Werden Sie BlühbotschafterIn. Insekten retten UND die Welt verschönern? Geht.

Wir brauchen eine Biodiversitäts-Wende! Das zeigen die vielen wissenschaftlichen Studien, die den dramatischen Artenschwund belegen. Dabei kann jeder Einzelne einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Wie das konkret funktioniert? Das lernen Sie im BlühbotschafterInnen-Lehrgang der Schweisfurth Stiftung, welcher an fünf Samstagen im Zeitraum von Mai bis Juli 2020 in München stattfinden wird. Anmelden können sich alle Interessierten noch bis zum 29. Februar 2020 hier.

 

 

BlühbotschafterInnen-Lehrgang: Wer kann teilnehmen und was wird gelernt?

Der BlühbotschafterInnen-Lehrgang richtet sich an alle Menschen, die mit ihrer Blütenpracht Insekten begeistern wollen, wie z.B. Gartenliebhaber, Hausmeister, kommunale Mitarbeiter, Imker, Planer, Pädagogen, Landwirte und sonstige Interessierte.

Zukünftige BlühbotschafterInnen beim Lehrgang. Bild: Bodensee Stiftung

Im Lehrgang werden sie zu MultiplikatorInnen ausgebildet, dazu befähigt eigenständig Projekte zur Förderung der biologischen Vielfalt in ihrer Umgebung umzusetzen und kompetente/r AnsprechpartnerIn für Menschen aus dem eigenen Umfeld zu sein. Hierzu vermitteln ExpertInnen in dem fünftägigen Lehrgang grundlegendes Fachwissen über die Zusammenhänge von Landschaft und Nahrung für Insekten. Dabei reichen die Kursthemen von der Saatgut- und Pflanzenauswahl bis hin zur Vorstellung verschiedener Netzwerke. Am Ende des Lehrgangs setzen Sie mit Unterstützung der Schweisfurth Stiftung ein Projekt um. Das detaillierte Programm mit den Terminen gibt es hier zum Nachlesen.

 

 

Wirken Sie mit! Melden Sie sich zum BlühbotschafterInnen-Lehrgang an.

Werden Sie BlühbotschafterIn und tragen dazu bei, dass eine Biodiversitäts-Wende stattfindet. Melden Sie sich hier zum BlühbotschafterInnen-Lehrgang der Schweisfurth Stiftung an. Teilnehmen können alle Interessierten über 18 Jahre, die selbst aktiv werden wollen, um den Artenschwund zu stoppen.

 

Hinweis: Aus gegebenen Anlass kann es zu terminlichen Änderungen kommen, die sich an den Empfehlungen des Freistaat Bayern orientieren.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Lehrgang wird finanziell unterstützt von:

        

Deutsche Postcode Lotterie, Margarethe Ammon Stiftung, Gregor Lousider Umweltstiftung, Basic, Barnhouse

 

 

Ausgezeichnet: Jonathan Rauhuts Engagement für den deutsch-polnischen Naturschutz

Sein unermüdlicher Einsatz für den Schutz der Fluss- und Auenlandschaften im Zwischenoderland im Westen Polen und im Osten Deutschlands überzeugte die Jury. Jonathan Rauhut wurde deshalb im

Wolfgang-Staab-Preisverleihung: Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (links) mit Jonathan Rauhut

Rahmen der internationalen Fachtagung zum Thema Auenentwicklung des Bundesamtes für Naturschutz am 18. September 2019 mit dem hochdotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis  ausgezeichnet. Dieser wird einmal jährlich von der Schweisfurth Stiftung in Kooperation mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzfonds verliehen.

Naturschutz jenseits nationaler Grenzen

In der Vergangenheit war das Zwischenoderland mehrfach umkämpft, immer wieder gab es Pläne zu dessen Eindeichung – Anlass für den Umweltwissenschaftler Jonathan Rauhut eine Vielzahl an Verbänden und Fachleuten aus Polen und Deutschland auf die Wichtigkeit des Zwischenoderlands aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit dieser Allianz konnte der diesjährige Preisträger die naturschutzfachlich äußerst kritische Eindeichung des Zwischenoderlands verhindern – ein bedeutender Erfolg für Hochwasserschutz in Polen, Deutschland und Europa. Ausführliche Informationen über den Preisträger und sein Wirken können der Pressemitteilung PM Preisverleihung WSN 2019 entnommen werden.

