(c) WERTvoll

Kantinen-Essen frisch, gesund und aus der Region? Geht!

Unser Projekt WERTvoll tischte den Erbsen-Eintopf „Schotenklump“ aus biologischen und regionalen Zutaten bei BMW, Dussman und Co. in und um Leipzig auf. Ein Gewinn für Mensch und Natur.

„Schmackhafte, gesunde Ernährung geht mit heimischen und ökologischen Produkten Hand in Hand. Mit dem Aktionsgericht Schotenklump unterstützen wir das Projekt WERTvoll, um Gutes für unsere Region zu tun“ – so bewarb Anfang Juli keine geringere als die Leiterin der Leipziger Betriebsgastronomie von BMW in einer hausinternen Mitteilung einen außer gewöhnlichen Mittagstisch. Denn die Zutaten des Schotenklump – ein sächsischer Eintopf-Klassiker aus Erbsen, Kohlrabi, Knödeln und Rippchen – stammen größtenteils in Bio-Qualität direkt aus dem Leipziger Umland. Regional und Bio – das ist nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Deutschland noch immer eine Seltenheit in Großkantinen. Dank vieler engagierter Betriebe kamen nun jedoch schon zum zweiten Mal Kantinen in und um Leipzig in diesen wertvollen Genuss.

BMW, Dussmann & Co.: Gemeinsam kocht es sich gut

Insgesamt 200 Kilogramm Erbsen verarbeiteten Kantinen-Köche anlässlich des diesjährigen Aktionstages Schotenklump. Mehr als 2.000 Teller wurden serviert. Bereits 2021 hatte es den Eintopf gegeben, damals für Kitas und Altersheime. Dieses Jahr beteiligten sich neben BMW auch die Kantinen von Dussmann und dem Maschinenbau-Unternehmen Kirow sowie die Hänchen-Gruppe, die Kitas auf dem Land versorgt. Angebaut und Mitte Juni geerntet wurden die Erbsen und der Kohlrabi für den Eintopf im Wassergut Canitz im Wurzener Land sowie im Bio-Landwirtschafsbetrieb Hundertmorgenland. Die Köhra Frische GmbH sortierte das Gemüse vor, wusch und frostete es. Auch Fleisch aus der Region wurde den Kantinen für den Eintopf angeboten, aus artgerechter Tierhaltung der Fleischerei Hahn. Nach dem Mittagessen am Aktionstag waren sich dann alle einig: Schotenklump? Lecker!

Projekt WERTvoll unterstützt regionale Wertschöpfungsketten

Hinter der Aktion stehen die Mitarbeitenden unseres Projektes WERTvoll in Leipzig, die Stadt Leipzig und die Leipziger Anstalt für Koch- und Lebensmittelkultur. Ziel ist, mit dem Aktionsgericht die regionalen Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelversorgung zu stärken. Gerade über das Angebot in Kantinen können mehr Menschen zu bezahlbaren Preisen in den Genuss von gesunden regionalen und ökologischen Lebensmitteln kommen. „Nachhaltige Anbauformen sind vorteilhaft für den Klima- und Artenschutz. Sie sorgen auch dafür, dass unser Grundwasser frei von Schadstoffen bleibt und dass die Böden noch viele Jahre fruchtbar bleiben. Je mehr Menschen in den Genuss dieser Lebensmittel kommen können, desto besser für die Umwelt“, so Arian Gülker, Projektmanager bei der Schweisfurth Stiftung.

100 Prozent Bio und Regional noch immer eine Herausforderung für Kantinen

In diesem Jahr unter anderem die BMW-Kantine dazu bewegt zu haben, Bio-Produkte aus der Region zu nutzen, war ein ordentlicher Erfolg. Gleichzeitig zeigten sich auch die Herausforderungen einer regionalen und biologischen Lebensmittelversorgung. So entschied sich BMW kurzfristig außer den Erbsen alle weiteren Zutaten in konventioneller Qualität von bestehenden Zulieferern zu beziehen. Auch andere Kantinen griffen nicht auf das volle Sortiment nachhaltiger Produkte zurück, sondern ergänzten es mit konventionellen Lebensmitteln ihrer Standardzulieferer. Allein die Kirow-Kantine bezog alle Produkte für ihren Schotenklump regional und ökologisch. Gülker: „Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass alle Teilnehmenden die Canitzer Bio-Erbsen in ihrem Schotenklump hatten. Tibor Herzigkeit, der Koch der Kirow Kantine, hat es sogar geschafft, alle bereitgestellten regionalen Produkte einzusetzen. Beim Bezug der übrigen Produkte gibt es für die anderen Unternehmen noch Entwicklungsmöglichkeiten. Wir freuen uns deshalb schon auf das nächste Aktionsgericht“.

