(c) Schweisfurth Stiftung

Insektensterben stoppen – Mehr Wildnis für Stadt und Land!

Die Schweisfurth Stiftung hat dieses Jahr 31 Menschen im Blühbotschafter:innen-Lehrgang dazu ausgebildet, durch eigene Projekte vor Ort die Artenvielfalt zu erhöhen

Was hilft der Insektenvielfalt? Und was kann ich als Einzelne:r tun, um die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern? Antworten auf diese Fragen erhielten hochmotivierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen zweier Blühbotschafter Lehrgänge von Mai bis Juli dieses Jahres. Die von der Schweisfurth Stiftung organisierten Exkursionen und Vorträge in München und Weilheim zur Stärkung der Insektenvielfalt waren ein voller Erfolg: Die neu ausgebildeten Blühbotschafter:innen werden rund 30 neue insektenfreundliche Projektflächen in ganz Deutschland entstehen lassen.

Mehr Wissen und Tatkraft für den Insektenschutz

Die Artenvielfalt ist um 31 Blühbotschafter:innen reicher geworden: So viele Multiplikator:innen hat die Schweisfurth Stiftung bei ihren diesjährigen Blühbotschafter:innen-Lehrgängen ausgebildet. Sie alle wollen sich künftig aktiv für bessere Lebensbedingungen blütenbesuchender Insekten, für blütenreiche und insektenfreundliche Gärten, Siedlungen und Landschaften einsetzen. Die Blühbotschafter:innen nahmen von Mai bis Juli 2021 in München und Weilheim gemeinsam mit Projektleiterin Carmen Grimbs an verschiedensten Exkursionen und Vorträgen zum Thema Insektenvielfalt teil. Zu jedem Treffen waren Expert:innen eingeladen, die Fachwissen zu Ökologie und den Ansprüchen der Insekten an ihren Lebensraum vermittelten und praktisch erlebbar machten. Beispielsweise zeigte Julie Weissmann (BUND) den Teilnehmer:innen, wo die wilden Bienen Münchens wohnen. Der rote Faden dabei war die Frage: Was kann jeder Einzelne tun, um die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern?

Landwirte und Krankenschwestern schaffen Blühflächen

Unter den Teilnehmenden waren alle Altersklassen, Vorkenntnisse und Interessensgebiete vertreten. Sie alle werden sich künftig auf vielfältigste Weise für die Insektenvielfalt einsetzen. So will eine Erzieherin das erlernte Wissen künftig in einem Projekt zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung mit Kindern umsetzen. Eine Landwirtsfamilie wird im Anschluss an den Lehrgang Blühflächen als Trittsteine in der Agrarlandschaft anlegen. Und eine Krankenschwester darf an ihrem Krankenhaus als Blühbotschafterin eine neu anzupflanzende Fläche in Blühflächen umwandeln.

„Das Blühbotschafter:innen Lehrgang vermittelte mir als große Tier- und Naturfreundin eine Quelle neuen Wissens. Es ist eine Freude und treibt meinen Elan nochmal deutlich an, mich mit Gleichgesinnten für den Natur- und Artenschutz sowie den Erhalt der Biodiversität zu engagieren“, resümiert Teilnehmerin Nicole Klötzer.

Hohe Motivation und viele neue Ideen

Projektleiterin Carmen Grimbs von der Schweisfurth Stiftung ist rundum zufrieden mit dem Resultat: „Alle Teilnehmer:innen waren hoch motiviert, voller Tatendrang und hatten zumeist schon vor den Lehrgängen konkrete Umsetzungsideen. Besonders gefreut hat mich, dass zu den am Anfang der Kurse angedachten Projektideen noch viele neue Idee hinzukamen. So konnten die Lehrgänge dazu beitragen, das Spektrum der Möglichkeiten zu vergrößern und die Umsetzung konkret anzugehen.“

Klarheit über Ursachen des Insektensterbens schaffen und Engagierte vernetzen

Der Schweisfurth Stiftung ist es ein Anliegen, durch die Lehrgänge Bewusstsein für die schwierige Situation für blütenbesuchende Insekten zu schaffen. Auch die Zusammenhänge zwischen Biodiversitäts- und Klimakrise sollen in den Kursen herausgearbeitet werden. Am Wichtigsten ist jedoch die konkrete Umsetzung vor Ort: Speziell in Städten zerstört die Nachverdichtung viele Lebensräume zum Beispiel von Wildbienen. Durch das Schaffen vieler kleiner naturnaher Flächen kann gerade hier ein großer Beitrag geleistet werden. Für die Kontinuität des Engagements der Blühbotschafter:innen ist die Vernetzung und der Austausch der Multiplikator:innen untereinander essentiell. Deswegen steht die Schweisfurth Stiftung den Teilnehmer:innen natürlich auch nach den Lehrgängen mit Rat und Tat zur Seite und organisiert regelmäßige Austausch- und Vernetzungstreffen.

Weitere Informationen zum Projekt Blühbotschafter:innen-Lehrgang sind hier zu finden.

Unser Dank gilt zudem unseren Förderpartnern, ohne deren Unterstützung der Lehrgang nicht hätte stattfinden können:

1700-mal Schotenklump bitte!

Wie ein Eintopfklassiker das Klima, unser Trinkwasser und die Artenvielfalt schützen kann.

(c) WERTvoll

„Wir brauchen mehr Eintopf!“ – schallt es in die Küche eines städtischen Altenpflegeheims in Leipzig. Draußen an den Tischen beugen sich Seniorinnen und Senioren genüsslich über ihre Teller. Es gibt „Schotenklump“ – einen deftigen regionalen Eintopfklassiker aus Erbsen, Kohlrabi und Rippchen. Das Besondere: Die Zutaten des Eintopfs stammen aus dem Leipziger Umland und wurden zum großen Teil in Bioqualität hergestellt. Das Aktionsessen „Schotenklump“ unseres Projekts WERTvoll zeigt, dass ökologisch angebaute, regional produzierte Waren in der Gemeinschaftsverpflegung ein Gewinn für Mensch und Natur sind. Doch für eine großflächige Umsetzung fehlt noch die Logistik.

Anfang Juli kamen 1700 Senior:innen und Kinder in Leipzig in den Genuss eines echten Eintopfklassikers: dem „Schotenklump“. Alle städtischen Altenpflegeheime und etliche Kitas wurden mit dem deftigen Erbseneintopf versorgt, dessen Zutaten in der Region um Leipzig produziert wurden. Die Bio-Erbsen des Schotenklumps stammen vom Wassergut Canitz, der Bio-Kohlrabi von Hundert Morgen Land, und die Rippchen vom Schicketanzhof – alles Betriebe im direkten Umland der Stadt. Serviert wurde das Gericht nach einem Rezept der Großmutter des Slow-Food-Kochs Thomas Marbach. Begeistert von Großmutters Eintopf waren nicht nur die Senior:innen und Kinder, sondern auch die Küchenchefs der beteiligten Kantinen und Caterer, die die besondere Qualität der Zutaten hervorhoben. Initiiert hatte das Aktionsgericht unser Projekt WERTvoll anlässlich der Erbsenernte in der Region – mit einem klarem Ziel vor Augen.

