Jungforscherinnen vor den Vorhang – Analysen und Empfehlungen für die Bio-Lebensmittelwirtschaft - Schweisfurth Stiftung Fair zu Mensch und Tier
Ökologie & Ethik

Jungforscherinnen vor den Vorhang – Analysen und Empfehlungen für die Bio-Lebensmittelwirtschaft

Vier herausragende Forschungsleistungen zur Bio-Lebensmittelwirtschaft wurden am 15. Februar 2018 auf der Biofach in Nürnberg geehrt. Den jungen Forscherinnen gelang es in ihren Abschlussarbeiten sehr diverse, spannende Zukunftsfragen aufzuwerfen. Allen gemein ist die Suche nach Alternativen zur industriellen Landwirtschaft. Die ganzheitliche Betrachtung der komplexen Herausforderung, die Einbeziehung von ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Faktoren sowie die interdisziplinäre Herangehensweise an die Problemstellungen, zeichnen die hohe Qualität der Forschungsarbeiten aus.

„Wir freuen uns sehr, dass wir als Stiftung, den Preis bereits zum 5. Mal unterstützen und begleiten dürfen. Die Einreichungen zeigen das große Interesse, die Begeisterung und das Engagement der jungen WissenschaftlerInnen und ihrer akademischen BegleiterInnen eine nachhaltige Zukunft zu gestalten“, so Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung und Mitglied der Jury des Forschungspreises.

Der in diesem Jahr mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde dieses Jahr in den Kategorien Bachelor und Masterarbeit verliehen. Seit der ersten Verleihung vor fünf Jahren wurden 88 Arbeiten eingereicht.

Hier finden Sie einen kurzen Einblick in die vier ausgezeichneten Abschlussarbeiten:

Monetarisierung der Folgen von reaktivem Stickstoff im Agrarsektor
Amelie Michalke legt mit ihrer Bachelorarbeit die Folgekosten offen, die wir alle durch die Düngung von landwirtschaftlicher Nutzfläche tragen. Stickstoffüberschüsse generieren zeitversetzt Kosten, die nicht dem Verursacher des Stickstoffproblems zugeschrieben werden, sondern anderweitig getragen werden müssen. „Die externen Effekte von konventionell hergestellten Lebensmitteln sind um ein Vielfaches größer als die von Lebensmitteln ökologischen Ursprungs“, so Michalke. Bei vegetarischen Bio-Produkten müsste etwa ein Preisaufschlag von 1% eingepreist werden, um die negativen Effekte des Stickstoffeinsatzes zu berücksichtigen, bei tierischen konventionellen Lebensmitteln seien es ca. 10%. „Ziel sollte es sein, die Konsumenten mit wahren Preisen im Supermarkt zu nachhaltigem Konsum zu lenken“, resümierte die Studentin.

How the Superfood Trend Changed Farmers’ Income in the Andean Region of Bolivia
Mit dem Trend Superfoods hat sich Michaela Kuhn von der Technischen Universität München in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt. Sie legt dar, dass die gesteigerte Nachfrage nach Quinoa in Hocheinkommensländern zwar zu einer Erhöhung der Einkommen bei den Kleinbauern in Bolivien führte, die Produktionsausdehnung teilweise aber auch auf Kosten der ökologischen Nachhaltigkeit und der Ernährungssicherung der Landwirte und ihrer Familien vor Ort gegangen ist.

Ökologischer Landbau in der Berufsschule
Dass der Ökolandbau in staatlichen Berufsschulen mehr gefördert werden müsste, damit befasste sich Julia Stark von der Universität Kassel in ihrer Masterarbeit. Wesentliches Fazit ihrer Arbeit ist, dass der Ökolandbau vor allem Bestandteil anderer Fächer ist und die vermittelten Inhalte für eine fachliche Vorbereitung auf eine Tätigkeit im Ökolandbau nicht ausreichen. Um dem entgegenzuwirken, zeigt Stark in Ihrer Arbeit die wichtigsten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen auf, zum Beispiel die fachliche Fortbildung der Berufsschullehrer.

Möglichkeiten und Grenzen einer Markteinführung des ei care Fleisches*
Durch Literaturanalyse und Experteninterviews untersucht Magdalena Gutendorf von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde die Möglichkeiten und Grenzen der Markteinführung des sogenannten „ei care Fleisches“ in die gehobene Berliner Gastronomie. Mit Empfehlungen zur Marktfähigkeit, liefert sie einen Beitrag zur Weiterentwicklung der ökologischen Geflügelzucht und stärkt damit die Glaubwürdigkeit der ökologischen Tierhaltung. Insbesondere den Wunsch der Gastronomen nach direktem Austausch mit den Erzeugern und einzigartigem Geschmack müssen Bio-Betriebe laut der Analyse in Berlin berücksichtigen.

Der Forschungspreis schlägt eine Brücke zwischen jungen Nachwuchsfachkräften und engagierten Unternehmen der Bio-Branche. Dem Fazit von Petra Wolf von der Nürnbergmesse können wir uns nur anschließen: „Die Preisträgerinnen haben ein beeindruckendes wissenschaftliches Engagement an den Tag gelegt. Liebe Biobranche, holt Euch diese ausgezeichneten Fachkräfte.“

* ei care folgt einem regionalen und ganzheitlichen Ansatz in der Hühnerhaltung. Dazu zählt die Verwertung des ganzen Tieres ebenso wie die Zucht des Zweinutzungshuhns.

 

Zum Weiterlesen: www.forschungspreis-bio-lebensmittel.de

 

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