Neue Chance für Kantinen im Oktober

Im Oktober gibt es für die Kantinen in und um Leipzig eine neue Chance, ihren Mittagstisch wirklich zu 100 Prozent nachhaltig zuzubereiten: Zum Tag der Regionen gibt es ein neues Aktionsgericht – BMW und die Kirow Kantine haben hierfür schon zugesagt. Schön!

Wanderndes Netzwerk startet in der Region Leipzig

Neue Kontakte knüpfen, Synergien nutzen und Aktivitäten in der Region stärken – diese Ziele verfolgt das neue Wandernde Netzwerk für Menschen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft. In Leipzig und Umgebung geht es im Rahmen des Projektes WERTvoll in diesem Jahr an den Start. Getragen wird das Netzwerk von Akteur:innen vor Ort.

Was ist ein Wanderndes Netzwerk?

Das Wandernde Netzwerk umfasst den Gedanken eines klassischen Netzwerks, bei dem der Austausch unter verschiedenen Akteuren gefördert wird, und will gleichzeitig darüber hinausgehend regelmäßige Veranstaltungen an wechselnden Treffpunkten anbieten. Jeder Netzwerk-Termin soll an einem anderen Ort stattfinden – bevorzugt in den Betrieben der verschiedenen Netzwerk-Akteure. Die Gastgeber können ihre Firmen vorstellen und die Gruppe erhält die Chance, hinter die Kulissen verschiedenster Unternehmen zu blicken, lernt Neues in der Region kennen und kann unmittelbar mit den Beteiligten ins Gespräch kommen. Persönliche und wirtschaftliche Kontakte können vor Ort geknüpft und gepflegt werden.

Neue Wertschöpfungsketten und alte Bekanntschaften

Die Idee dazu entstand im vergangenen Jahr, als sich im Rahmen des Projektes WERTvoll Menschen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft digital bei einer Suche-Biete-Börse trafen. Ziel war es, die Entstehung neuer regionaler Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Die Teilnehmer:innen kamen aus verschiedenen Branchen, unter anderem aus Handel, Landwirtschaft und Vermarktung sowie aus dem Projekt selbst. Im Format eines „Speed-Dating“ hatten immer zwei Teilnehmer:innen in wechselnden Gesprächen einige Minuten Zeit, sich und ihre Produkte vorzustellen bzw. Bedarfe an den anderen zu adressieren. Im Idealfall konnten sich so zwei Partner:innen finden, die in Zukunft miteinander eine regionale Handelsbeziehung mit einem Mehrwert für Artenvielfalt, Wasser- und Klimaschutz aufbauen wollen.

Als mindestens genauso bereichernd wie das Sprechen über Produkte wurde die Möglichkeit empfunden, neue Menschen kennenzulernen, sich auszutauschen und im Gespräch mit bereits bekannten Teilnehmer*innen bleiben zu können. Im Rahmen von WERTvoll fanden und finden bereits viele Vernetzungsveranstaltungen statt. Durch das Wandernde Netzwerk sollen diese nun in Zukunft verstärkt bei Betrieben vor Ort zu Gast sein.

Nachhaltige Stadt-Land-Partnerschaft in Leipzig und Umgebung

Das Projekt WERTvoll will in der Modellregion Leipzig und Wurzener Land (Stadt Wurzen, Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) bis Ende 2023 eine WERTvolle Stadt-Land-Partnerschaft gestalten. Dabei soll eine kooperative und sich positiv verstärkende Landnutzungsstrategie für die Region erarbeitet werden, bei der jede Bürgerin und jeder Bürger einen Beitrag im Alltag leisten kann. Dazu zählen Maßnahmen wie den Bio-Anbau ausweiten, den Wasserschutz gewährleisten und Ökosystemleistungen wie Biodiversität oder die Renaturierung eines Gewässerabschnitts fördern.

Gastgeber:innen gesucht

Das Projekt WERTvoll sucht in Leipzig und dem Wurzener Land noch nach interessierten Gastgeber:innen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die das Wandernde Netzwerk zu sich einladen möchten. Wenn Sie geeignete Orte in der Region Leipzig kennen oder sich selbst vorstellen können, das Wandernde Netzwerk zu Gast zu haben, melden Sie sich bei Arian Gülker.

Ein FoodHub für München

Wissen, woher unser Essen kommt! Wissen, wer am täglichen Einkauf wie viel verdient! Mitbestimmen, was in den Regalen steht! Klingt utopisch? Aktuell setzt eine Gruppe von etwa 1.500 Münchnern alles in Bewegung, um einen FoodHub zu gründen. Einkaufen im Herzen der Stadt mit Benefits: bio, saisonal, lokal & gemeinsam.

FoodHubs – ein Konzept das weltweit überzeugt

Die InitiatorInnen Kristin Mansmann, Nikolaus Teixeira, Quentin Orain und Karl Schweisfurth haben sich entschlossen, das Konzept des FoodHubs nach München zu tragen. Ein Supermarkt, der von Erzeugern aus der Region beliefert wird und direkt an die Verbraucher verkauft. Während der Begriff FoodHub oder auch FoodCoop in New York seit 1973 mit 17.000 Mitgliedern durchgehend mit Leben gefüllt ist, lässt sich aktuell global ein Revival des Phänomens beobachten, so z.B. La Louve in Paris mit 6.000 Mitgliedern.

Wie funktioniert ein FoodHub?

Konkret soll das Konzept FoodHub in München als kooperative Direktvermarktung umgesetzt werden, basierend auf drei Prinzipien: Mitarbeit, Miteigentum und Transparenz. Damit verändert sich das Einkaufen für die Mitglieder und bringt Vorteile für die Einzelnen mit sich: jedeR bringt sich ein, arbeitet mit und ist gleichzeitig auch MiteigentümerIn durch eine finanzielle Einlage. Dadurch sinken die Preise: Die Lebens-Mittel können bis zu 30% günstiger verkauft werden, als in herkömmlichen Supermärkten. Auch können die GenossInnen selbst Vorschläge einbringen, welche Erzeugnisse dauerhaft im Regal stehen. So wird nicht nur große Transparenz geschaffen, sondern ein Gemeinschaftsgefühl und gemeinsame Verantwortung – füreinander und für die Lebens-Mittel.

100% Fleisch aus ökologischer Herkunft

„Eine Besonderheit des FoodHub München ist, dass neben dem Gemüse auch das Fleisch zu 100% bio sein soll. Auf konventionelle Alternativen wollen wir an dieser Stelle verzichten“, so Karl Schweisfurth der FoodHub München. „Die Bestrebungen gehen dahin, Tiere direkt vom Bauern zu kaufen. Wo möglich werden sie auf dem eigenen Hof geschlachtet (Weideschlachtung) und in mobilen Einheiten zerlegt.“ Auch das Thema kuhgebundene Kälberaufzucht spielt eine Rolle für den FoodHub. Dazu werden aktuell die Bezugsquellen für Milch, Käse und Fleisch sondiert.

„Lasst uns den sozialen und ökologischen Wandel so einfach machen, wie den Einkauf im Supermarkt“

…, so die Aufforderung des Vierergespanns. Aktuell stellen verschiedene Arbeitsgruppen zu den Themen Sortiment, Verpackung, Immobilie, Kommunikation, Events und IT die Drehschrauben – mitmachen willkommen!
Wer jetzt schon mal das Thema Food Hub für sich austesten bzw. Weggefährte werden möchte, kann bereits als Mitglied des Vereins aus einem kleinen aber feinen Sortiment Lebensmittel bestellen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird genau darauf geachtet, dass mindestens 50% der Produkte aus der Direktvermarktung stammen.

Wer den FoodHub bereits in der Startphase finanziell unterstützen möchte, findet hier die nötigen Informationen.

Resilient, kooperativ und regional: Die Solidarische Landwirtschaft – ein Zukunftsmodell?

Wir brauchen eine sozial-ökologische Transformation. Denn: Die Klimakrise macht uns die Herausforderungen der jetzigen Wirtschaftsweise bewusst. Und die Pandemie-Krise verdeutlicht die menschgemachten Probleme, wie soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten, zusätzlich. Ein Weiter so ist keine Option. Doch wie könnten Alternativen aussehen? Im Bereich Land- und Lebensmittelwirtschaft erfährt das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft einen immer größeren Zulauf. In der direkten und kooperativen Zusammenarbeit von VerbraucherInnen und ErzeugerInnen wird ein vielversprechendes Zukunftsmodell gesehen. Was zeichnet die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) aus? Welche Erkenntnisse sind übertragbar? Ein Gespräch mit Stephanie Wild vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V.:

Aktuell gibt es eine breite Diskussion darüber, wie die Weichen für eine sozial-ökologische Transformation gestellt werden können. Wie können SoLaWis dazu beitragen bzw. was kann von diesem Konzept gelernt werden?

„SoLaWis müssen als Erfahrungsräume verstanden werden. Sie zeigen, wie und vor allem das ein anderes Wirtschaften, sprich eine umweltverträgliche, kooperative Wirtschaftsweise, möglich ist. Damit demonstrieren die SoLaWis: Eine andere Art der (Land-) Wirtschaft ist nicht nur eine schöne Theorie, sondern wir können diese schon jetzt umsetzen. Das motiviert und macht all denen Mut, die mit unterschiedlichen Projekten aktiv den Wandel gestalten und vorantreiben. Außerdem machen die SoLaWis die komplexen Zusammenhänge unseres jetzigen Wirtschafts- und Agrarsystems erfahr- und damit begreifbar, z.B. erleben die Mitglieder einer SoLaWi die teils konterkarierende politische Rahmenbedingungen. Gleiches gilt für die Auswirkungen des Klimawandels. Die Mitglieder der SoLaWis erfahren unmittelbar, was z.B. Dürre mit ihrer Ernte und damit mit ihrem Speiseplan macht. Dieses Verständnis ist Voraussetzung für aktives Engagement.

Stephanie Wild, © Solidarische Landwirtschaft e.V.

Lebensmittelsicherheit dank regionaler Wertschöpfungsketten – diese und ähnliche Überschriften konnte man in letzter Zeit häufig lesen. SoLaWis stehen für regionale Wertschöpfung – doch was bedeutet das genau?

„Gerade jetzt ist Regionalität eine wesentliche Stärke für die SoLaWis. Sie sind bislang kaum von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Aktuell zeigt sich deutlich: Durch die kurzen geschlossenen Kreisläufe und das Prinzip der Selbstversorgung sind die SoLaWis widerstandsfähig, wenn äußere Systeme nicht mehr funktionieren. Sinn und Zweck der SoLaWis ist die nachhaltige und regionale Grundversorgung. D.h. wir plädieren für die Erhöhung des Selbstversorgungsgrads. Wir sind aber durchaus für Produktvielfalt und damit für den globalen Handel. So gibt es bspw. SoLaWis, die mit ähnlich organisierten Kooperativen in anderen Ländern zusammenarbeiten und von diesen Produkte wie Olivenöl und Orangen beziehen. Hier geht es darum, eine richtige Balance zu finden und ein faires Miteinander zu ermöglichen.“

VerbraucherInnen und LandwirtInnen haben sich stark voneinander entfernt. VerbraucherInnen können Herstellung und Verteilung der Lebensmittel kaum noch nachvollziehen. In den SoLaWis wird die Möglichkeit gesehen beide „Parteien“ wieder zusammenzubringen. Wie sehen Sie das?

„Durch das Konzept der SoLaWis wird eine gemeinsame Gesprächsbasis für LandwirtInnen und VerbraucherInnen geschaffen. Sie sprechen miteinander, nicht übereinander. Aktuell ist es in der Regel so, dass VerbraucherInnen über die Arbeit der LandwirtInnen nur über Dritte, sprich über Medien, erfahren. In den SoLaWis wird der direkte Informationsaustausch gefördert. Außerdem entsteht Verbindlichkeit zwischen den beiden Parteien: Die Mitglieder wollen nachvollziehen, wie die Beiträge investiert werden. Die ErzeugerInnen machen ihre Arbeit deshalb transparent – von der Aussaat bis zur Ernte. Dadurch wird der Aufwand der Lebensmittelerzeugung deutlich. SoLaWis tragen so zur Steigerung der Wertschätzung für die Arbeit der LandwirtInnen bei.“

Das Thema Ernährungssouveränität beschäftigt die Schweisfurth Stiftung schon sehr lange, gerade ist es wieder top aktuell. Welche Rolle nehmen SoLaWis hier ein?

„In den SoLaWis bestimmen die Erzeuger was angebaut wird. Oder besser gesagt: Es wird vom Boden her gedacht. Seine natürliche Beschaffenheit gibt vor, wie er bewirtschaftet wird. Im Rahmen des jetzigen Agrarsystems wird jedoch vom Produkt bzw. der Nachfrage aus gedacht und entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt. Diese sind wenig flexibel und werden den unterschiedlichen Gegebenheiten in den verschiedenen Regionen oftmals nicht gerecht. Dies erschwert die Arbeit der LandwirtInnen enorm. Ein weiterer Aspekt ist, dass in den SoLaWis eine kostendeckende Erzeugung garantiert ist, d.h. die LandwirtInnen haben ausreichend finanzielle Mittel, um natur- und umweltverträglich arbeiten zu können. Dies ist in unserem jetzigen Agrarsystem leider nicht der Fall, aber definitiv eine wichtige Voraussetzung für Ernährungssouveränität.“

Was ist Solidarische Landwirtschaft?

In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die ErzeugerInnen als auch die VerbraucherInnen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft (siehe https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/). In der Praxis finden sich vielfältige Konzepte der SoLaWi , die sich danach unterscheiden lassen, wer sie führt: ErzeugerInnen, (producer-led), die Gemeinschaft (community-led), ErzeugerInnen und VerbraucherInnen (producer-community partnerships) oder die Eigentümer-Gemeinschaft eines Hofes (Community-owned farms).

Resilient, kooperativ und regional: Die Solidarische Landwirtschaft – ein Zukunftsmodell?

Wir brauchen eine sozial-ökologische Transformation. Denn: Die Klimakrise macht uns die Herausforderungen der jetzigen Wirtschaftsweise bewusst. Und die Pandemie-Krise verdeutlicht die menschgemachten Probleme, wie soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten, zusätzlich. Ein Weiter so ist keine Option. Doch wie könnten Alternativen aussehen? Im Bereich Land- und Lebensmittelwirtschaft erfährt das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft einen immer größeren Zulauf. In der direkten und kooperativen Zusammenarbeit von VerbraucherInnen und ErzeugerInnen wird ein vielversprechendes Zukunftsmodell gesehen. Was zeichnet die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) aus? Welche Erkenntnisse sind übertragbar? Ein Gespräch mit Stephanie Wild vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V.:

Aktuell gibt es eine breite Diskussion darüber, wie die Weichen für eine sozial-ökologische Transformation gestellt werden können. Wie können SoLaWis dazu beitragen bzw. was kann von diesem Konzept gelernt werden?

„SoLaWis müssen als Erfahrungsräume verstanden werden. Sie zeigen, wie und vor allem das ein anderes Wirtschaften, sprich eine umweltverträgliche, kooperative Wirtschaftsweise, möglich ist. Damit demonstrieren die SoLaWis: Eine andere Art der (Land-) Wirtschaft ist nicht nur eine schöne Theorie, sondern wir können diese schon jetzt umsetzen. Das motiviert und macht all denen Mut, die mit unterschiedlichen Projekten aktiv den Wandel gestalten und vorantreiben. Außerdem machen die SoLaWis die komplexen Zusammenhänge unseres jetzigen Wirtschafts- und Agrarsystems erfahr- und damit begreifbar, z.B. erleben die Mitglieder einer SoLaWi die teils konterkarierende politische Rahmenbedingungen. Gleiches gilt für die Auswirkungen des Klimawandels. Die Mitglieder der SoLaWis erfahren unmittelbar, was z.B. Dürre mit ihrer Ernte und damit mit ihrem Speiseplan macht. Dieses Verständnis ist Voraussetzung für aktives Engagement.

Stephanie Wild, © Solidarische Landwirtschaft e.V.

Lebensmittelsicherheit dank regionaler Wertschöpfungsketten – diese und ähnliche Überschriften konnte man in letzter Zeit häufig lesen. SoLaWis stehen für regionale Wertschöpfung – doch was bedeutet das genau?

„Gerade jetzt ist Regionalität eine wesentliche Stärke für die SoLaWis. Sie sind bislang kaum von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Aktuell zeigt sich deutlich: Durch die kurzen geschlossenen Kreisläufe und das Prinzip der Selbstversorgung sind die SoLaWis widerstandsfähig, wenn äußere Systeme nicht mehr funktionieren. Sinn und Zweck der SoLaWis ist die nachhaltige und regionale Grundversorgung. D.h. wir plädieren für die Erhöhung des Selbstversorgungsgrads. Wir sind aber durchaus für Produktvielfalt und damit für den globalen Handel. So gibt es bspw. SoLaWis, die mit ähnlich organisierten Kooperativen in anderen Ländern zusammenarbeiten und von diesen Produkte wie Olivenöl und Orangen beziehen. Hier geht es darum, eine richtige Balance zu finden und ein faires Miteinander zu ermöglichen.“

VerbraucherInnen und LandwirtInnen haben sich stark voneinander entfernt. VerbraucherInnen können Herstellung und Verteilung der Lebensmittel kaum noch nachvollziehen. In den SoLaWis wird die Möglichkeit gesehen beide „Parteien“ wieder zusammenzubringen. Wie sehen Sie das?

„Durch das Konzept der SoLaWis wird eine gemeinsame Gesprächsbasis für LandwirtInnen und VerbraucherInnen geschaffen. Sie sprechen miteinander, nicht übereinander. Aktuell ist es in der Regel so, dass VerbraucherInnen über die Arbeit der LandwirtInnen nur über Dritte, sprich über Medien, erfahren. In den SoLaWis wird der direkte Informationsaustausch gefördert. Außerdem entsteht Verbindlichkeit zwischen den beiden Parteien: Die Mitglieder wollen nachvollziehen, wie die Beiträge investiert werden. Die ErzeugerInnen machen ihre Arbeit deshalb transparent – von der Aussaat bis zur Ernte. Dadurch wird der Aufwand der Lebensmittelerzeugung deutlich. SoLaWis tragen so zur Steigerung der Wertschätzung für die Arbeit der LandwirtInnen bei.“

Das Thema Ernährungssouveränität beschäftigt die Schweisfurth Stiftung schon sehr lange, gerade ist es wieder top aktuell. Welche Rolle nehmen SoLaWis hier ein?

„In den SoLaWis bestimmen die Erzeuger was angebaut wird. Oder besser gesagt: Es wird vom Boden her gedacht. Seine natürliche Beschaffenheit gibt vor, wie er bewirtschaftet wird. Im Rahmen des jetzigen Agrarsystems wird jedoch vom Produkt bzw. der Nachfrage aus gedacht und entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt. Diese sind wenig flexibel und werden den unterschiedlichen Gegebenheiten in den verschiedenen Regionen oftmals nicht gerecht. Dies erschwert die Arbeit der LandwirtInnen enorm. Ein weiterer Aspekt ist, dass in den SoLaWis eine kostendeckende Erzeugung garantiert ist, d.h. die LandwirtInnen haben ausreichend finanzielle Mittel, um natur- und umweltverträglich arbeiten zu können. Dies ist in unserem jetzigen Agrarsystem leider nicht der Fall, aber definitiv eine wichtige Voraussetzung für Ernährungssouveränität.“

Was ist Solidarische Landwirtschaft?

In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die ErzeugerInnen als auch die VerbraucherInnen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft (siehe https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/). In der Praxis finden sich vielfältige Konzepte der SoLaWi , die sich danach unterscheiden lassen, wer sie führt: ErzeugerInnen, (producer-led), die Gemeinschaft (community-led), ErzeugerInnen und VerbraucherInnen (producer-community partnerships) oder die Eigentümer-Gemeinschaft eines Hofes (Community-owned farms).