(c) WERTvollGutes Trinkwasser durch regionale Küche

„Wir wollten zeigen, dass die Region um Leipzig alles für ein gutes, gesundes Essen in der Stadt bereithält. Und dass wir mit unserer Art des Konsums in der Stadt Gutes für gesunde Böden, sauberes Wasser und den Klimaschutz tun können“, so Arian Gülker, Leiter des Projekt WERTvoll in der Schweisfurth Stiftung. Das Projekt hat zum Ziel, eine fruchtbare Stadt-Land-Partnerschaft zwischen Leipzig und seinem Umland aufzubauen und die regionale Wertschöpfung in Sachen Lebensmittelversorgung zu erhöhen. Ein wichtiger Hebel dafür ist, dass Kantinen und Caterer – also die sogenannte Gemeinschaftsversorgung – stärker auf regional und biologisch erzeugte Lebensmittel zurückgreifen und so Erzeuger:innen davon relevante Mengen absetzen können. Werden mehr Lebensmittel – wie die Erbsen für den Schotenklump – direkt im Umland ökologisch angebaut, hilft das Dreifach: Der Ökolandbau stärkt den Aufbau von Humus in den Böden. Dadurch wird das Trinkwasser für die Stadt ganz natürlich besser gefiltert und die Kosten für die Aufbereitung sinken. Zweitens sind humusreiche Böden gute CO2-Speicher – so leisten die Zutaten im Eintopf substanzielle Beiträge für den Klimaschutz. Und Drittens hilft die extensive Weidehaltung für die Schweinerippchen der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.

Lieferbeziehungen ausbaufähig

Das Aktionsgericht Schotenklump war für das Projektteam von WERTvoll ein perfektes Experiment, um herauszufinden, was es braucht, um regionale Bioprodukte in der Gemeinschaftsverpflegung attraktiver zu machen. Wie sich zeigte, ist die größte Herausforderung, die unterschiedlichen Zutaten der verschiedenen Erzeuger in die Küchen zu bekommen. Denn eine Logistik für regionale Produkte existiert in der Region kaum. „Das Problem ist, das noch keine festen Verbindungen zwischen Erzeuger:innen auf dem Land und den Küchen in der Stadt bestehen. Um regional erzeugte Gerichte regelmäßig und auch für mehr Interessierte anbieten zu können, müssen die Lieferbeziehungen gestärkt werden“, so Gülker.

Erste Erfolge!

Gut, dass die Schweisfurth Stiftung zusammen mit den Partnern vor Ort zu diesem Thema Anfang September eine Zukunftswerkstatt organisierte. Ob Landwirt:innen, Caterer, Fridays for Future Aktivist:innen oder Verwaltungsbeamte aus Stadt und Land – sie alle arbeiteten in der Werkstatt unter anderem daran, die Lieferbeziehungen und die Netzwerke untereinander zu stärken. Ein schönes Ergebnis des Treffens: Ein Landwirt, eine Mühle und ein Bäcker haben sich gefunden und wollen gemeinsam ein regionales Bio-Brot erzeugen. Und: Sogar die Kantine von Porsche hat verstärktes Interesse an regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln bekundet. Na, wenn das kein Fortschritt ist!

Mehr Informationen zum Projekt WERTvoll in der Schweisfurth Stiftung sind hier zu finden.

Gemeinsam für eine enkeltaugliche Landwirtschaft: Schweisfurth Stiftung übernimmt Trägerschaft für das Öko-Junglandwirte-Netzwerk von der SÖL

Ressourcen schonen, fruchtbare Böden aufbauen und erhalten, Tierwohl stärken, Biodiversität fördern und viele weitere Themen stehen auf der Agenda des Öko-Junglandwirte-Netzwerks – und auch auf der der Schweisfurth Stiftung. Eine enge Zusammenarbeit liegt daher nahe. Ab Januar 2021 übernimmt die Münchner Stiftung die Trägerschaft für das Öko-Junglandwirte-Netzwerk von der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL), die das Netzwerk von Anfang an mit begleitet und aufgebaut hat. Konkret bedeutet dies, dass die Schweisfurth Stiftung nun das ehrenamtliche Netzwerk-Team insbesondere bei administrativen Aufgaben unterstützt. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und sind der SÖL dankbar für das bisherige Engagement, denn uns verbindet ein gemeinsames Ziel: eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft voranzubringen. Das kann nur gemeinsam und mit Hilfe starker Netzwerke gelingen. Gerade im Bereich Netzwerkaufbau und -pflege hat die Schweisfurth Stiftung viel praktische Erfahrung – beste Voraussetzung also, um mit dem Öko-Junglandwirte-Netzwerk gemeinsam zu wachsen und sich weiter zu entwickeln“, kommentiert Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung.

Engagiert, innovativ und zukunftsorientiert: Das Öko-Junglandwirte-Netzwerk

2006 hatte eine kleine Gruppe Student:innen der Fachschule für Agrarwirtschaft in Kleve das Netzwerk ins Leben gerufen. Inzwischen zählt es bundesweit über 2.000 Interessierte. Ihr gemeinsames Anliegen: positive Veränderungen anstoßen, aktiv die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten und gemeinsam über aktuelle und auch kritische Themen des Ökolandbaus diskutieren – und mindestens ebenso wichtig: der Austausch untereinander und die gegenseitige Beratung. Dazu haben die Mitglieder – neben dem Netzwerk selbst – unterschiedliche Formate entwickelt: Einmal im Jahr findet die Öko-Junglandwirte-Tagung statt. Es ist das Herzstück des Netzwerks. Hier treffen sich Junglandwirt:innen, Gärtner:innen, Imker:innen, Winzer:innen, Schüler:innen und Studierende aus ganz Deutschland und „beackern gemeinsam die Felder von morgen“. Damit wurde ein Format geschaffen, welches einen verbandsübergreifenden fachlichen Dialog ermöglicht – mit Erfolg: 2019 verzeichnete die Tagung rund 180 Teilnehmer:innen. Darüber hinaus wird seit 2016 einmal jährlich der Öko-Junglandwirte-Zukunftspreis an Junglandwirt:innen verliehen, die besonders innovative Konzepte im Bereich Ökolandbau realisieren. Zudem wurde 2016 das Kontaktforum Hofübergabe gegründet. Hier werden Landwirt:innen, die ihren Betrieb abgeben wollen, mit denjenigen zusammengebracht, die gerade auf der Suche nach einem Hof sind, den sie übernehmen können.