Flüsse und ihre Auen – wichtige Ökosysteme

Flüsse und ihre Auen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa und spielen eine zentrale Rolle für den Biotopverbund. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine Reihe für Mensch und Natur essentielle Ökosystemdienstleistungen aus: Sie fungieren als nachhaltiger Hochwasserschutz, sind wichtig für die Selbstreinigung der Gewässer sowie für den Rückhalt von Treibhausgasen. Diese Funktionen zu erhalten und wo möglich wiederherzustellen, ist eine große Zukunftsherausforderung. Denn Flusslandschaften sind heute die am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt. Mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ehrt und unterstützt die Schweisfurth Stiftung engagierte Privatpersonen, die sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort einsetzen und damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung retten. Mehr über den Preis und seinen Namensgeber erfahren Sie hier. 

Citizen Science: Gemeinsam die Verbreitung von Ackergiften erforschen

Um wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu erhalten, wird eine Reihe unterschiedlicher Methoden angewandt. Dies ist nur durch das umfassende Engagement Freiwilliger möglich.

„Mir ist es wichtig, durch wissenschaftliche Methoden Aufschluss über die weitreichende Belastung der Luft mit Pestiziden zu erhalten, was ich sonst nirgends erfahre.“ So begründet Marlene Hansen ihre Entscheidung, bei der Citizen Science-Studie zur Erforschung der Pestizidbelastung der Luft mitzuwirken.

Marlene, 39 Jahre alt und von Beruf Qualitäts- und Produktmanagerin ist eine der 130 BürgerInnen, die sich bei dem Luftgüte-Monitoring zur Pestizidbelastung beteiligt – ohne deren Mitwirken die Durchführung der Studie gar nicht erst möglich wäre. Denn von April bis Herbst 2019 werden an über 125 verschiedenen Standorten Untersuchungen mit unterschiedlichen Forschungsmethoden durchgeführt. Die Herausforderung dabei: Wie kann die fachgerechte  Betreuung der vielen Standorte sichergestellt werden? – Nur durch das Engagement vieler Freiwilliger wie Marlene in Verbindung mit der professionellen Begleitung von Wissenschaftlern.

Umfassendste Pestizid-Abdrift-Studie der Bundesrepublik

Eine erste Studie (10.02.2019) kam zu dem alarmierenden Ergebnis, dass sich der Verdacht einer flächendeckenden Abdrift von Ackergiften über den Luftweg erhärtet.

Jetzt gilt es, diese These weiter wissenschaftlich zu validieren. Deshalb hat das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft eine Folgestudie in Auftrag gegeben. Diese wird von der Schweisfurth Stiftung gemeinsam mit dem Umweltinstitut München  und dem Forscherbüro TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR durchgeführt.

Um wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu erhalten, wird eine Reihe unterschiedlicher Methoden angewandt: Neben technischen Sammlern werden Baumrinden, Filtermatten aus Klimaanlagen und Bienenbrot auf Pestizid-Rückstände analysiert.

Insbesondere Letzteres ist ein wichtiger Indikator:  Bienenbrot unterliegt weniger Einflüssen durch die Biene als Honig. Deshalb ist es besonders dazu geeignet, um mögliche Pestizidrückstände in Pollen zu analysieren.

Ackergifte kennen keine Grenzen

Übrigens: Das Bündnis gegen Ackergifte ist seit Juni diesen Jahres auch in Österreich aktiv. Der Bio-Pionier Sonnentor hat dort den Verein zur Förderung einer enkeltauglichen Umwelt in Österreich gegründet.

Klimaentlastung durch Landwirtschaft? – Geht!

Der jüngste Aufruf an die Weltgemeinschaft ihr Verhalten und ihren Umgang mit der Umwelt, aber auch untereinander zu ändern stammt vom IPCC . In seinem neuen Sonderbericht über Klimawandel und Landnutzungssysteme wird deutlich, dass ein „Weiter so“ nicht zukunftsfähig ist. Ein Mahner und zugleich Impulsgeber der ersten Stunde ist auch Ernst Ulrich Weizsäcker. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde das Symposium „Wir sind dran: Inspirieren – Reflektieren – Handeln – Symposium für eine nachhaltige Welt“  von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie veranstaltet. Dabei hat Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung, die Notwendigkeit und das Potenzial für einen Wandel in der Landwirtschaft aufgezeigt – sein Kommentar:

