtbar machen, was eine echte Agrarwende braucht.

Die Schweisfurth Stiftung und das Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk

Ressourcen schonen, fruchtbare Böden aufbauen und erhalten, Tierwohl stärken, Biodiversität fördern und viele weitere Themen stehen auf der Agenda des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks, eines bundesweiten informellen Zusammenschlusses von Junglandwirt:innen, Gärtner:innen, Winzer:innen, Schüler:innen und Studierenden.  Im Januar 2021 übernahm die Schweisfurth Stiftung die Trägerschaft für das Netzwerk von der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL). Das gemeinsame Anliegen: Positive Veränderungen anstoßen, aktiv die Zukunft gestalten und Foren zu schaffen, in denen auch kritische Themen des Ökolandbaus diskutiert werden können. Einmal im Jahr veranstalten Netzwerk und Stiftung beispielsweise gemeinsam die Öko-Junglandwirt*innen Tagung, die einen verbandsübergreifenden fachlichen Dialog und gegenseitige Beratung, etwa bei der Hofübergabe, ermöglicht. Darüber hinaus wird seit 2016 der Öko-Junglandwirt:innen-Zukunftspreis an Junglandwirt:innen verliehen, die besonders innovative Konzepte im Bereich Öko-Landbau realisieren.

Quelle: Ökologie & Landbau, Ausgabe 1/2026, S. 53. Die Ökologie & Landbau erscheint im oekom Verlag und kann abonniert werden.