Bei der Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Formate und Themen wird ab Januar 2021 Nora Klopp als Projektmanagerin seitens der Schweisfurth Stiftung das Öko-Junglandwirte-Netzwerk unterstützen. „2021 bringt einige Veränderungen und Herausforderungen für das Öko-Junglandwirte-Netzwerk – insbesondere momentan im Hinblick auf die Planung großer Veranstaltungen. Ich freue mich sehr darauf, dass enorm engagierte ehrenamtliche Netzwerk-Team bei der Umsetzung ihrer zukunftsweisenden Arbeit zu unterstützen: von der Tagung über die Verleihung des Zukunftspreises und das Kontaktforum bis hin zu neuen Ideen, die aus der Zusammenarbeit wachsen werden.“

Erfolgsrezept Kooperation: Durch gute Zusammenarbeit Veränderungen vorantreiben

Ob solidarische Landwirtschaft, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften oder landwirtschaftliche Hof- und Vermarktungsgemeinschaften – bei all diesen Organisationsformen gilt die Devise Kooperation statt Konkurrenz führt zum Erfolg. Doch die Erfahrung in der Praxis zeigt: In jedem Gemeinschaftsprojekt stecken diverse organisatorische und zwischenmenschliche Herausforderungen. Die nach dem Open Source-Prinzip konzipierte Online-Plattform www.wir-kooperieren.org gibt Verantwortlichen Hilfestellung und nützliche Werkzeuge an die Hand, um genau diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern und den Gemeinschaftsprozess zielführend zu navigieren. In einer interaktiven Online-Schulung haben nun die Projektverantwortlichen Stephan Illi und Thomas Schmid, die beide als freie Berater für Kooperationen tätig sind, und Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, die Weiterentwicklung der Plattform, insbesondere durch Bewegtbild-Elemente, vorgestellt.

(c) Xäls

Die Gründer:innen von Xäls nutzen die Online-Plattform www.wir-kooperieren.org für den Aufbau ihrer Genossenschaft.

Ziel der Schulung war es, den Teilnehmer:innen den Umgang mit der Plattform nahezubringen und die einzelnen Instrumente direkt erlebbar zu machen. In kurzen Sessions wurden deshalb die eigenen Erfahrungen mit Gemeinschaftsprozessen anhand unterschiedlicher Fragestellungen beleuchtet und diskutiert. Ein wichtiges Ergebnis dabei: Vertrauen ist ein wesentliches Element für die Gemeinschaftsbildung. Doch wie lässt sich Vertrauen nachhaltig aufbauen? „Auch zu dieser wichtigen Frage finden Interessierte nützliche Tipps und Methoden auf www.wir-kooperieren.org. Dort werden alle essentiellen Phasen von Gemeinschaftsprozessen thematisiert – von der Diagnose „wo stehen wir“ bis hin zur Verteilung konkreter Aufgaben. Damit haben wir ein hilfreiches Tool-Kit geschaffen, das frei zugänglich und direkt in der Praxis anwendbar ist“, kommentiert Kohlschütter. „Die Schulung motiviert mich, unseren eingeschlafenen Prozess beim Aufbau einer Erzeugergemeinschaft von Gemüsebaubetrieben wiederzubeleben. Ich konnte Wege und Instrumente kennenlernen, die uns dabei helfen, unsere aktuellen Hürden zu überwinden“, resümiert Teilnehmer Tim Fetzer.

Gemeinsam für Lebensmittel aus der Region – ein Erfahrungsbericht

Stephan Illi, Projektleiter von wir-kooperieren.org und Berater für Kooperationen und Organisationsentwicklung, begleitet und unterstützt seit vielen Jahren Gemeinschaftsprozesse, insbesondere den Aufbau von Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften (EVG). Im Gespräch mit der Schweisfurth Stiftung berichtet er von seinen Erfahrungen.

Sie haben sich in den letzten Jahren viel mit der Gründung und dem Aufbau von Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften beschäftigt. Warum?

Weil ich in ihnen großes Potenzial für eine regionale, nachhaltige Lebensmittelversorgung sehe. In diesem Konzept werden Erzeuger:innen und Verbraucher:innen, aber auch Stadt und Land neu zusammen gedacht. Das Schlüsselwort ist hier „direkt“. Erzeuger:innen und Verbraucher:innen haben eine unmittelbare Beziehung und davon profitieren alle: Die Erzeuger:innen durch feste Abnahmen und die Verbraucher:innen durch Transparenz bezüglich Herkunft, Herstellung und Preise. So unterscheiden sich EVGs deutlich von klassischen Supermärkten, da sie weder in der Anonymität noch der Intransparenz verloren gehen; und auch von kleinen Strukturen wie Solidarischen Landwirtschaften, die häufig nur wenige Haushalte mit regionalen Lebensmitteln versorgen. Damit schließen EVGs eine wichtige Lücke und können ein wesentliches Element sein, um die Ernährungssouveränität einer Region voranzubringen.

Sie haben an unterschiedlichen Projekten mitgewirkt – wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen?

Stephan Illi, (c) Stephan Illi

Ein sehr besonderes Projekt durfte ich in der Neckar-Alb Region begleiten. Die regionale Bio-Lebensmittelvermarktung mit Anbau, Verarbeitung und Handel hat in der Region noch eine vergleichsweise gute Struktur, steht aber durch den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel und Bio-Supermarktketten erheblich unter Druck. Drei Ehepaare, zwei Naturkosthändler und ein Biohof, haben eine gemeinsame Vision: eine Zusammenarbeit zwischen Erzeuger:innen, Lebensmittel-Handwerker:innen, Handel und Verbraucher:innen. Alle an einem Tisch, für eine gemeinsame und zukunftsfähige Lebensmittelwirtschaft in der Region Neckar-Alb. Zu diesem Zweck gründeten sie im August 2019 eine Genossenschaft: Xäls eG – Ökologische Genossenschaft Necker-Alb. Die Herausforderung bei diesem Projekt: Wie können sehr viele Verbraucher:innen eingebunden werden? Die Antwort: Information und Mitverantwortung. Aus dem neu entstandenen Wissen entwächst Engagement und der Wille, mitzugestalten. So wird das Konzept auch finanziell von Vielen mitgetragen. In der Region Necker-Alb beginnt ein Wandel stattzufinden und die Genossenschaft wächst und kann sich neben den überregionalen Biomarkt-Strukturen behaupten – ein Beispiel dafür, wie EVGs Veränderungen vorantreiben.

Jede Blüte zählt! Gemeinsam den Sinkflug der Insekten stoppen

Hoch motiviert, voller Tatendrang und fest entschlossen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten – das zeichnete die TeilnehmerInnen des BlühbotschafterInnen-Lehrgangs, den die Schweisfurth Stiftung erstmalig im Zeitraum von Juni bis Juli 2020 ausrichtete, aus. Nach einer intensiven Zeit, mit viel neuem Fachwissen, dem Austausch mit ExpertInnen und dem Kennlernen von Best Practice Beispielen, sind sich alle einig: Eine Biodiversitäts-Wende ist dringend notwendig und jeder kann dazu beitragen.

Von Praktikern für Praktiker

Insgesamt besuchte die 16-köpfige Gruppe gemeinsam mit Projektleiterin Carmen Grimbs zehn verschiedene Projekte und Orte. Zu jedem Treffen waren ExpertInnen eingeladen, die Fachwissen zu Ökologie und den Ansprüchen der Insekten an ihren Lebensraum vermittelten und praktisch erlebbar machten. Der rote Faden dabei war die Frage: Was kann jeder Einzelne tun, um die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern? Selbstverständlich also, dass unter anderem Münchens Wildbienen Hotspot Nummer 1 besucht wurde: der Botanische Garten. Hier erklärte Prof. Dr. Susanne Renner, Direktorin des Botanischen Gartens München-Nymphenburg, wie ein Lebensraum gestaltet werden kann, der Wildbienen ausreichend Futterquellen, Nistmöglichkeiten und Rückzugs- bzw. Überwinterungsorte bietet. Dies kann auch auf kleinstem Raum, wie beispielsweise dem Balkon einer Stadtwohnung, gelingen.