Zukunftsthema Landnutzung

Ein zentrales Ergebnis des neuen Sonderberichts des IPCCs lautet: wir müssen die Art und Weise der Landnutzung ändern. Denn fast 25 Prozent der eisfreien Landfläche sind von Landdegradierung betroffen. Das heißt, die biologische Funktionalität dieser Flächen schwindet: auf Äckern wächst weniger Getreide, auf Weiden weniger Gras und die biologische Vielfalt nimmt ab. Langfristig ist dies eine Gefahr für die Ernährungssicherheit. Verantwortlich dafür ist unter anderem die industrielle Landwirtschaft mit ihren umweltbelastenden Praktiken wie beispielsweise Anbau von Monokulturen, Überweidung, intensive Verwendung von anorganischen Düngemitteln. Doch Landwirtschaft hat – wird sie naturverträglich betrieben – großes Potenzial zum Erhalt und Aufbau eines gesunden Bodens beizutragen.

Klimapositive Landwirtschaft geht!

Denn eine Landwirtschaft, die sich positiv auf das Klima auswirkt, ist möglich. Dazu braucht es sowohl Pflanzen als auch Weidetiere: Pflanzen besitzen die Fähigkeit CO2 aufzunehmen, dieses in den Boden zu transportieren, wo es dann gebunden wird. Das bestätigen auch die neuesten Forschungsergebnisse von Christine Jones zum sogenannten „Liquid Carbon Pathway“. Wichtig dabei: Der Prozess darf nicht durch Überdüngung des Bodens blockiert werden. Aber auch Weidetiere haben – entgegen der landläufigen Meinung – das Potenzial eine klimapositive Wirkung zu erzeugen. Entwickelt in Jahrmillionen langer Co-Evolution mit Weidetieren unterliegt Grasland einer besonderen Wachstumsdynamik: durch die Beweidung von Grasland wird ein Wachstumsimpuls ausgelöst, wodurch Gras zur Photosynthese und dadurch zur CO2-Aufnahme angeregt wird. Zusätzlich lässt dieser Effekt die unterirdischen Wurzeln wachsen, wodurch die Humusbildung gesteigert wird. Dadurch entsteht ein Boden, der mehr CO2 binden kann als Waldböden.

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald ist überzeugt: Eine klimapositive Landwirtschaft geht!

Die Devise muss jetzt lauten: Vom Wissen zum Handeln

Das macht deutlich: alle für eine tatsächlich nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft erforderlichen Produktionsmethoden sind bekannt und vorhanden. Doch wie bereits Johann Wolfgang von Goethe feststellte: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“ Wir müssen jetzt vom Wissen zum Handeln zu kommen. Nur so kann die Transformation gelingen.

Zwei Bio Pioniere inspirieren sich wechselseitig in Herrmannsdorf

Zeitgleich und doch vollkommen unabhängig voneinander haben sie eine wegweisende Entscheidung getroffen: Prinz Charles und Karl-Ludwig Schweisfurth waren bereits Mitte der 80er Jahre überzeugt davon, dass nur der Ökolandbau zukunftsfähig ist. Der eine begann in England 360 ha auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Der andere gründete vor den Toren Münchens in Glonn die Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit ökologischer Landwirtschaft und Lebens-Mittel Handwerk. Im Mai 2019 – knappe 35 Jahre später – lernten sich die beiden Bio-Pioniere in Herrmannsdorf persönlich kennen.

Anlässlich des zweitägigen Besuches in München hatte sich die königliche Hoheit den Besuch des weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannten Ökobetriebs Herrmannsdorfer Landwerkstätten gewünscht. Empfangen wurde er gleich von drei Schweisfurth-Generationen: dem Gründer Karl-Ludwig, seinem Sohn Georg und seiner Enkelin Sophie, die die Geschäftsleitung in Herrmannsdorf im Oktober 2018 von ihrem Onkel Karl übernommen hatte.

Vielfalt und innovative Ansätze insbesondere in der Tierhaltung inspirieren  

Beim gemeinsamen Rundgang durch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit Sophie und Georg Schweisfurth, konnte sich Prinz Charles neue Ideen und Anregungen für seinen Bio-Betrieb in England holen.

