Genuss mit bestem Gewissen garantiert! Zwei Betriebe mit der Tierschutz-Kochmütze ausgezeichnet

Bio, regional und tierische Produkte aus artgerechter Haltung – bei vielen zuhause schon eine Selbstverständlichkeit, in Restaurant, Kantine & Co. häufig jedoch noch eine Seltenheit. Doch es gibt sie: Die Betriebe, die vorangehen und zeigen, dass Genuss, Qualität und ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln auch in der Außer-Haus-Verpflegung möglich sind. Und genau dieses Engagement zeichnet die Schweisfurth Stiftung seit 2008 im Rahmen der Initiative Tierschutz auf dem Teller® aus. In diesem Jahr geht die Auszeichnung – in Form der „Tierschutz-Kochmütze“ – an das Catering-Unternehmen ALBRECHTHOF im oberbayerischen Oderding und an das Nürnberger Tiergartenrestaurant „Waldschänke“.

Catering-Unternehmen ALBRECHTHOF – Ein Leuchtturm für die gesamte Branche

Dass eine gesunde Ernährung, ein abwechslungsreicher Speiseplan und 100% Bio auch in der Verpflegung für Schulen, Kindergärten und Kitas erfolgreich sein können, zeigt das Catering-Unternehmen ALBRECHTHOF im oberbayerischen Oderding, das seit 2010 Kitas, Kindergärten und Schulen bei der täglichen Essensversorgung der Kinder unterstützt. Von Anfang an setzten die Inhaber Lena und Martin Albrecht dabei auf die Verwendung von bio-zertifizierten und regionalen Lebensmitteln. Als Mitglied von Slow Food Deutschland e.V. will der ALBRECHTHOF zudem einen Beitrag leisten, dass auch zukünftige Generationen mündige KonsumentInnen sind und eine nachhaltige Esskultur pflegen. „Das ganzheitliche Konzept, welches Ernährungsbildung mit der Verarbeitung qualitativ hochwertiger Lebensmittel und Genuss für Kinder kombiniert, begeistert die Jury. Lena und Martin Albrecht zeigen nicht nur, wie eine kindgerechte, nachhaltige Verpflegung aussehen kann, sondern auch, dass sie möglich ist. Wir wünschen uns, dass dieses Beispiel viele weitere Akteure im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung dazu inspiriert, den Speiseplan auf „Bio“ umzustellen“, begründet Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, die Jury-Entscheidung.

Tiergartenrestaurant „Waldschänke“ in Nürnberg: Ganzheitlicher Ansatz überzeugt

Bio-zertifizierte Zutaten aus der Region, tierische Produkte aus artgerechter Haltung und eine einzigartige kulinarische Vielfalt garantieren den Gästen des Nürnberger Tiergartenrestaurants Waldschänke Genuss mit bestem Gewissen. Insbesondere bei tierischen Produkten sind dem Inhaber Peter Noventa Herkunft und Qualität wichtig: „Wir verarbeiten ausschließlich bio-zertifiziertes Fleisch. Ausnahme ist derzeit das Lammfleisch der alten Rasse „Coburger Fuchs“. Deren Lämmer beziehen wir im Ganzen und verarbeiten alle Teile (= „Nose to Tail“) und nicht nur die Edelteile.“ Kochkunst bedeutet für Noventa auch kreativ mit Resten umzugehen. Werden zum Beispiel die Soßen selbstgezogen, macht er von Zitronenabschnitten Limoncello oder kreiert damit feine Fruchtchutneys. „Genau das hat uns als Jury begeistert: Sowohl beim Einkauf der Zutaten als auch bei der Verarbeitung wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Dies macht das Tiergartenrestaurant „Waldschänke“ zu einem herausragenden Beispiel, das zeigt, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln auch in der Außer-Haus-Verpflegung möglich ist“, kommentiert Georg Schweisfurth, Laudator, Jury-Mitglied und Kurator der Schweisfurth Stiftung.

Als ausgezeichnete Betriebe tragen das Restaurant „Waldschänke“ und das Catering-Unternehmen ALBRECHTHOF nun als Botschafter den Tierschutz auf dem Teller in die kulinarische Welt hinaus.

 

Mehr Bio für alle: Wie die Ernährungswende in den Großküchen gelingt

Regional, saisonal und bio – so soll der Speiseplan der Kantine der Zukunft aussehen. Zumindest wenn es nach den TeilnehmerInnen des Dialogforums der bundesweiten Informationsoffensive „Bio Bitte – Mehr Bio in öffentlichen Küchen“ , das am 16. September 2020 in Leipzig stattfand, geht. Denn sie sehen in der Gemeinschaftsverpflegung ein wichtiges Instrument, um die erforderliche Ernährungswende voranzutreiben. Wie der Anteil für ökologisch erzeugte Produkte in Kantinen & Co. erhöht werden kann, diskutierten die verschiedenen Akteure der Außer-Haus-Verpflegung ausführlich beim Dialogforum. Mit dabei: Die Schweisfurth Stiftung, die ihre Erkenntnisse und Erfahrungen hinsichtlich der Absatzmöglichkeiten von bio-regionalen Produkten aus dem Projekt WERTvoll  einbringen konnte.

Bio in Kita, Kantine & Co. – geht das?

Ein ganz klares „ja“ lieferte Dr. Philipp Stierand vom Berliner Projekt Kantine Zukunft  auf diese Frage. Hier zeigen die Beteiligten schon jetzt, wie der Anteil der eingesetzten Bio-Lebensmitteln auf mindestens 60 % gesteigert werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg: Das innovative Beratungs- und Schulungsprogramm, das die Küchenteams mit dem notwendigen Know-how ausstattet, um den Speiseplan – ohne Kostensteigerung – auf bio und regional umzustellen. „Die Diskussion mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat gezeigt, dass genau hier die Krux liegt: Denn die Umstellung des Speisplans auf bio und regional hat große Auswirkungen auf das Kochen – weniger tierische Produkte, mehr saisonales und regionales Gemüse, welches zu bestimmten Zeitpunkten in sehr großer Menge auftritt. Hier braucht es kreative Ideen für vielfältige Gerichte“, kommentiert Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung.

Mehr Bio für alle – Eine Gemeinschaftsaufgabe

Und eine weitere wichtige Erkenntnis nehmen die TeilnehmerInnen mit: Für mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung braucht es das Engagement und die Zusammenarbeit aller Akteure der Außer-Haus-Verpflegung: EntscheiderInnen bei Städten und Kommunen können durch eine veränderte Ausschreibungspraxis die Ernährungswende in den Großküchen aktiv unterstützen. ErzeugerInnen und Küchenteams müssen sich kontinuierlich austauschen, um Angebot und Nachfrage optimal zu koordinieren. „Hier ist es hilfreich, wenn es ein Netzwerk in der Region gibt, das alle Akteure miteinander verbindet und einen Überblick über Angebot und Nachfrage bietet. Genau hier knüpfen wir nun mit dem Projekt WERTvoll an: Am 15. Dezember 2020 veranstalten wir eine Suche-Biete-Börse für ProduzentInnen, VerarbeiterInnen, VerpflegerInnen und HändlerInnen in der Region“, ergänzt Arian Gülker, Projektmanager der Schweisfurth Stiftung.

Alles bio oder was? Gründungstreffen des Netzwerks der deutschen Bio-Städte

Nicht nur Verbraucher entscheiden bei jedem Einkauf, ob sie Bio-Landwirte oder konventionelle Lebensmittelerzeuger unterstützen. Auch Kommunen haben es in der Hand, Bio in ihrem Einflussbereich zu stärken. Deshalb nehmen deutschlandweit derzeit 12 Städte, Gemeinden und Landkreise an der Initiative „Bio-Städte“ teil: München, Bremen, Nürnberg, Augsburg, Darmstadt, Freiburg, Hamburg, Ingolstadt, Witzenhausen, Heidelberg, Karlsruhe und Lauf.
Die jeweiligen Verwaltungen haben sich per Beschluss dazu verpflichtet, den Öko-Landbau zu fördern, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und die Bio-Branche vom Acker bis auf den Teller besser zu vernetzen.

 Was eine Bio-Stadt ausmacht
Bio-Städte, -Gemeinden und –Landkreise sorgen beispielsweise dafür, dass in öffentlichen Einrichtungen und bei Veranstaltungen bevorzugt Bio-Lebensmittel auf den Tisch kommen. Auch setzen sich im Rahmen der Wirtschaftsförderung die Städte gezielt für die ökologische Lebensmittelerzeugung ein. Das bedeutet unter anderem, dass sie bei öffentlichen Ausschreibungen einem Öko-Caterer den Vorzug geben oder brachliegende Gemeindeflächen für ökologisches Urban Gardening zur Verfügung stellen.

Sechs Bio-Städte arbeiten zukünftig zusammen
Um gemeinsam noch mehr Bio in die Stadt zu bringen, kamen die Bürgermeister von sechs Bio-Städten Anfang Februar in Augsburg zusammen. Hier wurde eine verbindliche Kooperationsvereinbarung zwischen den teilnehmenden Kommunen München, Bremen, Nürnberg, Augsburg, Darmstadt und Freiburg unterzeichnet.

„Enormer Wachstumsmarkt“ Gastredner Franz-Theo Gottwald © Stadt Augsburg

Wichtig: Regionale Erzeuger und Vermarkter stärken
Wie wichtig das gemeinsame Engagement der Bio-Städte ist, zeigte Gastredner Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald auf dem Vernetzungstreffen. Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln könne derzeit nicht durch regionale Ware abgedeckt werden, so der Vorstand der Schweisfurth Stiftung: „Kaum ein anderer Wirtschaftszweig kann solche Wachstumsraten verzeichnen.“ Damit Nachfrage und Angebot nicht weiter auseinanderdriften, müssen regionale Erzeuger und Vermarkter gefördert werden. Einige Bio-Städte sind deshalb bereits Kooperationen mit lokalen Initiativen, Imkern oder Höfen eingegangen − weitere Projekte sollen folgen.

Hoher Bioanteil in Münchner Kitas
Das Beispiel München zeigt, welche Erfolge die Initiative der Bio-Städte bringt. In den städtischen Kitas liegt der Bio-Anteil bei der Verpflegung mittlerweile bei 50 Prozent, beim Fleisch sogar bei 90 Prozent. Das Vorurteil, Bio sei zu teuer, hat sich hier nicht bestätigt. Lediglich 34 Cent pro Hauptmahlzeit betrage der Unterschied, sagt Josef Schmid, 2. Bürgermeister von München. Er ist überzeugt, dass sich dieser Betrag lohnt: „Mehr Bio bedeutet mehr Lebensqualität!“ Deshalb sollen nicht nur die Kleinsten gesunde, ökologisch erzeugte Mahlzeiten serviert bekommen. Auch bei der Gästebewirtung und in den städtischen Kantinen wird in Zukunft noch stärker auf Bioprodukte gesetzt.

Bio-Pausenbrote in Augsburg
Wie die Bio-Städte gesunde Ernährung und Umweltbildung verknüpfen können, zeigt ein Projekt aus Augsburg. Im Rahmen der Aktion Bio-Pausenbrot bereiten Grundschulkinder ihre Pausenmahlzeit gemeinsam in der Klasse zu, waschen und schneiden Obst und Gemüse, bestreichen Brote und kochen Tee. Die Zutaten werden von lokalen Bio-Unternehmen gesponsert. Begleitend dazu besucht ein Experte der Arbeitsgemeinschaft Bio-Stadt Augsburg die Klassen und erklärt kindgerecht, wie Ernährung sich auf Gesundheit, Umwelt und das Klima auswirkt.

Einige Städte haben im Netz auch eine ausführliche Darstellung ihrer Aktivitäten, etwa:
München
Bremen
Augsburg
Nürnberg
Freiburg
Darmstadt

Header-Foto: © Stadt Augsburg. V.l.n.r.: Michael Kolmer (Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung der Wissenschaftsstadt Darmstadt), Dr. Ulrich Maly (Oberbürgermeister Stadt Nürnberg), Dr. Kurt Gribl (Oberbürgermeister Stadt Augsburg), Josef Schmid (2. Bürgermeister Stadt München), Gerda Stuchlik (Bürgermeisterin Stadt Freiburg).

Auch außer Haus tiergerecht essen

Schweinebraten in der Kantine oder Bratwurstsemmel am Imbissstand:

11 Milliarden Mahlzeiten im Jahr essen die Deutschen außer Haus. Der Großteil davon sind immer noch Fleischgerichte. Jede dieser Mahlzeiten entscheidet darüber, wie Tiere in unserem Land leben. Jedes einzelne Mal geben wir Geld aus, das Tierleid fördert oder Tierwohl unterstützt. 
Wo können wir uns an den Tisch setzen und sicher sein, dass Tiere für unser Essen nicht leiden müssen? Dort, wo Köche bei der Zutatenauswahl mit Verantwortung für Tierwohl handeln. Wo Fleisch als besonderer Genuss gilt und nicht als Standardmahlzeit. Wo kreative vegetarische und vegane Alternativen auf dem Menü stehen. Dass eine solche Gastronomie möglich ist, zeigt sich in immer mehr Restaurants, aber auch in Kantinen und bei Caterern.  Auf dem 4. Praxisforum „Bio in der Außer-Haus-Verpflegung“ wurden Kriterien für eine tierwohlorientierte Küche, Herausforderungen und Erfolgsmodelle vorgestellt.

Bericht vom Praxisforum als PDF Download

Das Fazit: Biologisches und tiergerechtes Essen aus Großküchen erfordert eine Umstellung für alle Beteiligten, aber die Idee lässt sich erfolgreich umsetzen.