Die Herausforderung dabei: Ein Band durch das gesamte Jahr zu schaffen. Welche Möglichkeiten auf dem Land bestehen, um zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen, erfuhren die BlühbotschafterInnen beim Besuch des Bioland Hofes von Landwirt Sepp Braun.

Es hat gefruchtet

Mein Fazit des BlühbotschafterInnen-Lehrgangs? Ganz klar: Es ist Zeit zu handeln und sich für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen. Ich möchte nun mein neu gewonnenes Wissen weitergeben und in der Praxis umsetzen. Ich habe zum Beispiel schon damit begonnen ein Blühwiesen-Projekt in unserer Gemeinde Schöngeising zu planen“, resümiert Teilnehmerin Anita Jensen. Genau das ist das Ziel des BlühbotschafterInnen-Lehrgangs: Die TeilnehmerInnen zu MultiplikatorInnen auszubilden, d.h. sie dazu befähigen eigenständig Projekte in ihrer Umgebung umzusetzen. Die Schweisfurth Stiftung steht ihnen natürlich auch nach dem Lehrgang mit Rat und Tat zur Seite und organisiert regelmäßige Austausch- und Vernetzungstreffen. „Wir freuen uns sehr, dass unser Kurs-Konzept so gut aufgeht. Man spürt die Begeisterung, den Tatendrang und die Motivation der TeilnehmerInnen. Wir sind schon gespannt auf die unterschiedlichen Projekte. Die Ideen sind vielversprechend und reichen von der Gestaltung eines Insekten-Lehrpfads bis zur Umgestaltung öffentlicher Flächen – wobei hier natürlich das Motto gilt: Jede Blüte zählt“, kommentiert Carmen Grimbs.

Warum wir eine Biodiversitäts-Wende brauchen

Es ist schlimmer als erwartet – zu diesem Ergebnis kommen die WissenschaftlerInnen der im November 2019 im Nature Magazin veröffentlichten Studie der TU München. Sie zeigt, dass in Deutschland die Biomasse der Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren um 75 % zurückgegangen ist. Allein bei den Wildbienen sind bereits 50 % der Arten auf der roten Liste (5. Fassung vom Bundesamt für Naturschutz).

Doch wildlebende Insekten, wie zum Beispiel Bienen oder Schmetterlinge, haben eine zentrale Funktion in unserem Ökosystem und sind essentiell für uns Menschen: Denn etwa 80 % unserer Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Genau diese Ökosystemdienstleistung ist aufgrund des aktuellen, dramatischen Insektenschwundes akut gefährdet. Nun gilt es diesen Trend umzukehren und den Artenschwund zu stoppen.

Erfahren Sie mehr über das Projekt!

Unsere Förderpartner:

(c) BlühbotschafterInnen Lehrgang durch Förderung

Werden Sie BlühbotschafterIn. Insekten retten UND die Welt verschönern? Geht.

 

Wir brauchen eine Biodiversitäts-Wende! Das zeigen die vielen wissenschaftlichen Studien, die den dramatischen Artenschwund belegen. Dabei kann jeder Einzelne einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Wie das konkret funktioniert? Das lernen Sie im BlühbotschafterInnen-Lehrgang der Schweisfurth Stiftung, welcher an fünf Samstagen im Zeitraum von Mai bis Juli 2020 in München stattfinden wird. Für 2020 ist der Lehrgang bereits ausgebucht. Wir arbeiten an einer Fortführung in 2021. Bleiben Sie mit dem Newsletter der Stiftung über aktuelle Aktivitäten informiert.

 

 

BlühbotschafterInnen-Lehrgang: Wer kann teilnehmen und was wird gelernt?

Der BlühbotschafterInnen-Lehrgang richtet sich an alle Menschen, die mit ihrer Blütenpracht Insekten begeistern wollen, wie z.B. Gartenliebhaber, Hausmeister, kommunale Mitarbeiter, Imker, Planer, Pädagogen, Landwirte und sonstige Interessierte.

Zukünftige BlühbotschafterInnen beim Lehrgang. Bild: Bodensee Stiftung

Im Lehrgang werden sie zu MultiplikatorInnen ausgebildet, dazu befähigt eigenständig Projekte zur Förderung der biologischen Vielfalt in ihrer Umgebung umzusetzen und kompetente/r AnsprechpartnerIn für Menschen aus dem eigenen Umfeld zu sein. Hierzu vermitteln ExpertInnen in dem fünftägigen Lehrgang grundlegendes Fachwissen über die Zusammenhänge von Landschaft und Nahrung für Insekten. Dabei reichen die Kursthemen von der Saatgut- und Pflanzenauswahl bis hin zur Vorstellung verschiedener Netzwerke. Am Ende des Lehrgangs setzen Sie mit Unterstützung der Schweisfurth Stiftung ein Projekt um. Das detaillierte Programm mit den Terminen gibt es hier zum Nachlesen.

 

 

Wirken Sie mit! Melden Sie sich zum BlühbotschafterInnen-Lehrgang an.

Werden Sie BlühbotschafterIn und tragen dazu bei, dass eine Biodiversitäts-Wende stattfindet. Teilnehmen können alle Interessierten über 18 Jahre, die selbst aktiv werden wollen, um den Artenschwund zu stoppen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Lehrgang wird finanziell unterstützt von:

        

Deutsche Postcode Lotterie, Margarethe Ammon Stiftung, Gregor Lousider Umweltstiftung, Basic, Barnhouse

 

 

BlühbotschafterInnen-Lehrgang

Blühbotschafter-Exkursion

Hintergrund

Es ist schlimmer als erwartet – zu diesem Ergebnis kommen die WissenschaftlerInnen der im November 2019 im Nature Magazin veröffentlichten Studie der TU München. Sie konnten zeigen, dass in Deutschland die Biomasse der Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren um 75 % zurückgegangen ist. Allein bei den Wildbienen sind bereits 50 % der Arten auf der roten Liste (5. Fassung vom Bundesamt für Naturschutz).

Doch wildlebende Insekten, wie zum Beispiel Bienen oder Schmetterlinge, haben eine zentrale Funktion in unserem Ökosystem und sind essentiell für uns Menschen: Denn etwa 80 % unserer Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Genau diese Ökosystemdienstleistung ist aufgrund des aktuellen, dramatischen Insektenschwundes akut gefährdet. Nun gilt es diesen Trend umzukehren und den Artenschwund zu stoppen.

Ziel

Jeder Einzelne kann zum Schutz blütenbestäubender Insekten beitragen! Wie das konkret funktioniert, können Interessierte im BlühbotschafterInnen-Lehrgang der Schweisfurth Stiftung lernen. Zentrales Ziel des Lehrgangs ist es, die Teilnehmenden dazu zu befähigen, selbst Projekte zum Schutz der Insekten bzw. zum Arterhalt in ihrem persönlichen Umfeld wie bspw. in der Schule, der Kommune oder auf dem Firmengelände anzustoßen, umzusetzen und langfristig zu begleiten.

Zielgruppe

BlühbotschafterInnen sind Menschen, die sich für eine blühende Landschaft und damit für den Schutz blütenbesuchende Insekten einsetzen: GartenliebhaberInnen, HausmeisterInnen, LandwirtInnen, Kommunale MitarbeiterInnen, NaturschützerInnen, ImkerInnen, PädagogInnen und alle sonstigen Interessierte über 18 Jahre.