Prinz Charles und seine Gemahlin, Herzogin Camilla, brachten ausreichend Zeit mit, so dass sie sich beim Rundgang die vielfältigen Gewerke in Herrmannsdorf erklären lassen und natürlich auch von den eigenen Erfahrungen berichten konnten. Absolut neu für den wohl berühmtesten Bio-Bauern Europas, Prinz Charles, war die von Karl-Ludwig Schweisfurth in den letzten 15 Jahren entwickelte und beforschte „symbiotische Landwirtschaft“. „Bei uns leben Rinder, Schweine und Masthühner auf Kleegras-Weiden zusammen und profitieren voneinander. Die Hühner übernehmen beispielsweise die Körperpflege bei den Schweinen. Die Rinder und die Schweine sind der Wachdienst für die Hühner und halten Fuchs, Habicht und Marder auf Distanz. Außerdem ist der Ertrag pro Hektar durch die symbiotische Bewirtschaftung deutlich höher. Eine echte Symbiose eben“ erklärt Georg Schweisfurth das Konzept der „symbiotischen Landwirtschaft“. Nach zwei Jahren zieht die tierische Gemeinschaft auf eine neue Fläche. Auf dem abgeweideten, durchwühlten und gut gedüngtem Areal werden danach wieder Getreide und andere Feldfrüchte angebaut. Die „symbiotische Landwirtschaft“ ist eine Innovation des „Alten von Herrmannsdorf“, wie sich Karl-Ludwig gerne selbst bezeichnet, für noch mehr Tierwohl. Und sie bringt Ackerbau und Tierhaltung in besonderer Weise in Einklang. Gerade in der Vielfalt liegt eine große Chance des Ökolandbaus.

Begeistert zeigte sich Prinz Charles auch von den mobilen Lösungen für Stall- und Futterplatz, die ohne ein hohes Maß an technischen Investitionen auskommen. So empfiehlt und praktiziert es auch der gemeinsame Bekannte der Bio-Pioniere, Joel Salatin. Der amerikanische Bauer und Autor trägt mit seiner praktischen Arbeit und Informations-Veranstaltungen auf der ganzen Welt zur Verbreitung der „regenerative Landwirtschaft“ bei.

Begleitende Forschung durch die LMU

Die Schweisfurth Stiftung arbeitet mit der „Tierärztlichen Fakultät“ der LMU München an einem Forschungsprojekt zur „symbiotischen Landwirtschaft“. Hierbei geht es auch darum mögliche Risiken der symbiotischen Landwirtschaft zu identifizieren, zu beurteilen und zu gewichten. Besondere Berücksichtigung findet neben praktischen Perspektiven wie Umsetzbarkeit, Ökonomie und Erweiterbarkeit, die Tiergesundheit mit allen relevanten veterinärbehördlichen Vorschriften. Am Ende soll eine Handreiche für ein geeignetes Risiko-Management für interessierte Betriebe und Veterinäre zur Verfügung stehen, die basierend auf wissenschaftlichen Ergebnissen die „symbiotische Landwirtschaft“ nach Herrmannsdorfer Vorbild als natürliche Tierhaltungsform fördert.

Einladung auf die Duchy Home Farm ausgesprochen

Das englische Thronfolgerpaar möchte den Austausch mit der Familie Schweisfurth gern fortsetzen und sprach eine Einladung auf den eigenen Bio-Betrieb, die Duchy Home Farm in Cornwall aus. Was sie verbindet sind die gemeinsamen Werte. Karl-Ludwig und Sophie haben sie in ihrem im Droemer Knaur Verlag erschienen Buch Das geht so nicht weiter eindrücklich beschrieben. Sie sind überzeugt: Die Würde des Menschen beginnt mit dem Respekt vor den Tieren.“

Die Überzeugung von Prinz Charles, dass eine öko-soziale Agrarwende notwendig ist, dokumentiert der renommierte Münchner Filmemacher Betram Verhaag in seinem Film „Der Bauer und sein Prinz“.

 

Von unglücklichen Kühen und einer Männerquote für Küken

Männliche Küken werden geschreddert und Kühen die Hörner entfernt! – Wie kann das sein? Welche Alternativen gibt es? Heutzutage werden Tiere meist zu reinen Produktionsmitteln degradiert. Sie werden so gezüchtet, dass sie optimal an die Ansprüche des industriellen Agrarsystems angepasst sind. Doch es geht auch anders, wie die Podiumsdiskussion des Tierzuchtfonds, einer Initiative der Schweisfurth Stiftung, des Deutschen Tierschutzbundes und der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, auf der Biofach 2019 zeigte.