Inhalte

Einmal im Jahr organisiert die Schweisfurth Stiftung einen BlühbotschafterInnen-Lehrgang. Dabei besuchen die Teilnehmenden unterschiedliche Projekte und Orte. Zu jedem Treffen sind ExpertInnen eingeladen, die grundlegendes Fachwissen zur Ökologie und den Ansprüchen der Insekten an ihren Lebensraum vermitteln und praktisch erlebbar machen.Die Themen sind z.B. Saatgut- und Pflanzenauswahl, Anlegen kommunaler Blühflächen, Möglichkeiten der Landwirtschaft sowie die Vorstellung verschiedener Netzwerke. Der rote Faden dabei ist die Frage: Was können wir tun, um die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern?
Am Ende der Ausbildung setzen die Teilnehmenden ein Projekt in ihrem Lebensumfeld unter Begleitung um.

Lesen Sie mehr zum Blühbotschafter:innen Lehrgang 2020 im Nachbericht Jede Blüte zählt! Gemeinsam den Sinkflug der Insekten stoppen.

Sie möchten das Projekt unterstützen? Hier finden Sie mehr Infos.

 

Dr. Niels Kohlschütter (Vorstand) und Carmen Grimbs (Projektleitung) auf der Suche nach Wildbienen.

Kurz-gut

Projektname: BlühbotschafterInnen-Lehrgang
Startschuss: Mai 2020
Status: läuft
Wirkungskreis: Bayern
Zielgruppe: GartenliebhaberInnen, HausmeisterInnen, kommunale MitarbeiterInnen, ImkerInnen, PlanerInnen, PädagogInnen, LandwirtInnen
Maßnahmen: In einem fünftägigen Lehrgang vermitteln ExpertInnen grundlegende Kenntnisse im Bereich Artenschutz, mit dem Ziel, die Teilnehmenden zu MultiplikatorInnen auszubilden.
Leitung / Ansprechpartnerin: Carmen Grimbs, Schweisfurth Stiftung

Digitale Landwirtschaft: Warum die Politik jetzt handeln muss!

Algorithmus statt Bauernregel – so lautet die Zukunftsdevise der Landwirtschaft. Durch digitale Lösungen ist ein effizienterer und schonenderer Einsatz von Ressourcen möglich. So kann Digitalisierung in der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit führen – muss sie aber nicht. Denn bislang sind entscheidende Fragen noch offen. Deshalb fordern Umweltverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen in dem Positionspapier „Landwirtschaft 4.0“ von der Bundesregierung politische Leitplanken zu setzen, die eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche digitale Landwirtschaft sicherstellen. Die Schweisfurth Stiftung trägt die sieben Forderungen mit.

Landwirtschaft 4.0: Digitalisierung auf dem Acker gleich mehr Nachhaltigkeit?

Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist bereits auf dem Acker angekommen: Schon heute setzen viele LandwirtInnen digitale Technik ein. Durch ihre Anwendung lassen sich Arbeitsprozesse optimieren und präzise Informationen über landwirtschaftliche Nutzflächen und Wetterdaten sammeln. Dadurch kann Ressourceneffizienz gesteigert und die Umwelt geschont werden. Jedoch wird die aktuelle Entwicklung von der (Agrar- und Digital-)Industrie dominiert und ist tendenziell eher von deren Interessen geleitet. Die Bedürfnisse der LandwirtInnen sowie der Nutzen der Technik für die ErzeugerInnen ist oft nicht Priorität. Es droht die Gefahr, dass das industrielle Agrarmodell fortgesetzt und die Digitalisierung der Landwirtschaft nicht den erhofften Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet, sondern im Gegenteil menschenrechtliche und ökologische Probleme verschärft.

Für eine Macht-fair-Teilung

Damit eine digitale Landwirtschaft dazu beiträgt, dass die globalen Ziele für Umwelt und Klima erreicht werden und LandwirtInnen weltweit davon profitieren, müssen folgende Forderungen im Zentrum der politischen Maßnahmen stehen: Gewährleistung einer flächendeckenden Internetversorgung, Zugang zu digitaler Technik auch für (Klein-)Bäuerinnen und Bauern (statt nur für Agrarkonzerne), Datensouveränität, Verschärfung des Wettbewerbsrecht zur Begrenzung der Macht von Agrar- und Digitalkonzernen, Fortbestand und Ausbau des Arbeitsrechts, Respektierung der planetaren Grenzen sowie die Förderung der Vielfalt im Sinne der Prinzipien der Agrarökologie.
Lesen Sie hier das Positionspapier „Landwirtschaft 4.0“ mit den sieben Forderungen in ganzer Länge.

 

Kritischer Agrarbericht 2020: Nur gemeinsam gelingt die Transformation

Es braucht wieder mehr Solidarität zwischen Stadt und Land, zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen, zwischen LandwirtInnen und VerbraucherInnen! Das fordert der kritische Agrarbericht 2020 mit seinem diesjährigen Schwerpunktthema „Stadt, Land – im Fluss“. Er wurde zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche  in Berlin vom Agrarbündnis e.V.  vorgestellt. Dass die Agrarwende nur durch ein Miteinander gelingen kann, zeigt auch der von der Schweisfurth Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut e.V.  verfassten Beitrag.

In Maßen, nicht in Massen!

Für eine Ernährung mit weniger, dafür aber umwelt- und tiergerecht(er) produziertem Fleisch plädieren Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung, und Dr. Dietlinde Quack, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Öko-Instituts e.V., im Kapitel „In Maßen, nicht in Massen!“. Denn die dringend erforderliche Agrarwende ist nur mit einer Ernährungswende möglich. Dabei kommt den VerbraucherInnen eine wesentliche Rolle zu. Ihr Kassenbon kommt einem Stimmzettel gleich: Bei jedem Einkauf können sie wählen zwischen einem „Weiter so“ oder der notwendigen Transformation. Doch ohne, dass auch Politik und Handel Verantwortung übernehmen und sich entsprechend am Transformationsprozess beteiligen wird das Engagement der LandwirtInnen und der BürgerInnen nicht zu der erforderlichen Agrarwende führen. Es ist ohne Zweifel: Es gibt nicht den einen Akteur, vielmehr müssen viele unterschiedliche Akteure einbezogen werden und zusammenarbeiten, damit die Ernährungs- und Agrarwende gelingen kann. Die konkreten Gestaltungsansätze können Sie hier nachlesen.

Landwirtschaft quo vadis?

Es ist beschlossene Sache: das Klimapaket der Bundesregierung (Verabschiedung im Bundeskabinett am 09. Oktober 2019). Ob die darin vorgesehenen Maßnahmen ausreichen, um die notwendige Transformation herbeizuführen? Was den Sektor Landwirtschaft betrifft jedenfalls nicht – das machen die VertreterInnen der Kommission für Landwirtschaft des Umweltbundesamtes beim Pressegespräch, zu dem die Münchner Schweisfurth Stiftung am 09. Oktober 2019 geladen hatte, deutlich. Für die Kommission steht fest: Nur mit einer fundamentalen Neuausrichtung unseres Agrarsystems kann eine tatsächliche Agrarwende hin zu einer zukunftsfähigen, enkeltauglichen Landwirtschaft realisiert werden.

Agrarwandel – eine Gemeinschaftsaufgabe

VertreterInnen der Kommission für Landwirtschaft und Gastgeber Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung diskutieren mit Journalisten und Meinungsmultiplikatoren, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft aussehen könnte.

Konkret analysierte die Kommission für Landwirtschaft fünf Brennpunkt-Bereiche: Nährstoffüberschüsse, Ernährungssystem, internationaler Agrarhandel, Entwicklung des ländlichen Raums und Digitalisierung – und stellte entsprechende Forderungen an die Politik auf, deren Umsetzungen essentiell für die Etablierung eines zukunftsfähigen Agrarsystems sind. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Wir wissen, was für eine echte Agrarwende notwendig ist. Jetzt ist Zeit zu Handeln.“, kommentiert Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Leiter der Kommission für Landwirtschaft. Die VertreterInnen der Kommission machten aber auch deutlich, dass neben Politik und den einzelnen Landwirtschaftsbetrieben auch Verbraucher und der Lebensmitteleinzelhandel Verantwortung übernehmen müssen. Denn zusätzlich zu einer effizienten und umweltschonenden Erzeugung ist vor allem der Lebensstil – also die Frage, wieviel und wie gegessen wird – maßgeblich. „Eine Agrarwende ist nur mit einer Ernährungswende möglich. Dabei spielen die Verbraucher eine wesentliche Rolle, denn der Kassenbon kommt einem Stimmzettel gleich: Bei jedem Einkauf können sie wählen zwischen einem „Weiter so“ oder der notwendigen Transformation.“, ist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung, überzeugt. Die Landwirtschaft der Zukunft muss standortgerecht, klimaangepasst und nachhaltig sein – diese bis spätestens 2050 zu realisieren, ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.
Wie ein zukunftsfähiges Agrarsystem aussehen könnte und welche Forderungen die Kommission der Landwirtschaft an die Politik stellt, lesen Sie hier.

 

Bildunterschrift Headerbild:

Die Kommission für Landwirtschaft des Umweltbundesamtes stellte ihr Positionspapier „Landwirtschaft quo vadis“ in der Münchner Schweisfurth Stiftung vor. V.l.n.r.: Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Dr. Annette Freibauer, Heino von Mayer (hinten) und Prof. Dr. Hubert Wiggering zusammen mit Gastgeber Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung.

Ökologische Agrarkultur global verbreiten – Zusammenarbeit führt zum Ziel

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung, eröffnete am 12. September 2019 die Konferenz „Solutions Scaling-up Agroecology“ an der Heliopolis University, Cairo

Armut und Hunger weltweit beseitigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Böden fruchtbar bleiben, Gewässer geschont werden, biologische Vielfalt erhalten wird und Klimasenken durch Humusaufbau geschaffen werden. Das geht! Ökologische Agrarkultur kann, insbesondere im globalen Süden, einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Ernährungssicherung leisten. Dies macht Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung und Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Stiftung World Future Council, in seiner Eröffnungsrede bei der Konferenz „Solutions for Scaling-up Agroecology“  an der Heliopolis Universität Cairo, Ägypten – organisiert vom World Future Council und der Stiftung des Right Livelihood Award – deutlich.

Weltweit von lokalen Leuchtturmbeispielen lernen

Als Musterbeispiele dafür verweist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald auf die im vergangenen Jahr ausgezeichneten Alternativen zur industriellen Landwirtschaft im globalen Süden. Diese demonstrieren, wie eine sozial-ökologische Wende hin zu nachhaltigen Agrarsystemen im kleinen Maßstab auf lokaler Ebene möglich ist. „All die ausgezeichneten Leuchtturmbeispiele sind Lösungen für den Übergang zu enkeltauglichen Ernährungs- und Landwirtschaftssystemen, die für die Menschen vor Ort funktionieren. Sie haben einen direkten und greifbaren positiven Effekt für sie und die Natur“, erklärt Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald.

Die Verbreitung der ökologischen Agrarkultur – eine Gemeinschaftsaufgabe

Die Leuchtturmbeispiele zeigen den Weg auf, wie Hunger, soziale Ungleichheit, Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt erfolgreich angegangen werden können. Es gilt nun diese vielversprechenden Lösungsansätze weltweit zu verbreiten. Dazu muss das agrarökologische Know-how weitergegeben und die praktische Anwendung forciert werden. Damit dies gelingt, ist das Engagement von Verantwortlichen aus internationalen Organisationen, Politikern entsprechender Ministerien und Ressorts sowie Forschern und Wissenschaftlern gefragt. Sie müssen Hand in Hand zusammenarbeiten und Synergien effektiv nutzen, um die notwendige Agrarwende zu erreichen und gleichzeitig einen Beitrag zur Ernährungssicherung zu leisten.

Kritischer Agrarbericht 2019 – wichtige Impulse für anstehende EU-Agrarreform

Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin stellte das AgrarBündnis, dem auch die Schweisfurth Stiftung angehört, am 17.01.2019 den Kritischen Agrarbericht 2019 vor. Im Jahr der Europawahl und anlässlich der anstehenden EU-Agrarreform präsentierte der Zusammenschluss von 25 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungspolitik seine Vision von einer „Landwirtschaft für Europa“, die auch den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen entspricht. Neben Vorschlägen, wie die anstehende EU-Agrarreform dazu beitragen kann, diese zu verwirklichen, widmet sich das Jahrbuch auch aktuellen Themen wie der Digitalisierung der Landwirtschaft und der dahinterstehenden Macht der Konzerne, dem Ökologischen Landbau, der Bodenmarktpolitik oder den Auswirkungen der neuen Düngeverordnung.

EU-Agrarreform – mehr Zusammenhalt und ambitionierte Ermutigung in der Agrarpolitik

Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Vorstandssprecher des Agrarbündnisses sprach sich auf der Pressekonferenz für eine starke Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) aus. „Eine starke EU-Politik unterstützt bäuerliche Betriebe und ländliche Gemeinden in einem vielfältigen, gemeinsamen Europa, die anstehenden Herausforderungen sowohl in der Tierhaltung als auch im Ackerbau, gezielt anzugehen. Hier stehen die Bauern und Bäuerinnen aktuell vor großen, teuren Veränderungen, um die gesellschaftlichen Erwartungen an Tierwohl, Umwelt-, Klimaschutz und Artenvielfalt auf ihren Höfen umzusetzen“, so Voss in seinem Appell an die Bundesregierung, sich auf EU-Ebene hierfür einzusetzen.

Die Zeit der Agrarchemie ist vorbei

Mit der GAP hätte die Europäische Union einen konkreten Maßnahmenkatalog, um den Schutz der Insekten zu verbessern und die Biodiversität auf den Agrarflächen wieder zu erhöhen. Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments und Biomilchbauer in Nordhessen, stellt dazu in seinem Fachbeitrag im Kritischen Agrarbericht 2019 folgende Forderungen an die EU: Ähnlich dem Klimaabkommen von Paris ist ein internationales Abkommen zum Pestizidausstieg und ein Einstieg in agrarökologische Systeme unumgänglich. Denn die Grundlagen eines auf intensivem Pestizideinsatz basierenden Anbausystems sind Züchtung auf Hochertrag und dem vermehrten Anbau von Monokulturen, sowie intensive Stickstoffdüngung und enge Fruchtfolgen. Trotz zunehmender Zweifel aus der Wissenschaft wird jedoch am Pestizideinsatz festgehalten – mit Folgen für Mensch, Natur und Umwelt.  Ökobetriebe, die schon ohne Pestizide und mit stabileren Systemen arbeiten, werden bei ihrer Produktion massiv beeinträchtigt, da abdriftende Pestizide ihre Ernten verkaufsunfähig machen. Laut Häuslings Artikel gibt es die Koexistenz konventioneller und ökologischer Anbausysteme nicht wirklich – und wenn, dann nur zum Nachteil der Ökobauern.