Produktionsfaktor Tier

Die moderne Tierzucht findet gegenwärtig viel mehr im Reagenzglas statt als im Stall. Der Fokus liegt darauf, die Tiere auf Hochleistung zu züchten. Wesen und Würde der Tiere geraten dabei vollkommen aus dem Blick. Die Folgen: Die Tiere sind anfälliger für Krankheiten, was einen erhöhten Einsatz von Antibiotika mit sich bringt, weisen eine geringere Lebenserwartung auf und die biologische Vielfalt nimmt ab. Dies ist nicht mit den ethischen Grundsätzen des ökologischen Landbaus vereinbar. Bei einer artgemäßen Tierzüchtung sind Aspekte wie Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und Erhalt bedrohter Nutztierrassen wesentlich. Leider steht den LandwirtInnen derzeit nur eine kleine Basis an ökologisch gezüchteten Nutztierrassen zur Verfügung. Eine artgemäße Zucht im ökologischen Landbau ist deshalb Gebot der Stunde.

Es geht auch besser!

Wie eine Ausweitung der artgerechten Züchtung möglich ist, wurde im Rahmen der Podiumsdiskussion des Tierzuchtfonds auf der Biofach 2019 diskutiert. VertreterInnen aus Handel, Zucht und Wissenschaft tauschten sich über Lösungsansätze und die notwendigen Schritte hin zu einer ökologischen Tierzucht aus. So forderten Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH, Mainz und Franziska Hagen, Fachreferentin des Deutschen Tierschutzbundes, Bonn die ökologische Züchtung für Bio-Betriebe verpflichtend zu machen. Diese soll sich an den Zuchtzielen Rassenvielfalt, Langlebigkeit, Robustheit, Zweinutzungsrassen, Freilandtauglichkeit sowie Anpassungsfähigkeit der Tiere an regionale Gegebenheiten orientieren. Für eine eigene Bio-Züchtung bedarf es neben viel Engagement vor allem einen hohen finanziellen Aufwand. Daraus folgerte Georg Kaiser, Geschäftsführer der Bio Company – ein Biosupermarkt-Filialist mit Hauptsitz in Berlin, dass Produkte aus Öko-Zucht teurer sein sollten. Dies erfordert jedoch die Bereitschaft der VerbraucherInnen, einen höheren Preis für echtes Tierwohl zu zahlen. Voraussetzung dafür ist, dass KonsumentInnen über die Problematik informiert sind und deren Auswirkungen verstehen. Deshalb führt Kaiser regelmäßig Kampagnen in den Bio Company-Filialen durch: So werden beispielsweise im Rahmen der Bruderhahn Initiative Deutschland VerbaucherInnen auf die nutzlose Tötung männlicher Küken aufmerksam gemacht. Der Handlungsbedarf sei auch bei anderen Tierarten dringend, warnte Professor Onno Poppinga vom Kassler Institut für ländliche Entwicklung: Die Vielfalt der Rinder-Gene hat aufgrund der Konzentration auf einige wenige Zuchtbullen bereits drastisch abgenommen. Vereinzelt gibt es jedoch auch positive Entwicklungen, wie beispielsweise das Engagement vieler Demeter-Betriebe, eine eigenständige Zucht für hörnertragende Rinder aufzubauen. „Die Diskussion zeigt: Ökologische Tierzucht ist eine der drängendsten Herausforderung der Bio-Branche. Bewältigt werden kann sie nur von Züchtern, Herstellern, Händlern und Verbrauchern gemeinsam. Der Tierzuchtfonds ist dabei ein wichtiges Instrument, um artgemäße Zucht zu fördern und damit den ökologischen Landbau zu stärken.“, fasst Prof. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, das Fazit der Diskussion zusammen.

Verdacht auf flächendeckende Abdrift von Ackergiften erhärtet

Alarmierende Ergebnisse: Neue Studie zeigt, dass die Ko-Existenz von biologischen und konventionellen Anbauverfahren gefährdet ist und offenbart damit, dass die Politik die staatliche Schutzverpflichtung gegenüber dem Öko-Landbau nicht einhält. Die ausführlichen Ergebnisse und weitreichenden Implikationen der Studie wurden auf der Biofach 2019 vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, das von der Schweisfurth Stiftung als Bündnispartner aktiv unterstützt wird, vorgestellt. Es ist die bisher größte Studie über die Luftverfrachtung von Ackergiften in Deutschland.

Rückstandfreies Bio – eine Utopie?

Hintergrund und Auslöser der Studie war die sogenannte „Urinale“, durchgeführt von der Bürgerinitiative Landwende von Oktober 2015 bis Januar 2016. Insgesamt 2011 Bürger*innen ließen ihren Urin auf Glyphosat untersuchen, die Hälfte der Teilnehmer*innen verzehrte überwiegend Lebensmittel aus ökologischem Anbau. In 99,6 Prozent der Proben war Glyphosat nachweisbar, dabei machte es fast keinen Unterschied, ob die Probanden sich konventionell ernährten oder nicht. Die Vermutung lag also nahe, dass sich konventionelle Ackergifte – entgegen der Auffassung der Industrie – über die Luft verbreiten und keineswegs vor ökologisch bewirtschafteten Flächen oder Biosphärenreservaten Halt machen. Dafür liefert die neue Studie nun wissenschaftliche Belege.

Mehr als 100 Pestizide nachgewiesen

Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft wollte mit der Baumrindenstudie, durchgeführt vom unabhängigen Institut TIEM integrierte Umweltüberwachung erstmalig die flächendeckende Verbreitung von Ackergiften durch die Luft ermitteln. Mittels eines Luftgüte-Rindenmonitorings wurde die Rinde von Bäumen an 47 Standorten deutschlandweit auf Pestizidrückstände untersucht: auch in Schutzgebieten, Bio-Anbauregionen und Innenstädten. Die Studie wies insgesamt 107 verschiedene Pestizide nach, zwei davon waren Ackergifte (DDT und Lindan), die seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt werden. „Ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Entscheidungen früherer Generationen sich noch lange auf die Zukunft auswirken“, kommentiert Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung und Koordinator des Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft. Am weitesten verbreitet sind laut Studie Pestizide mit hohem Dampfdruck, wie Pendimethalin und Prosulfocarb.

Glyphosat – vom Winde verweht?

Brisantes Ergebnis ist auch, dass an über der Hälfte aller untersuchten Standorte Glyphosat nachgewiesen werden konnte. Dies ist insbesondere von entscheidender Bedeutung, da die Industrie eine Verbreitung des Pflanzenschutzmittels über den Luftpfad bislang negiert. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass „eine Verbreitung über die Luft als ein möglicher Expositionspfad von Glyphosat im Hinblick auf eine allgemeine Belastung nicht plausibel ausgeschlossen werden kann.“ Genau dies jedoch haben sowohl die deutschen als auch die europäischen Behörden im Zulassungsverfahren getan.

Nun ist die Politik gefragt

Mit dieser Studie ist die Bio-Branche in Vorleistung gegangen und liefert wissenschaftliche Belege dafür, dass die Luftverfrachtung von Ackergiften existiert. Für das Bündnis ist sie als enormer Erfolg zu werten, denn die Ergebnisse verleihen ihm eine starke politische Stimme. „Die Studie macht deutlich, dass die Ko-Existenz von Bio-Anbau und konventioneller Landbewirtschaftung grundsätzlich gefährdet ist und gibt uns eine neue Grundlage, um mit der Politik in Dialog zu treten. Die Ko-Existenz der beiden Anbauformen ist eine legitime Forderung und muss in Deutschland dauerhaft gewährleistet werden“, erläutert Kohlschütter die politischen Implikationen der Studie. „So geht es nicht weiter. Es geht an die Wurzel unserer Existenz und das, was wir unter Leben verstehen, wird durch die Ackergifte angegriffen,“ mahnt auch Johannes Heimrath von der Bürgerinitiative Landwende die Brisanz der Ergebnisse an. Zwei richtungsweisende Forderungen stellt das Bündnis an die Politik: Die Revision der europaweiten Zulassungsverfahren und die Aufnahme von Glyphosat und andere in der Studie auffälligen Pestizide als festen Bestandteil der regulären Immissionsüberwachung in Deutschland.

Anschlussstudie bereits geplant

Das Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft hat bereits eine Folgestudie geplant, die mit drei weiteren Forschungsmethoden die These der Verbreitung von Pestiziden über den Luftweg untersucht. Im Rahmen des Citizen Science Projektes werden Bürger*innen bis Ende Februar 2019 dazu aufgerufen, sich an einem integrierten Monitoring zu beteiligen. Neben dem Baumrindenmonitoring ist beispielsweise die Installation von technischen Sammlern geplant. Ziel dabei ist es, die Bevölkerung miteinzubeziehen und den Staat mit dieser breiten Aktion auch auf seine Schutzverpflichtung aufmerksam zu machen: Die Existenz des Öko-Landbaus muss gesichert und rückstandfreies Bio in der Zukunft gewährleistet sein können.