Ackergifte kennen keine Grenzen

Die Problematiken des Nebeneinanders von pestizidfreiem Ökolandbau und des von Ackergiften abhängigen konventionellen Anbausystems nimmt eine Studie in den Fokus, die von dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V., initiiert wurde. Mit dabei sind 30 Biofirmen, die Bürgerinitiative Landwende und die Schweisfurth Stiftung. Im Kritischen Agrarbericht 2019 skizzieren Dr. Niels Kohlschütter, Geschäftsführer und Johanna Bär, Projektmanagerin bei der Schweisfurth Stiftung die Studie, die mittels Luftgüte-Rindenmonitoring von Bäumen an bundesweit unterschiedlichen Standorten auf Luftschadstoffe untersucht wurden. Eine erste Pilotstudie des Bündnisses hat gezeigt, dass Ackergifte –auch über ökologisch bewirtschaftete Flächen hinweg– bis in die Städte verweht werden.

Bioökonomie vs. Agrarkultur

In seinem Beitrag im Kritischen Agrarbericht 2019 geht Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, der Frage nach: Agrarkultur oder Bioökonomie?   Er stellt die beiden kontroversen Leitbilder gegenüber und kommt zu dem Fazit, dass sie nicht vereinbar sind. Seine Forderung an die Politik lautet, dass die zukünftige Agrarpolitik so zu gestalten ist, dass zumindest die Koexistenz beider Leitbilder ermöglicht und somit sichergestellt wird, dass die regionale Pluralität von agrarkulturellen, bäuerlichen Praxen – sprich die ökosoziale Agrarkultur – auch in Zukunft erhalten bleiben. Denn das Leitbild der Bioökonomie folgt dem Wachstumsparadigma und damit der Industrialisierung, verbunden mit Reduzierung echter Vielfalt.

Einige der Hauptgegensätze der beiden Leitbilder ökosoziale Agrarkultur und Bioökonomie beschreibt Gottwald in Stichpunkten so:

Lebendige Organismen versus Biomasse als Kernverständnis von Natur

Systementwicklung mit evolutionär angepasster versus Systematisierung mit beschleunigter Zeitökologie

Fortschrittskritische Positionen versus Intendierte Fortschrittsbeschleunigung

Weltweit einsetzbar versus Nur unter industriellen Bedingungen einsetzbar

Geringe Umweltrisiken versus Unbekannte Umweltrisiken

 

Der Stumme Frühling – Leopoldina-Studie zum Pflanzenschutz

Wo einst der herrliche Gesang der Vögel erschallte, ist es merkwürdig still geworden.

(Rachel Carson, Silent Spring)

Die Leopoldina-Studie „Der stumme Frühling“ wird ihrem Titel gerecht – sie tritt auf wissenschaftlich fundierte und praktisch orientierte Weise in die Fußstapfen von Rachel Carson. Dabei unterstreicht die Studie die Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes in der Agrarwelt. Als Herausgeber fungiert die Leopoldina/Nationale Akademie der Wissenschaften, die die Studie im Frühjahr 2018 veröffentlicht hat. Zur Verbesserung des Pflanzenschutzes hat das Forscherteam konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt, um das gefährdete Ökosystem und unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Die fundierten Forschungsergebnisse bestätigen den Weg der Schweisfurth Stiftung für eine ökologische Agrarkultur.

Harte Kritik an Zulassungsverfahren

Die Autoren der Leopoldina-Studie prangern die mangelnde Risikobewertung bei der Zulassung neuer Pestizide an. Drei ursprünglich zugelassene Neonikotinoide wurden beispielsweise im April 2018 verboten, weil sie sich im Nachhinein als verantwortlich für die Schwächung und den Tod zahlreicher Bienenvölker herausgestellt haben. Auch die kombinatorische Wirkung von mehreren Pestiziden – die in der landwirtschaftlichen Praxis üblich ist – wird im Zulassungsverfahren vernachlässigt. Ein solches Vorgehen beurteilt die Leopoldina zu Recht als „realitätsfern“. Auch bei den neu zugelassenen Pestiziden fordert die Leopoldina eine Phase der Nachzulassung.

Die Schweisfurth Stiftung engagiert sich im Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft ebenfalls für eine Überprüfung der Verteilung von Pestiziden in der ganzen Umwelt. Mit einer Baumrindenstudie wird erforscht, ob sich Pestizide wie Glyphosat über den Luftweg verfrachten.

Handlungsempfehlungen zu Pestizidabgaben und landwirtschaftlicher Ausbildung

Um eine umweltschonende Verwendung von Pestiziden zu fördern, schlägt die Leopoldina-Studie vor, Anreize zu schaffen. Mit einer Pestizidsteuer stünde mehr Geld für Schutzmaßnahmen und Forschung zu alternativen Pflanzenschutzkonzepten zur Verfügung. Dänemark habe bereits gute Erfahrungen mit ökonomischen Anreizen zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln gemacht. Diese Idee, an den wirtschaftlichen Strukturen der landwirtschaftlichen Produktion anzusetzen, sieht auch die Schweisfurth Stiftung als systemrelevanten Schritt in der Agrarpolitik.

Ein umfassenderes ökologisches und ökotoxikologisches Wissen muss den Landwirten vermittelt werden – und zwar vor der Anwendung der Pestizide. Dabei ist es wichtig, alle gesellschaftlichen Akteure einzubinden (Hochschulen, Berater, Agrarpolitik), damit auch Alternativen zum Einsatz kommen wie z.B. die mechanische Unkrautbekämpfung.

Umdenken für eine biodiverse Zukunft

Schädlingsbekämpfung, vereinfachte Bodenbearbeitung und ein ökonomisch wertvoller Arbeitszeitgewinn – dies versprechen sogenannte Pflanzenschutzmittel. Jedoch wurde inzwischen von verschiedenen Forscherteams bewiesen, „dass der gegenwärtige Einsatz von Pestiziden erhebliche schädliche Auswirkungen auf Ökosysteme und biologische Vielfalt hat.“ (Leopoldina-Studie 2017, 17).

Die Autoren der Studie fordern ein grundsätzliches Umdenken, da nach ihren Ergebnissen die intensive, konventionelle Landwirtschaft an ihr Ende gekommen ist. Ein integrierter und ökologischer Pflanzenbau – entwickelt im gemeinsamen Dialogprozess aller Akteure – bietet die Möglichkeit für eine umweltschonende Ertragssicherheit. Die Leopoldina-Studie skizziert einen vielversprechenden Weg hin zu einer nachhaltigen Agrarkultur.

Wenn Bauern, Ladner und Kunden über zukunftsfähige Landwirtschaft diskutieren…

…kommen viele Fragen auf den Frühstückstisch!

Ein Gastbeitrag von Anne Schweisfurth, Kuratoriumsvorsitzende der Schweisfurth Stiftung.

Vor Beginn des Bohlsener Mühlenfestes im Juni 2018 hatten geladene Gäste vier Stunden Zeit, sich darüber auszutauschen, welche Ideen und Fragen für sie persönlich hinter dem großen Begriff „enkeltaugliche“* oder „zukunftsfähige Landwirtschaft“ stecken. Bei dem Frühstücks-Workshop saßen 40 Menschen an schön gedeckten Tischen in der Remise, lernten sich erst einmal kennen und formulierten ihre Fragen zum Thema. Nach dem anschließenden Ranking der Themen und Fragen wurde in fünf wechselnden Tischgruppen angeregt diskutiert. Hier ein Auszug aus drei Debatten:

Wie muss sich Land und Landwirtschaft entwickeln, damit junge Menschen bleiben wollen? Sind große (Bio-)Betriebe per se schlecht?

Mühlenfest 2018 der Bohlsener Mühle, Fotograf: Thorsten Scherz (beide Fotos)

Diese beiden Fragen bewegten vor allem die Bäuerinnen und Bauern. Alle waren sofort bei der Sache und versuchten eine Einschätzung: Junge Menschen seien in der Regel sehr technik- und medienaffin, für sie habe Digitalisierung und Technisierung eine hohe Attraktivität, das bringe Arbeitserleichterung und mehr Freiheit, wie z.B. durch Melk-Roboter und die digital gesteuerte Feldarbeit. KritikerInnen warnen, dass hier die Gefahr liegt, Daten und Fachwissen zu monopolisieren und dass sich Bauern und Bäuerinnen von Wartungs- und Herstellerfirmen abhängig machen.**

 

Mir fällt dazu das Beispiel von Ceril ein, einem Jungbauern in Graubünden in der Schweiz, der nach seiner Ausbildung seinen Betrieb auf in-vitro-Fertilisation und Embryotransfer umstellte, viel investierte und von den neuen technischen Möglichkeiten überzeugt war. Auch die hohen Gewinnberechnungen lockten! Er wollte im Dorf bleiben, er wollte seinen Betrieb weiter entwickeln! Wir haben endlos diskutiert. 18 Jahre später treffen wir uns wieder und er ist Biobauer, hat eine Kükenaufzucht auf 1.200 qm Fläche und hegt und pflegt dort die kleinen Tiere. „Jetzt mache ich etwas sinnvolles“, war seine Antwort. „Das andere hat ja nicht geklappt.“ Sinn ist eben auch ein Wert.

Naturverbundenheit

Ist Naturverbundenheit ein Grund, als junger Mensch auf dem Land zu bleiben, dort hin zu ziehen, und was bedeutet das genau? Gerne in der Natur zu sein, die Natur zu beobachten, viel Wissen über die Natur zu sammeln? Einig waren wir uns darüber, dass viele Menschen weit weg sind von einem tieferen Naturverständnis oder -empfinden. Ein Schulbauernhofbesuch reicht dabei nicht aus, um Natur grundlegender zu begreifen. Das wäre jedoch unseres Erachtens Voraussetzung dafür, die Natur für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Kann vielleicht ein ökologisches Jahr mit handwerklichen Tätigkeiten für alle zu einer Lösung beitragen?

Großbetriebe

Immer größere Höfe was Fläche und Umsatz angeht?! Bauernsterben?! Keine Nachfolge?! Das sind die landwirtschaftlichen Realitäten, innerhalb derer die Bäuerinnen und Bauern handeln müssen. Realität und Zukunft!
Welche Entscheidungen aber sind zukunftsfähig? Wo ist die Messlatte?
Ein großer Betrieb kann sich arbeitssparende Technik viel eher leisten – und damit für junge Menschen attraktiv sein. Ist das zukunftsfähig?
Der Erhalt des Bodens ist eine der Grundlagen für die zukünftige Landwirtschaft: Ein großer Betrieb mit Viehhaltung kann mit anderen kooperieren und überschüssigen Hofdünger z.B. gegen Kleegras tauschen – und dabei noch die CO2-Emissionen verringern!*** Ist das zukunftsfähig?

Ich stelle mir vor: Eine Region mit wenigen großen Betrieben, allein auf weiter Flur. Ist das attraktiv für junge Menschen? Brauchen wir nicht Vielfalt? Artenvielfalt, vielfältige Hofformen, vielfältige Möglichkeiten zu arbeiten, sich zu begegnen, sich zu unterhalten?
Ist das zukunftsfähig?

Die Antworten, was enkeltauglich bzw. zukunftsfähig ist, sind nicht einfach, sind auch nicht einheitlich. Naturverständnis, miteinander sprechen und eine solidarische Haltung untereinander sind Wegweiser, mutig die Zukunft auf dem Land zu denken!

 

Die Schweisfurth Stiftung setzt sich für eine ökologische Landwende ein. Im Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft engagieren sie sich mit namhaften Bio-Herstellern und Bio-Händlern gegen Ackergifte, damit auch zukünftige Generationen unbelastete Lebensmittel ohne Glyphosat & Co. genießen können.

 

* Johannes Heimrath vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft erläutert, den Begriff habe er von Harald Welzer (vgl. ders.: Transformationsdesign – Wege in eine zukunftsfähige Moderne, München 2014)
** Vgl. Kritischer Agrarbericht 2018; Stig Tanzmann und Bernd Voß: Digitalisierung der Landwirtschaft.
*** FiBL Klimaschutz auf Biobetrieben, S. 15.

Was bedeutet eigentlich „enkeltaugliche Landwirtschaft“?

Prof. Franz-Theo Gottwald erläutert im aktuellen Messemagazin zu den Bio-Regionalmessen die Hintergründe der Kampagne „Ackergifte? Nein Danke!“. Im ausführlichen Interview geht er auf das Konzept der enkeltauglichen Landwirtschaft ein: „Enkeltauglich muss nicht zwangsläufig exakt dem entsprechen, was heute als EU Bio oder Verbands-Bio festgezurrt ist. Es sind durchaus weitere Formen denkbar, beispielsweise Permakultur oder indigene Formen der Bewirtschaftung, wie es sie in kleinbäuerlichen Landwirtschaften auf anderen Kontinenten gibt.“ Sowohl ökologische als auch konventionelle Landwirte seien dazu aufgerufen, den Blick über den Tellerrand zu wagen und in einem sachorientierten Dialog eine zukunftsfähigen Landwirtschaft zu erarbeiten.

Der Umgang mit Böden, Pflanzen und Tieren aus ethischer Perspektive, die Mechanismen der Saatgut-Unternehmen und die Auswirkung neuer Technologien (Stichwort: Digitalisierung) auf die Landwirtschaft werden im Interview ebenfalls thematisiert.

Ist eine Koexistenz von konventioneller und Bio-Landwirtschaft möglich? Welche Herausforderungen bringt die rapide Entwicklung der Bioökonomie mit sich? Welche Rolle spielt der Verbraucher bei der Transformation der Landwirtschaft? Antworten auf diese, und weitere Fragen, lesen Sie hier: