Solidarische Landwirtschaft Archive - Schweisfurth Stiftung Fair zu Mensch und Tier

Anmeldemöglichkeiten zur Mitmach-Konferenz Chiemgau

„Werkstatt Stadt – Land – Tisch“
Mitmach-Konferenz Chiemgau – Wie versorgen wir uns in der Region nachhaltig?

Bitte füllen Sie für die verschiedenen Anmeldemöglichkeiten bitte das untenstehende Formular aus und klicken auf absenden.

Die Mitmach-Konferenz wird veranstaltet von der Schweisfurth Stiftung und findet in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung statt.

Wir freuen uns auf Ihre aktive Mitgestaltung.

Das ausführliche Programm folgt zeitnah vor der Veranstaltung. Die Terminankündigung als PDF zum Download finden Sie hier.

Für die Teilnahme entstehen Ihnen keine Kosten, außer einem Mittagessen auf Selbstzahlbasis. Es wird neben dem normalen Gastronomiebetrieb unter anderem auch ein regionales, vegetarisches Gericht geben, das durch die Akteure mitgestaltet wird.

Kontakt:
Schweisfurth Stiftung
Matthias Middendorf, werkstatt@schweisfurth-stiftung.de
Tel. 089 / 179595-14 oder 0157 / 79799930

Anmeldeformular:

Herzlich Willkommen!

Sie befinden sich auf der Anmelde-Seite der „Mitmach-Konferenz Chiemgau – Wie versorgen wir uns in der Region nachhaltig?“

Die Veranstaltung findet am Sonntag, den 18. November 2018 von 09:00 – 16:30 Uhr beim Hirzinger, Hotel Gasthof zur Post in Riedering statt.

Mit diesem Formular können Sie Teil der Mitmach-Konferenz werden.

Es gibt aktuell folgende vier Möglichkeiten:

1. Werden Sie Arbeitstisch-LeiterIn
2. Gestalten Sie einen Infostand beim „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“
3. Werden Sie HelferIn im Vorfeld oder am Veranstaltungstag
4. Seien Sie TeilnehmerIn der Mitmach-Konferenz. Diskutieren und Gestalten Sie mit und melden Sie sich zur Konferenz an.

(eine ausführliche Beschreibung der vier Möglichkeiten folgt unten)

Bitte tragen Sie sich in das Formular ein.

Bei Fragen, Unklarheiten oder Problemen mit dem Anmelde-Formular wenden Sie sich bitte an: werkstatt@schweisfurth-stiftung.de

 

Anmeldemöglichkeiten:

1. Ich möchte einen Arbeitstisch einreichen. (Bitte beschreiben Sie kurz ihr Thema / Projekt und ihre Fragestellung / aktuelle Herausforderung. Was ist ihr thematischer Bezug zur Mitmach-Konferenz? Wann ist die Veranstaltung für Sie erfolgreich? Wir nehmen im Vorfeld Kontakt mit Ihnen auf):

2. Ich möchte einen Infostand beim „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“ gestalten. (Bitte beschreiben Sie kurz ihr Thema / Projekt und ihre Fragestellung / aktuelle Herausforderung. Was ist ihr thematischer Bezug zur Mitmach-Konferenz? Wir nehmen im Vorfeld Kontakt mit Ihnen auf):

3. Ich möchte vor oder bei der Veranstaltung helfen. (Wir nehmen Kontakt mit Ihnen auf):

Ich habe Interesse bei der weiteren Mitgestaltung / Mitorganisation der Veranstaltung zu helfen (Organisations-Team: Nächster Stammtisch am 10.09.2018)Ich möchte mich am Tag der Veranstaltung ehrenamtlich engagieren und einige Aufgaben übernehmen.Ich möchte als Partner, Förderer oder Sponsor der Veranstaltung auftreten.Ich kann am Veranstaltungstag fotografieren.Ich kann am Veranstaltungstag filmen.

4. Ich nehme an der Mitmach-Konferenz teil.

Hiermit melde ich mich zur Mitmach-Konferenz am 18.11.2018 an. Bitte halten Sie mich auf dem Laufenden.



Ausführliche Beschreibung zu den vier Anmelde-Möglichkeiten:

1. Werden Sie Arbeitstisch-LeiterIn
Sie haben ein Projekt, eine Fragestellung oder eine Herausforderung, welches in Bezug zum Konferenz-Thema steht? Dann reichen Sie unten in diesem Formular Ihre Idee für einen Arbeitstisch bis zum 01.10.2018 ein. In zwei 45-minütigen Tisch-Durchgängen präsentieren Sie in einer Kleingruppe Ihr Thema, kommen mit Interessierten in Kontakt und erarbeiten in der Gruppe praktische, konkrete nächste Schritte. Wir helfen Ihnen im Vorfeld bei der Konzeption und Methodik.

2. Gestalten Sie einen Infostand beim „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“
Sie haben ein Projekt, einen Verein oder ein Unternehmen, dass sich für eine nachhaltige Gestaltung der Region Chiemgau engagiert? Dann bewerben Sie sich bis zum 01.10.2018 über dieses Formular. An den Ständen besteht die Möglichkeit für Austausch und Information. Sie bekommen bis zum 05.11.2018 eine Rückmeldung, ob Sie dabei seien können.

3. Werden Sie HelferIn im Vorfeld oder am Veranstaltungstag
Die Mitmach-Konferenz wird ehrenamtlich getragen. Von der Dekoration bis zur Organisation eines regionalen Mittagessen. Auch der Veranstaltungstag benötigt viele fleißige Hände. Unterstützung beim Aufbau, Einlass oder Fotografieren und Filmen. Geben Sie hier im Anmelde-Formular an, wie Sie die Veranstaltung unterstützen möchten.

4. Seien Sie TeilnehmerIn der Mitmach-Konferenz
Sie haben Interesse an der Mitmach-Konferenz als TeilnehmerIn dabei zu sein. Bitte kreuzen Sie unten an, dass wir Sie auf dem Laufenden halten. Diese Interessensbekundung ist keine verbindliche Anmeldung zur Mitmach-Konferenz. Die Anmeldung wird Ende September freigeschaltet und Sie per E-Mail darüber informiert.



Kontaktdaten:

Anrede

Hiermit abboniere ich den Newsletter der Schweisfurth Stiftung. Es gilt die Datenschutzerklärung der Schweisfurth Stiftung (https://schweisfurth-stiftung.de/datenschutzerklaerung)

Foto-, Film und Tonaufnahmen von Gästen und Mitwirkenden der Veranstaltung können für die Zwecke der Schweisfurth Stiftung verwendet werden. Mit Ihrer Anmeldung und Teilnahme erklären Sie sich hiermit einverstanden.

Sie bekommen keine automatische Bestätigungs-E-Mail. Im Falle von Rückfragen nehmen wir individuell Kontakt mit Ihnen auf. Über aktuelle Entwicklungen halten wir Sie inhaltlich per E-Mail auf dem Laufenden.

Datenschutzerklärung (lesen):

Ihre Kontaktdaten werden ausschließlich für Zwecke der Veranstaltungsdurchführung mit diesem Formular elektronisch verarbeitet und nicht an Dritte weitergegeben.
Mit Ihrer Anmeldung und Teilnahme erklären Sie sich hiermit einverstanden.

Hiermit bestätige ich die Datenschutzerklärung der Schweisfurth Stiftung gelesen zu haben.

Meine Daten werden nur für Datenverarbeitungszwecke für die Veranstaltung auf dem Server gespeichert und nach Veranstaltungsende spätestens zum 31.10.2018 gelöscht.

 

 

 

 

Einladung zur Mitmach-Konferenz im Chiemgau

„Wie versorgen wir uns in der Region nachhaltig?“ – zu dieser Frage veranstaltet die Münchner Schweisfurth Stiftung gemeinsam mit zahlreichen Nachhaltigkeitsakteuren aus dem Chiemgau am 18. November 2018 in Riedering die zweite Mitmach-Konferenz Deutschlands. Initiativen und Engagierte aus (Land-)Wirtschaft, Politik und Verwaltung, sowie alle interessierten BürgerInnen sind eingeladen, Projekte vorzustellen. Ziel ist die Vernetzung und Mitarbeit für eine zukunftsweisende, lebenswerte, enkeltaugliche und innovative Region Chiemgau.

Die Anmeldung zur Veranstaltung ist auf dieser Seite ab sofort möglich: https://schweisfurth-stiftung.de/stadt-land-tisch/chiemgau

Die Möglichkeiten zur Teilnahme sind vielfältig: Bewerben Sie sich für einen sogenannten Arbeitstisch oder Marktplatz-Stand, registrieren Sie sich als HelferIn oder signalisieren Sie mit der Anmeldung Ihr Interesse an der Teilnahme an der Konferenz.

Die Terminankündigung finden Sie hier als PDF-Dokument zum Herunterladen. Sie können dieses Dokument gerne in Ihren Netzwerken verbreiten.

 

Ein ausführlicher Flyer mit dem vollständigen Programm folgt zeitnah vor der Veranstaltung.

 

Erfahrungsschatz der Region sichtbar machen
Zahlreiche regionale Initiativen, Vereine und Unternehmen engagieren sich seit Jahren unabhängig voneinander auf unterschiedliche Weise für einen sozial-ökologischen Wandel in der Region Chiemgau. Die Mitmach-Konferenz bietet all diesen MacherInnen und allen Interessierten einePlattform, um den gemeinsamen Erfahrungsschatz zu heben, neue Ideen zu sammeln, an Herausforderungen zu arbeiten und so gemeinsam noch größere Wirkung für die Region zu entfalten.

Mitmachen großgeschrieben
Projekte aus der Region, die eine Fragestellung oder aktuelle Herausforderung mit Bezug zum Konferenz-Thema haben, können sich damit im Vorfeld bei der Organisationsgruppe bewerben. Auf der Mitmach-Konferenz werden sich die Teilnehmenden mit den jeweiligen Projektverantwortlichen an Arbeitstischen austauschen und die Ideen vorantreiben. Neben diesem interaktiven Programm bietet ein großer „Markt der Möglichkeiten“ eine Vorstellungsplattform für Projekte, Unternehmen oder Vereine aus der Region.

Engagement für eine nachhaltige Region
Das Besondere an der Mitmach-Konferenz ist, dass die Veranstaltung von AkteurInnen aus der Region für die Region ehrenamtlich organisiert und getragen ist. Dafür arbeitet eine bunt gemischte Gruppe aus Engagierten seit November 2017 an der Vorbereitung der Konferenz. Insgesamt waren in den letzten Monaten über 35 AkteurInnen in den Organisationsprozess eingebunden. „Es ist toll zu sehen, wie die Gruppe immer mehr zusammenwächst und die Mitmach-Konferenz nun greifbar wird und sich an den Bedürfnissen der beteiligten Menschen orientiert“, so Mitorganisator Matthias Middendorf, Projektleiter bei der Schweisfurth Stiftung. Zu den Beteiligten gehören (in alphabethischer Reihenfolge) das Büro für nachhaltige Regionalentwicklung, eine Bürger Energie Genossenschaft, das Forum Humane Landwirtschaft n.e.V., Lebensfeld Jaksch, Permakultur-Leben, das Projekt „Region in Aktion“, der Sachranger Dorfladen, die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Michl-Hof, die Solawi beim Kainzlbauer KG sowie viele weitere LandwirtInnen, Projekte, Vereine, Unternehmen und engagierte Einzelpersonen. An den insgesamt acht Stammtischen und Arbeitstreffen haben zudem bereits einige PolitikerInnen und Mitglieder der Verwaltung teilgenommen.

Erfahrene Prozessbegleiter
Moderiert und begleitet wird dieser Organisationsprozess von der Schweisfurth Stiftung, die das Konzept der Mitmach-Konferenz im Rahmen des Projekts „Stadt – Land – Tisch“ entwickelt und im vergangenen Jahr bereits in der Region Bodensee-Oberschwaben erfolgreich umgesetzt hat. Damals kamen über 150 Menschen zusammen. „Wir freuen uns auf einen weiteren intensiven Tag des Austauschs, der jeder und jedem Einzelnen die Möglichkeit bietet, neue Impulse zu geben und aufzunehmen. Diesen Tag gemeinsam mit den Menschen aus der Region für die Region vorzubereiten, ist für uns eine spannende Erfahrung“, so Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung statt. Weitere Partner, Förderer und Sponsoren sind herzlich willkommen, bei Interesse wenden Sie sich bitte an werkstatt@schweisfurth-stiftung.de.

Teamwork statt Höfesterben – neue Wege für die Landwirtschaft

Zum ersten Fachtag Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) hat das SoLaWi Netzwerk am 24. Januar nach Berlin eingeladen. Der Zuspruch war überwältigend: Über 160 Menschen haben sich angemeldet, der Saal in der Heinrich Böll Stiftung war voll, die Atmosphäre konzentriert und die Debatten lebhaft. Die Schweisfurth Stiftung war einer der Förderer des Fachtags.

Gemeinsam säen, gemeinsam ernten

„Die SoLaWi Landwirtschaft hat für mich Zukunft. Während immer mehr Bauern ihre Landwirtschaft aufgeben, wächst das SoLaWi Netzwerk beständig an“, erklärt Mathias von Mirbach vom Kattendorfer Hof, einer der ersten SoLaWi Landwirte in Deutschland. „Was mir früher gefehlt hat war ein Gegenüber, mit dem ich mich austauschen und gemeinsam Verantwortung übernehmen kann. Dieses Gegenüber habe ich im Rahmen der SoLaWi mit seinen Mitgliedern gefunden. Außerdem ist die Finanzierung viel nachhaltiger – wir bauen auf eine engagierte und verlässliche Community.“ Gemeinsam werden die Produktionskosten gedeckt und die Ernte geteilt. Auf dem Kattendorfer Hof kommen einmal im Jahr die Mitglieder zusammen. Die Kosten des landwirtschaftlichen Betriebs werden offen gelegt und in sogenannten „Bieterrunden“ gibt jeder solange verdeckt an, wie viel er oder sie geben will und kann, bis die Kosten gedeckt sind. Im Gegenzug erhält jeder nicht nur Anteile der Ernte, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft und übernimmt Verantwortung für eine enkeltaugliche Lebensmittelproduktion in seiner Region. Das ist solidarische Landwirtschaft.

Multi-Stakeholder Einbindung

Mit dem ersten SoLaWi Fachtag hat das Netzwerk ein weiteres Gegenüber gefunden – den Dialog mit Politik, Forschung und Gesellschaft. Wie wichtig dieser Austausch ist, wurde im Impulsdialog zwischen Stephanie Wild vom SoLaWi Netzwerk und Dr. Niels Kohlschütter von der Schweisfurth Stiftung deutlich. An Hand der Studie „Wie essen wir 2030?“ zeigten die beiden auf, dass eine vielfältige und regionale Landwirtschaft fördernde politische Rahmenbedingungen braucht. Zum Beispiel, dass Junglandwirten der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen erleichtert wird und diese nicht an den meistbietenden Großinvestor vergeben werden. Prof. Franz-Theo Gottwald betonte zudem, dass Landwirte für einen erfolgreichen Einstieg Unterstützung benötigen, z.B. in Form von Beratung zu Organisationsform oder Prozessmanagement. Um das zu leisten, braucht die Politik wiederum Beispiele aus der Praxis, die alternative Wirtschaftsformen glaubwürdig vorleben und sich aktiv am politischen Diskurs beteiligen.

Die Agrarexperten von SPD (Rainer Spiering, MdB), den Grünen (Friedrich Ostendorff, MdB) und der Linken (Dr. Kirsten Tackmann MdB) zeigten sich vom Niveau der Beiträge und den Ideen aus der Zivilgesellschaft beeindruckt. Besonders ein Vorschlag von Judith Hitchman, Präsidentin URGENCI (CSA international), neue Zielindikatoren in der Agrarpolitik festzusetzen (z.B.: Wie viele Menschen können von einem Hektar Fläche ernährt werden) wurde intensiv diskutiert. Es bleibt zu hoffen, dass viele Modelle und Vorschläge aus der Zivilgesellschaft für eine nachhaltige Agrarpolitik von der nächsten Regierung aufgegriffen und unterstützt werden.

 

Headerfoto: ©Solidarische Landwirtschaft/Schweisfurth Stiftung

Für eine enkeltaugliche Region Bodensee-Oberschwaben

Ein Gastbeitrag von Dieter Koschek zum von der Schweisfurth Stiftung organisierten Erfolgs-Workshops der Mitmach-Konferenz der Region Bodensee-Oberschwaben

45 MacherInnen aus der Region Bodensee-Oberschwaben kamen sechs Monate nach der ersten Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region, organisiert von der Schweisfurth Stiftung und dem wirundjetzt e.V., in Ravensburg für ein Austauschtreffen zusammen – ein großer Erfolg!

Ziel des „Erfolgs Workshops“ war es, die Vernetzung der Aktiven dauerhaft zu stärken. Rund 20 Initiativen von Biberach bis Konstanz waren vertreten und konnten konkrete Umsetzungserfolge präsentieren:

  • Der erste Humus-Stammtisch zu Fragen rund um Humusaufbau, hat auf Initiative von Wolfgang Abler (CarboCert) im September in der Region stattgefunden.
  • Die Gründungsinitiative Regionalwert AG Bodensee-Oberschwaben hat den Vorvertrag mit der Regionalwert AG Freiburg abgeschlossen.
  • Die Kooperation zwischen den bestehenden und in Gründung befindlichen Solidarischen Landwirtschaften konnte durch ein Beratungsangebot von David Steyer (Gärtner der Solawi Ravensburg) verdichtet werden.

Veerle Buytaert vom Klimaschutzmanagement des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental nutzte das Treffen, um die Arbeit der mittlerweile sieben KlimaschutzmanagerInnen der Region vorzustellen, z.B. ein Film mit Tipps zum energieeffizienten Heizen und Lüften oder Rad-und Wandertouren zu vorbildlichen Klimainitiativen und Betrieben.

Danach stand das Mitmachen und Austauschen an sechs Thementischen im Zentrum:

  1. Der BUND Ravensburg initiiert den „Schussental-Blog“ und suchte beim Workshop nach MitdenkerInnen und MitmacherInnen. Der Blog soll täglich eine wichtige Nachricht aus der Region, die sonst zu kurz kommt oder gar untergeht, online stellen.
  2. In 2018 soll ein Austauschtreffen der regionalen Solidarischen Landwirtschaften stattfinden. Seit der Konferenz im Mai wurden mindestens vier neue Solawi-Initiativen bekannt, die von den Erfahrungen der bestehenden Gruppen profitieren können.
  3. Ein Tisch stand im Zeichen der Kooperation in der Landwirtschaft. Themen waren der Humusaufbau, Kooperation zwischen Verbrauchern und Erzeugern sowie die Verbindung von regionalen und Bio-Initiativen. Dabei wurde an eine Vermarktungsperspektive gedacht, die Waren mit diesem Prädikat an die Läden der Region verteilen. Der Landkreis Ravensburg mit seinen 370 Bio-Landwirten zur hat einen Antrag zur „Bio-Modell-Region“ in Baden-Württemberg gestellt. Ähnliche Öko-Modellregionen gibt es bereits in Hessen und Bayern.
  4. Ein weiteres Anliegen war es, die Kommunikation zwischen Politik und Initiativen zu stärken. Aktionen wie Baumpaten, Beteiligungen an Weihnachtmärkten, einer engen Zusammenarbeit mit Schulen und der Beteiligung bei größeren Veranstaltungen wurden mit dem anwesenden Kreisrat diskutiert.
  5. Am Tisch mit dem Titel „Formate 2018“ wurde über konkrete Ideen für das kommende Jahr gesprochen. Die Vorschläge reichen von einer weiteren selbstorganisierten Mitmach-Konferenz bis hin zur Wiederbelebung der ehemaligen Bio-Messe Ravensburg. In diesem Rahmen wurde auch die Regionalwert AG vorgestellt. Nach dem Beispiel der Freiburger AG soll Kapital zur Unterstützung der Ökolandwirtschaft in der Region gesammelt werden. Die Ziele: Kleine und große Höfe stärken, die Umstellung auf Bio-Anbau unterstützen und gute, regionale Lebensmittel verantwortlich erzeugen.
  6. Der letzte Thementisch erarbeitete ein Modell des idealen Dorfes mit Möglichkeiten für erfolgreiche Gemeinschaftsentwicklung. Viele der Ideen spiegelten sich in den Tätigkeiten der anwesenden Initiativen wider.

Das Vernetzungstreffen hat den Informationsaustausch zwischen und die Vorstellung von alten und neuen Initiativen ermöglicht. Der persönliche Kontakt zwischen den Initiatoren und Aktiven stellt einen hilfreichen Resonanzboden für den Erfolg der Wandelinitiativen in der Region Bodensee-Oberschwaben bis hin zur großen Transformation dar.

„Es war schön zu sehen, dass viele der regionalen Akteure ihre Beziehungen festigen konnten. Das gab uns das Gefühl: wow, wir gemeinsam bewegen etwas in der Region und wir haben der Welt etwas zu sagen“, so Mitorganisator Simon Neitzel von wirundjetzt e.V. im Nachgang der Veranstaltung.

Dies wurde auch durch die Unterstützer des Erfolgs-Workshops deutlich. Neben der Stadt Ravensburg, den KlimaschutzmanagerInnen, der Schweisfurth Stiftung und der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategie (RENN.süd) unterstützte auch der vegane Caterer v2o die Veranstaltung.


 

Ein Nachbericht von Dieter Koschek (wirundjetzt e.V.). Den gesamten Beitrag finden Sie auf der Homepage von wirundjetzt e.V.

Globale Herausforderungen – lokale Lösungen

Die Urban Food Governance Tagung

Die Lebensmittelversorgung kehrt in die Stadt zurück – in Form von Stadtgärten, SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft), Vertical Farming, essbaren Städten, Food Trucks – so die These der DNEE Tagung. Anlass dafür ist unter anderem die gestiegene Neugierde der (Groß)StädterInnen auf die Ursprünge der Ernährung. Hinzu kommt: Essen ist längst kein Privatvergnügen mehr, vielmehr beschäftigen sich Politik, Wissenschaft, Stadtplaner, Bürger und neuerdings auch Ernährungsräte mit Urban Food Governance.

Multidisziplinäre Perspektiven

Im Rahmen der vom Netzwerk Ernährungskultur (EssKult.net), dem Deutschen Netzwerk Ernährungsethik (DNEE) und der Schweisfurth Stiftung organisierten Tagung „Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“ diskutierten über 40 WissenschaftlerInnen aller Altersgruppen die aktuellen Entwicklungen. In fünf Blöcken der zweitägigen Veranstaltung an der Hochschule Fulda wurden aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven die Rolle von Ernährungsräten, Migration und Ernährung sowie städtische Initiativen und Akteuren im urbanen Raum thematisiert.

Raum für Experimente: das Food Lab Stadt

Selbstermächtigung und Eigeninitiative treiben die Pioniere der verschiedenen Projekte und Start-Ups an. Aktuell entsteht eine vielfältige Landschaft lokaler und urbaner Initiativen und Alternativen. Die Ziele reichen von Armutsbekämpfung über Klimaschutz und Gesundheit bis zu nachhaltiger Raumplanung und Bildung. Es gilt, die Fremdbestimmung sowie Entfremdung von der Lebensmittelproduktion zugunsten der Ernährungssouveränität zu überwinden. Philip Stierand (Speiseräume) spricht von einer Ernährungsbewegung, die nicht mehr die Sicherung der Kalorien zum Ziel hat, sondern vielmehr das Food Lab Stadt als Handlungs- und Experimentierraum für Alternativen zur Hightech-Produktion erobert.

Die Gratwanderung zwischen Nische und Mainstream

Doch die Stadt hat ihre Grenzen. Auf engem Raum konkurrieren soziale, ökologische und ökonomische Akteure um Flächen, Einfluss und Finanzierung. Ella von der Haide (Universität Kassel) wagte einen kritischen Blick auf die Bewegung und ihre Trittbrettfahrer: Kommerzialisierung, Green Washing und Gentrifizierung unterminieren die ursprünglichen Intentionen der Initiativen mit sozialen und ökologischen Wurzeln. Andererseits wird die Bewegung so von der Nische in den Mainstream transportiert. Alexander Schwinghammer (Bauhaus Universität Weimar)  beleuchtet in diesem Kontext die Ecopreneurs, die Sky-, Rooftop- sowie Hightech Vertical Farming und damit die wirtschaftlichen Produktionsprozesse in die Städte zurückholen.

Weggabelung oder Koexistenz?

Die Sustainble Development Goals (SDGs) lassen Wege zur Nahrungsmittelproduktion offen. Es existieren jedoch mindestens zwei Pfade, so Franz-Theo Gottwald: Einer, der im Sinne der Bioökonomie ausschließlich auf Hightech und Biomasse setzt, sowie einen weiteren, der die Koexistenz lokaler, naturnaher und vielfältiger, oft auch handwerklicher Strukturen zulässt. Welcher Pfad in die Zukunft weist, darüber wird gestritten. Jana Rückert-John, Vorsitzende des Netzwerks Ernährungskultur, betonte das gesellschaftliche Spannungsfeld im Alltag: während einige Akteure einen Wandel anstreben, gilt es auch diejenigen mitzunehmen, die Veränderungen mit Vorbehalten und Angst gegenüberstehen.

Die hohe Anzahl der Besucher und die vielen hochkarätigen Beiträge zeigen, das Thema Urbane Food Governance ist brandaktuell. Lars Winterberg (Universität Regensburg, Universität des Saarlandes) fasste die Konferenz treffend zusammen: Es besteht weiterhin großer Forschungsbedarf rund um die städtische Lebensmittelversorgung – und es braucht Offenheit für vielschichtige Konzepte der Landwirtschaft im urbanen Raum.

Tipps zum Weiterlesen:
Westra, Laura; Gray, Janice; Gottwald, Franz-Theo (2017): The Role of Integrity in the Governance of the Commons. Governance, Ecology, Law, Ethics. Springer, Schweiz 2017.

Die internationale Vielfalt des Urban Gardening

„Soll ich die Bohne in meinen Hinterhof in Aleppo pflanzen oder lieber gleich meinen Hunger damit stillen, bevor sie möglicherweise später jemand schneller erntet als ich?“ Vor allem bei konkreten Projekten wurde es besonders spannend auf der von der Schweisfurth Stiftung unterstützten Internationalen Urban Farming Conference in Berlin am 11. und 12. September 2017.

177 Teilnehmende aus 30 Ländern spiegelten die Vielfalt der vertretenen Projekte wider. Marielle Dubbeling von der RUAF Foundation bezeichnete in ihrer Eröffnungsrede diese Vielfalt als Möglichkeit, um auf die unterschiedlichen Herausforderungen beim Urban Gardening individuelle Antworten zu finden.

Urbanes Gärtnern von Berlin bis Rosario

Vor Herausforderungen stehen sowohl die Projekte im globalen Süden, als auch die Teilnehmenden aus dem Norden. So beschrieben zum Beispiel die Mitglieder des Gemeinschaftsgartens Almende Kontor bei der Exkursion auf dem Tempelhofer Feld die Schwierigkeiten, die mit dem Strukturwechsel von einer „freien Gestaltung“ hin zu per Luftbild dokumentierten und nummerierten Beeten verbunden sind.

Mit ganz anderen Problemen beschäftigen sich die Projekte im globalen Süden: Am zweiten Konferenztag lag der inhaltliche Fokus darauf, welche Rolle Urban Farming hier in Krisenzeiten übernimmt, beziehungsweise inwiefern Krisen das urbane Gärtnern fördern. Dies wurde unter anderem in den Beiträgen von Javier Alejandro und Laura Bracalenti aus Rosario/Argentinien oder Zoé Beau von 15th Garden in Syrien deutlich.

Bei der Podiumsdiskussion und auch später bei der Abschlussdiskussion im Fishbowl-Format wurden inhaltliche Spannungen thematisiert, die mit dem Engagement des Nordens im Süden verbunden sein können. Zum Beispiel, wenn Studenten mit dem festen Vorsatz in den Süden reisen, dort etwas nach ihren Vorstellungen ändern zu wollen. Oder bei Projekten, die auf Grund des unterschiedlichen Materialzugangs im Norden und Süden nur bedingt übertragbar sind. Schade, dass kaum Zeit dafür blieb, mehr auf die Impulse, Fragen und Erfahrungen aus dem Publikum einzugehen.

Stadt-Land-Beziehung: eine internationale Herausforderung

Dr. Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung, war mit einer interaktiven Präsentation des Stiftungs-Projekts Werkstatt Stadt – Land –Tisch vertreten. Die Werkstätten bieten Akteuren aus Stadt und Land einen Raum, um kreative Ideen, Produkte, soziale Innovationen oder das lokale Netzwerk weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt dabei auf einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die Gestalterinnen und Mitmacher sind unter anderem Bürger*innen der Region, Landwirt*innen und Gärtner*innen, lokale Initiativen und Projekte, Start-ups, Handwerksbetriebe rund um die Lebensmittelverarbeitung oder Teilnehmende aus Politik und Verwaltung.

Der Vortrag knüpfte thematisch an den Workshop „Vernetzung Stadt-Land“ vom Vortag an: „Spannend! Sowohl der interaktive Einstieg in die Poster-Präsentation, als auch das Projekt Werkstatt Stadt – Land –Tisch an sich“, zeigte sich Martina Kolarek von der Initiative Die Boden Schafft Berlin interessiert, während immer mehr Menschen zu der regen Diskussion dazukamen.

Die Präsentation wird auf der Homepage der Grünen Liga zum Download bereitstehen.

Simsseer Weidefleisch eG – eine bäuerlich-handwerkliche Erzeuger- und Verbrauchergemeinschaft

Die Simsseer Weidefleisch eG ist hat sich zum Ziel gesetzt, aus eigenen artgerecht gehaltenen Tieren und denen von Kooperationsbauern Fleisch, Schinken und Würste zu erzeugen und bis auf den Teller des Verbrauchers selbst zu vermarkten. Anfang 2017 wurde der Betrieb fertiggestellt.

 

Karl Ludwig Schweisfurth, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums, Metzgermeister, Unternehmer & Autor, Gründer der Schweisfurth Stiftung & der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, Begründer der Symbiotischen Landwirtschaft

Herr Schweisfurth, sie kennen ihre Mitgründer Maria und Rudolf Finsterwalder (Unternehmer und Architekten) sowie Jürgen Körber über verschiedenste Projekte der Herrmannsdorfer Landwerkstätten bereits länger. Wie kamen sie gemeinsam auf die Idee der Gründung einer Genossenschaft auf dem Gelände der Landmühle in Stephanskirchen?

Karl Ludwig Schweisfurth: Ich habe zusammen mit Rudolf verschiedene sogenannte „Schlachtfesthäuser“ für Partner geplant, die Unternehmen ähnlich wie Herrmannsdorfer (Link: https://www.herrmannsdorfer.de/) aufgebaut haben. Vor etwa drei Jahren entschied Rudolf, selbst so etwas zu machen, vor allem, weil inzwischen die Idee einer Genossenschaft geboren war und das Landwirtschaftsministerium bereit war, so ein Projekt zu unterstützen: als ein Modell der „Entwicklung der ländlichen Räume“.

Die genossenschaftliche Organisation der Lebens-Mittel-Erzeugung liegt global im Trend. Auch die Anzahl von solidarischen Landwirtschafts-Betrieben (SoLaWis) nimmt weiterhin zu – in Deutschland kann man heute mindestens 145 von ihnen zählen. Viele bauen Gemüse an, teilweise in Kombination mit der Herstellung tierischer Produkte. Welche Vorteile und welche Risiken bringt die Organisation als Genossenschaft für die Erzeugung von tierischen Lebens-Mitteln mit sich?

KLS: Wir machen etwas anderes. Bauern und der Metzger tun sich zusammen, um gemeinsam etwas zu machen, was der Einzelne alleine nicht kann. Und der Charme der Genossenschaft ist es, dass wir die Bürger der Region einladen, als Genosse oder Darlehensgeber mitzumachen, und ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, dass von alleine nicht entstehen würde, das aber wie jedes Unternehmen auch scheitern kann.

Der Vertrieb der Lebens-Mittel findet über den eigenen Laden und das Wirtshaus Salettl statt. Transparenz wird groß geschrieben. Die Erzeuger-Gemeinschaft kauft Tiere zu, die dann in der Landmühle geschlachtet und in der Warmfleischmetzgerei verarbeitet werden. Wie kommen die Kooperationen zustande und welche Anforderungen werden an die Bauern in Bezug auf eine artgerechte Tierhaltung gestellt?

KLS: Es wird der Bogen gespannt von der Weide bis auf den Teller. Das bedeutet de facto die Befreiung vom Druck des Systems.
Durch Berichte in den Medien, durch Mund zu Mund und durch Informationsveranstaltungen.

Mit wie vielen Kooperationsbauern arbeitet die Simsseer Weidefleisch eG zusammen?

KLS: Zurzeit drei, mit wachsendem Interesse.

Das Konzept der symbiotischen Weidehaltung ist für die Simsseer Weidefleisch eG Vorbild. Was macht diese Art der Haltung aus? Wo liegen die Herausforderungen?

KLS: Grundbedingung ist die Mitgliedschaft in einem ökologischen Anbauverband. Die Simsseer Weidefleisch eG ist Bio-zertifiziert. Alle Bauern halten ihre Tiere nach den Grundsätzen der symbiotischen Weidehaltung. Das ist die wohl beste Haltungsweise für das Wohlbefinden der Tiere, besonders für Schweine und Hühner. Sie schützen sich und sie nützen sich.

Als Mitglied der Genossenschaft kann ich innerhalb der demokratischen Strukturen mitwirken. Worüber kann ich als Verbraucher abstimmen?

KLS: Die Simsseer Weidefleisch eG betreibt den Geschäftsbetrieb. Daneben gibt es die Simsseer Verbraucher eG, in der das Geld der Bürger angelegt ist. Zwei Vorstände und drei Aufsichtsräte vertreten die Interessen bei der Simsseer Weidefleisch eG.

Findet Ihr Projekt Nachahmer? Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach die genossenschaftliche Produktion von tierischen und nicht-tierischen Lebens-Mitteln?

KLS: Das Projekt gibt es erst seit Anfang des Jahres. Es braucht Zeit und ein ganzheitliches Bewusstsein, das Besondere der Struktur, die einzigartige Geschmacksqualität sowie die ethischen Grundwerte zu verstehen.

Vielen Dank, Herr Schweisfurth!

 

 

Die Fragen stellte Nora Klopp, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Schweisfurth Stiftung

Call for Papers zur Tagung „Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“

Das Netzwerk Ernährungskultur (Esskult.net) & die Schweisfurth Stiftung/Deutsches Netzwerk Ernährungsethik (DNEE) laden Wissenschaftler/innen und Interessierte zur Tagung nach Fulda ein. Vom 9.-11. November 2017 stehen an der Hochschule Fulda urbane Ernährungssysteme und ihre Rolle in der kommunalen Nachhaltigkeits-Governance im Fokus. Ziel der Tagung ist es, neue Ansätze und Konzepte einer urbanen Food Governance zu beleuchten sowie ihre Potenziale und Grenzen auszuloten und zu diskutieren.

Wer kann am Call for Papers teilnehmen?

Eingeladen sind Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachdisziplinen, wie Soziologie, Politikwissenschaften, Kulturwissenschaften, Ethnografie, Geschichtswissenschaften oder Geografie. Wir möchten vor allem Nachwuchswissenschaftler/innen auffordern, sich mit wissenschaftlich-theoretischen oder praxisorientierten-empirischen Beiträgen zu bewerben.

Bis 15. Juni 2017 können Abstracts mit max. 2.500 Zeichen zu den folgenden Fragestellungen rund um das Thema urbane Food Governance eingereicht werden:

  • Auf welche Probleme, gesellschaftliche Herausforderungen und Bedarfe reagieren die Projekte und Initiativen einer urbanen Food Governance?
  • In welchem Verhältnis definieren sie sich zur etablierten kommunalen Politik und anderen Stakeholdern (z. B. Ernährungswirtschaft)?
  • Welche Ziele verfolgen sie und welche Lösungsansätze stellen sie vor?
  • Welche Rolle spielen hierbei Konzepte, wie soziale Innovationen, Postkapitalismus / Postwachstum oder gesellschaftliche Transformation?
  • Mit welchen Herausforderungen sind die Projekte und Initiativen konfrontiert?
  • Welche Akzeptanz und welchen Zuspruch finden sie in der Bevölkerung?
  • Mit welchen alternativen Wertvorstellungen sind sie verbunden?
  • Inwieweit spielt hierbei die Integration Geflüchteter eine Rolle?

Genauere Informationen finden Sie im offiziellen Call for Papers.

Urban Food Governance

Veränderte Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert (wie globalisierter Handel von Lebens- und Futtermitteln, Urbanisierung oder Auswirkungen des Klimawandels) und neue Ansprüche der Konsument/innen in den westlichen Industrieländern (wie Nachhaltigkeit und Fairness) führen dazu, dass sich die städtische Lebensmittelversorgung grundlegend wandelt und die Ernährungspolitik in die Stadt „zurückkehrt“. Internationale Initiativen wie beispielsweise der Milan Urban Food Policy Pact appellieren an Kommunen und andere Stakeholder, die integrative Funktion des Themas Ernährung als Treiber für Stadtentwicklungsziele – wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Gesundheit, Raumplanung und Bildung – zu nutzen, Projekte im Bereich der lokalen Lebensmittelproduktion zu fördern und urban-regionale Ernährungsstrategien zu entwickeln.

Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance
Termin: 9.-11. November 2017
Ort: Hochschule Fulda
Call for Papers: einzureichen bis spätestens 15. Juni 2017

Begeisterte Teilnehmer bei der ersten Mitmach-Konferenz

Rund 150 TeilnehmerInnen kamen am 7. Mai 2017 in Ravensburg zur „Werkstatt Stadt-Land-Tisch: Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee Oberschwaben“ der Schweisfurth Stiftung und des Vereins wirundjetzt e.V. zusammen. Ziel war es die unterschiedlichsten GestalterInnen der Region zu vernetzen und neue Kooperationen und nächste Schritte zu erarbeiten – und das ist auf beeindruckende Art und Weise gelungen! Neben dem erfolgreichen Erfahrungsaustausch gibt es ganz konkrete Ergebnisse aus der Arbeitsphase: Zum Beispiel den regelmäßigen Humus-Stammtisch in Ravensburg, geplante Solawi-Neugründungen und neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte. Im Herbst 2017 ist zudem ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop geplant. Bilder von der Veranstaltung finden Sie auf der Facebook Seite der Schweisfurth Stiftung.

Sonntag 7. Mai 2017, 10:00 Uhr in Ravensburg: Der Schwörsaal im Waaghaus ist gut gefüllt. Rund 150 Personen aus (Land-)Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft finden sich zur Mitmach-Konferenz des Vereins wirundjetzt e.V. und der Schweisfurth Stiftung ein. Auf einem belebten „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“ präsentieren 24 Projekte, Initiativen und Unternehmen ihre Ideen und Konzepte für die Region vom Bodensee über Oberschwaben bis hin ins Allgäu: Über nachhaltige und alternative Landwirtschaftskonzepte wie am Gemeinschaftsstand von vier Solidarischen Landwirtschaften, das Projekt Yes! We Can Farm, Initiativen wie Foodsharing, Urban Gardening Projekte und die Gemeinwohl-Ökonomie oder ein Start-up für CO2-Zertifikate durch nachhaltigen Humus-Aufbau. Alle greifen das Themenfeld „Nachhaltig leben“ auf ihre Art und Weise auf.

Kernteam plus Schweisfurth Stiftung

Die Mitmach-Konferenz ist das Ergebnis einer langen Vorbereitung. Seit Herbst 2016 organisierte ein Kernteam aus regionalen Initiativen und Einzelpersonen rund um wirundjetzt e.V. die Konferenz komplett ehrenamtlich. Unterstützt haben die Veranstaltung viele regionale Kooperationspartner und einige Sponsoren, sowie die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeit – RENN.süd. Die Schweisfurth Stiftung übernahm die Projektentwicklung und koordinierte die Konferenz federführend mit den regionalen Partnern.

Eröffnet wurde die Konferenz durch das Grußwort von Veerle Buytaert, Klimaschutzmanagerin des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental und Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg. In Vertretung für den Schirmherren der Veranstaltung, Dr. Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, spannte Frau Buytaert den Bogen von der globalen Agenda-2030 der Vereinten Nationen, bis hin zum Engagement für den Klimaschutz in der Region Bodensee-Oberschwaben. Im nächsten Programmpunkt lernten die TeilnehmerInnen in vier Impulsvorträgen spannende und innovative Projekte aus der Region kennen: Von der Bedeutung des Bodens und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Land durch die Kulturland Genossenschaft, über alternative Konzepte am Beispiel der solidarischen Landwirtschaft, ein neues Konzept einer Bürgeraktiengesellschaft für die Region durch die Regionalwert AG, bis hin zur regionalen Ökonomie am Beispiel des sozial-innovativen Kundenbindungsprojektes der Bürgerkarte.

Anschließend wurde in Kleingruppen an Thementischen zu aktuellen Herausforderungen im Themenfeld „Nachhaltig leben“ gearbeitet. Insgesamt 14 Initiativen und Unternehmen beteiligten sich daran. Konkrete Ergebnisse des ergiebigen Austausches sind unter anderem: ein regelmäßiger Humus-Stammtisch, mehrere geplante Solawi-Neugründungen, drei neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte, ein Filmprojekt zum Thema Humus-Zertifikate-Handel, ein Nachbereitungs-Workshop für die Mitmach-Konferenz – und ganz nebenbei wurde die Vermarktungsfrage für ein Bruderhahn-Projekt gelöst.

Zudem wurde deutlich, dass die Vernetzung und der öffentliche Auftritt für die KlimaschutzmanagerInnen aus der Region große Vorteile bringen und ihre Arbeit vorantreibt. „Die Teilnahme an der Mitmachkonferenz hat uns fundamental gestärkt. Es hat uns ermöglicht in kurzer Zeit konkrete und gezielte Fortschritte zu machen, unser Netzwerk auszubauen und unsere Kompetenzen weiter zu entwickeln“, sagt Veerle Buytaert, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg, nach der Konferenz.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung auf ein konkretes Bedürfnis der regionalen Initiativen eingehen konnten. Viele haben sich diesen Raum zum Zusammenkommen und gemeinsamen Arbeiten gewünscht“, so Matthias Middendorf, Leiter des Projekts „Werkstatt Stadt-Land-Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Eine positive Bilanz zieht auch Simon Neitzel, Vorstand von wirundjetzt e.V., der die Veranstaltung gemeinsam mit Matthias Middendorf organisiert hat: „Die vielen Projekte sind bekannter und glaubwürdiger geworden. Es konnte eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden. Einige haben neue Kooperationspartner gefunden und alle Projekte haben bessere Voraussetzungen für die Zukunft“.

Im Nachgang der Mitmach-Konferenz finden verschiedene Informationsveranstaltungen, Workshops, Fortbildungen, Stammtische, Aktionen und Beratungstreffen der teilnehmenden Initiativen statt. Alle Termine und AnsprechpartnerInnen werden fortlaufend über die Homepage von wirundjetzt e.V. kommuniziert und an alle TeilnehmerInnen per E-Mail geschickt. „Nun gilt es die entstandenen Ideen und Kooperationsmöglichkeiten weiter voranzutreiben“, so Matthias Middendorf. Dafür ist im Herbst ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop für die LeiterInnen der Thementische und weitere interessierte Personen geplant.

Die Schweisfurth Stiftung wird das Format in andere Regionen übertragen und freut sich über Anfragen und Angebote von Regionen und Kooperationspartnern.

Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Hubert Wiggering und Dr. Dietmar Schallwich, Universität Potsdam

2017 – 2071! Nicht nur ein Zahlendreher, sondern zwei Blickrichtungen, nach vorne und zurück. Wie gehen wir heute und wie werden wir im Jahre 2071 mit unserem Land, mit unserer Landschaft umgehen? Gewiss ist, dass auch 2071 die Landwirtschaft noch die vorrangige Flächennutzerin sein wird. Aber welche Landwirtschaft wird das sein? Diese Debatte erhitzt bereits heute die wissenschaftliche Diskussion wie auch die landwirtschaftliche Praxis und die Politik. Gerade letztere müsste dabei aufzeigen, wo es langgehen soll und damit gegebenenfalls Wahrheiten aussprechen, die auch mal wehtun können. Der zunehmend industriell ausgerichteten Landwirtschaft steht eine eher kleinstrukturierte, auf familiären Betrieben fußende Landwirtschaft entgegen. Der Fachbegriff würde Agrikultur lauten, ein besonders treffender Begriff, da er die Kultur gleich mit umfasst. Geht diese Kultur bei der industriellen Landwirtschaft verloren?

Zudem wird nicht ganz ohne Grund behauptet, dass die Landwirtschaft auch voll­ständig auf den Ökolandbau umgestellt werden und immer noch eine wachsende Erd­bevölkerung ernähren könnte.

Wo müssen wir umdenken?

Wenn wir etwa über zu wenig Anbaufläche sprechen, implizieren wir immer, dass wir bei unseren jetzigen Ernährungsgewohnheiten bleiben und die Fläche dabei vor allem für den Anbau von Futtermitteln benötigen. Aber Verhaltensänderungen und Lebensstile sind für den einzelnen Menschen und für die Politik gleichermaßen ein schwieriges Thema.

Auch kommen die verschiedenen Facetten der urbanen landwirtschaftlichen Produktion, vom Gärtnern bis zum wirklichen Landwirtschaften, auf den innerstädtischen Flächen und vor allem vertikal, auf dem Balkon oder an der Hauswand. Diese Entwicklung ist nicht zu unterschätzen. Gleichwohl werden größere Mengen an Getreide und anderen Feldfrüchten auch künftig in der Fläche, im ländlichen Raum produziert werden.
Dabei geht es auch immer wieder um die zukünftige Entwicklung der ländlichen Räume, um Kulturlandschaften – eine besondere Verantwortung nicht nur der Land-, sondern auch der Stadtbevölkerung!

Landwirtschaft 4.0 – die Digitalisierung ist nicht mehr wegzudenken

Über allem liegt die Diskussion um die fortschreitende Digitalisierung, die die Landwirtschaft ganz besonders (be-)trifft. In der Landwirtschaft 4.0. steuert der Landwirt über eine entsprechende Netzinfrastruktur den gesamten Produktionsprozess mittels seines Tablets oder Smartphones – ein cyberphysisches System also, kurz CPS. Das sind komplexe Softwaremodule, die mit Sensoren und Geräten vernetzt sind und kontinuierlich große Datenmengen aus allen möglichen Prozesssegmenten erfassen, auswerten und dabei verdichten und mit örtlichen Geodaten verschneiden, sprich veredeln. Am Ende stehen keine Rohdaten, sondern Smart Data, die in Echtzeit über meist drahtlose Kommunikationseinrichtungen ins globale Netz eingespeist und für die weiteren Entscheidungs- und Steuerungsprozesse zur Verfügung gestellt werden, welche ihrerseits mehr und mehr autonom, also ohne Eingriff des Menschen, ablaufen. Das passiert dann alles nicht mehr im ländlichen Betrieb, sondern irgendwo in der sogenannten Cloud.

Der Beruf Landwirt im klassischen Sinne hat sich dieser digitalen Entwicklung – im Jahr 2071 – längst angepasst. Die Landwirtschaft teilt sich in terrestrische, aquatische und vielleicht auch schon extraterrestrische Landwirtschaft auf, jeweils horizontal und vertikal gegliedert. Die Entscheidungen bezüglich der Produktion werden im Detail nicht mehr vom Management des jeweiligen landwirtschaftlichen Industriebetriebes getroffen, sie werden in Form einer „erweiterten Realität“ (augmented reality) über ein „Agrotablet“ an die Agronomen übermittelt und allenfalls noch mit einem OK quittiert, wenn nicht übergeordnete strategische Interessen etwas anderes vorgeben. Aus der Vielzahl und Vielfalt der Daten (Big Data) zu betriebsspezifischen Rahmenbedingungen, konkreten Standortgegebenheiten und aktuellem jahreszeitlichen Wetterverlauf sind präzise Handlungsempfehlungen geworden, in die auch bereits hochgerechnete Marktanalysen und mögliche konkurrierende Nutzungsinteressen eingeflossen sind. Der Landwirt als Produzent und Vermarkter muss sich darum nicht mehr kümmern, sondern verfolgt sie allenfalls aus Interesse. Im Jahr 2017 mag es uns etwas eigenartig anmuten, dass so ein Agrotablet unaufgefordert mit dem Landwirt Kontakt aufnimmt und Veränderungen über den Zustand der landwirtschaftlich genutzten Flächen, Produktionstürme oder Aquakulturen und die entsprechenden Reaktionen und Maßnahmen darauf nur noch mitteilt, aber 2071 wundert sich darüber niemand mehr. Die Landwirtschaft hat sich mit allem, was dazu gehört, auf die Digitalisierung eingelassen. Die Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette – ausgehend von der Primärproduktion, bis in alle Facetten der Veredelung – sind in Echtzeit verfolgbar.

Flächennutzung im Jahr 2071

Bereits Landwirtschaft 4.0, insbesondere aber Landwirtschaft 7.0 basiert auf einer in sich konsistenten landwirtschaftlichen Infrastruktur. Um die Stadt herum werden ringförmig Felder zum Anbau von Pflanzen als Energielieferanten angelegt, die die primäre Aufgabe haben, die aus neuartigen Abwassersystemen gewonnenen „Schlämme“ zu reinigen und als Ressource nutzbar zu machen. Von dort aus werden Energierohstoffe etwa in Form von Biogas zurück in die Stadt geführt. Gärreste wie konzentrierte Biogasgülle werden durch Umkehr­osmose ausgefiltert und fließen als Nährstoffe ins weitere Umland, wo im nächsten Ring vor allem jenes Gemüse angebaut wird, das nicht für die Kultivierung in den vertikalen Produktionstürmen oder auf den Dachgärten und Freiflächen in der Stadt geeignet ist. Diesem Ring schließt sich ein weiterer mit klassischer, flächenbezogener Landwirtschaft an. Die Produktionsschwerpunkte passen sich dabei den lokalen natürlichen Gegebenheiten an, d. h. auf besseren Böden wird Ackerbau (ohne Tierhaltung) betrieben, gefolgt von Grünlandgebieten mit Tierbestand. Eine solche Entwicklung ist nicht nur bis 2071 denkbar, sondern wir sind mancherorts schon heute auf dem Weg dahin.

Digitale Technik erhöht dabei zweifelsohne die Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft, gewährleistet eine stärker umweltschonende Produktion und gleichzeitig eine bessere Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Umweltprobleme von heute wird es nicht mehr geben, vielleicht oder sicherlich dafür neue. Skandale um Lebensmittel- und Versorgungssicherheit werden auch ganz anders aussehen. Wie? Es wird immer stärker um Sabotage und Eingriffe in die Systemabläufe gehen; terroristische Anschläge, seien sie politisch oder kommerziell motiviert, erobern eine neue Aktionsebene – der neue Begriff ist Cyberkriminalität.

Was passiert mit den kleinbäuerlichen Strukturen?

Landwirtschaft 4.0 und Smart Farming findet oft schon in den Hinterhöfen der Wohn­siedlungen statt, aber auch draußen auf dem Bauernhof und auf dem Acker. Die Land­wirtschaft wird im Zuge der Digitalisierung durch eine Reihe von Intensivierungs- und Modernisierungsprozessen zu einer industriellen Wirtschaftsform. Es wird für Pro­duzenten wie Konsumenten teilweise schwer zu akzeptieren sein, was da bereits passiert und noch passieren wird.

Die Pflege der bäuerlichen Kulturlandschaft wird allenthalben gleichgesetzt mit dem Erhalt der kleinbäuerlichen Struktur aus vielen kleinen familiären Betrieben. Diese können jedoch in dem System Landwirtschaft 4.0 kaum noch bestehen, es sei denn, sie finden immer wieder Nischen für sich. Wird es auch eine Rückbesinnung auf die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft geben? Vielleicht ist ein Nebeneinander die Lösung dieses Konfliktes: Neben den klassischen familiären Betrieben bekennt sich die Landwirtschaft dazu, ein Industriezweig zu sein, der höchst innovativ auf den Märkten mitmischt, regional und global, im Jahr 2071.



All dies sind Facetten der Diskussion um die zukünftige Landwirtschaft, die in dem Buch „Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071“ aufgegriffen und in einer Erzählung miteinander verwoben werden, auch um die jeweiligen Zusammenhänge und Wechselbeziehungen aufzuzeigen. Manchmal geschieht dies subtil, manchmal provokativ, manchmal auch im Detail analysierend, und immer können Sie sich Ihr Urteil daraus ableiten. In der Erzählung helfen Ihnen dabei Personen, die als Politiker, Wissenschaftler, Berater, Landwirte, Lebensmittelhändler oder einfach als Privatpersonen auftreten. Letztlich müssen wir uns in der Realität aber unabhängig vom Urteil der fiktiven Personen entscheiden, welche Landwirtschaft wir zukünftig wollen. Denn Kühe können auch im 37. Stockwerk eines landwirtschaftlichen Produktionsturmes nach allen vorgeschriebenen Regeln als Nutztiere gehalten werden, wegen oder trotz aller Diskussion um das Tierwohl. Am Ende des Tages müssen aber Sie entscheiden, ob Sie das wollen oder nicht.

„Weiter wie bisher ist keine Option!“ hieß es bereits im letzten Weltagrarbericht der Vereinten Nationen.

Das Buch zeigt auf, wie vielschichtig die Überlegungen zur Landwirtschaft und zur zukünftigen Produktion von Nahrungsmitteln sind. Auch wenn wir uns oft selbst im Wege stehen, gibt es immer Lösungen. Und wir werden in die Verantwortung genommen. Das gilt gleichermaßen für die Landwirte als Primärproduzenten, für die Veredelungsindustrie wie für uns alle als Konsumenten. Dies gilt aber auch für die Wissen­schaftler, die vielen Berater und die Politiker, die zukünftig einfach nur die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Bereits heute lässt sich erahnen, wie schwierig dies auch im Jahre 2071 sein wird, wenn die Landwirtschaft und die Welt sich dramatisch verändert haben werden.

Das Buch „Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071“ wurde im Rahmen der von der Schweisfurth Stiftung herausgegebenen Buchreihe „Agrarkultur im 21. Jahrhundert“ gefördert. Es ist 2017 im metropolis Verlag erschienen und hier erhältlich.

Gemeinsam für eine lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee

Die erste Mitmach-Konferenz des Ravensburger Vereins wirundjetzt e.V. und der Münchner Schweisfurth Stiftung, lädt Initiativen und Engagierte aus Zivilgesellschaft, (Land-) Wirtschaft, Politik und Verwaltung, sowie alle interessierte Bürgerinnen und Bürger am 7. Mai nach Ravensburg zur Vernetzung und Mitarbeit für eine zukunftsweisende, lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee-Oberschwaben ein.

Zahlreiche regionale Initiativen, Vereine und Unternehmen engagieren sich seit Jahren unabhängig voneinander auf unterschiedliche Weise für einen sozial-ökologischen Wandel. Die Mitmach-Konferenz bietet allen Akteuren einen Raum und die Plattform, um den gemeinsamen Erfahrungsschatz zu heben, neue Ideen zu sammeln, an Herausforderungen zu arbeiten und so gemeinsam noch höhere Wirkung für die Region zu entfalten.

Impulsvorträge und Erfahrungsaustausch
Mehr als 100 Aktive aus Zivilgesellschaft, (Land-)Wirtschaft, Politik und Verwaltung kommen am 7. Mai von 10:00-18:00 Uhr in Ravensburg zur „Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Obrschwaben“ zusammen. In vier Impulsvorträgen erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die regionalen Projekte Kulturland Genossenschaft, Solidarische Landwirtschaft Ravensburg e.V., Initiative für eine Regionalwert AG und das Projekt Bürgertaler. Der Nachmittag steht ganz unter dem Motto Mitmachen. An Thementischen sollen die Herausforderungen, Zukunftsvisionen und Möglichkeiten zur Einbindung von BürgerInnen diskutiert werden. „Wir möchten diese einmalige Gelegenheit nutzen, um mit Kollegen, Freunden und interessierten BürgerInnen über vielversprechende Projekte zu diskutieren und neue Ideen zu sammeln“, sagt Simon Neitzel vom wirundjetzt e.V. Mit dabei sein werden Vertreter von: Bürgerkarte, yes we can farm, ReWiG Allgäu eG, weiteren solidarischen Landwirtschaften aus der Region, sowie diverse Vertreter von Nachhaltigkeitsakteuren, Vereinen und Verbänden. Die Schirmherrschaft hat Dr. Daniel Rapp – Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg inne.

 

 

 

 

 

 

Das Projekt Stadt-Land-Tisch
Mitorganisator Matthias Middendorf, Projektleiter bei der Schweisfurth Stiftung, zum Hintergrund: „Die Idee zur Konferenz entstand bei einem Weiterbildungsseminar. Im Gespräch mit Aktiven wurde deutlich, dass es großen Bedarf an Vernetzung und Austausch zwischen den vielen erfolgreichen Projekten in der Region gibt. Unser Ziel ist es, Synergien aufzudecken, neue Kooperationen zu initiieren und das Schwarmwissen aller Teilnehmenden zu nutzen“.

Die Konferenz ist bereits das vierte Veranstaltung der Reihe „Werkstatt Stadt – Land –Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Im Frühjahr fanden bereits Workshop-Formate in Ulm, Freiburg und Altheim statt. Weitere Termine sind in Planung. Der Name Stadt-Land-Tisch ist dabei Programm: Es gilt Menschen aus der Stadt und vom Land an einen Tisch zu bringen, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam konkrete Lösungsschritte für ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen zu finden. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Praxis stehen im Vordergrund.

Das vollständige Programm finden Sie in dem Flyer zum Download als PDF.

Die kostenlose Anmeldung zur Mitmach-Konferenz Bodensee ist bis 2. Mai unter dem Anmeldeformular auf dieser Seite möglich: https://schweisfurth-stiftung.de/stadt-land-tisch/bodensee/

 

Nachhaltigkeit leben und stärken – Auftakt von RENN.süd

Sie verkaufen krummes Gemüse in Kantinen und retten es so vor dem Unterpflügen; Sie setzen auf Gemeinschaft und Verantwortung statt auf Marktwirtschaft; Sie backen gemeinsam mit SeniorInnen Kuchen und helfen ihnen so zum Anschluss an die Gesellschaft: Initiativen wie foodsharing, Querfeld und Kuchentratsch oder Projekte der solidarischen Landwirtschaft gestalten unser lokales Ernährungssystem neu und bringen frischen Wind in starre Systeme. Genau diese Dynamiken standen bei der Auftaktveranstaltung von RENN.süd im Zentrum des Workshops „Soziale Innovationen in der Landwirtschaft“ der Schweisfurth Stiftung.

 
Die vom Rat für Nachhaltige Entwicklung neu eingerichteten Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien in Süddeutschland (RENN.süd) bieten den vielen verschiedenen Akteuren und Initiativen, die sich in Bayern und Baden-Württemberg für ein nachhaltiges Leben engagieren, eine Plattform zum Austausch. Ziel ist es, ihr Engagement über Veranstaltungen oder Weiterbildungen zu fördern und zu verbreiten. Der Fokus der Aktivitäten liegt hierbei auf kleineren Kommunen und ländlichen Gemeinden. Der Startschuss von RENN.süd erfolgte am 11. März 2017 in Ulm. Die Schweisfurth Stiftung hat die Auftaktveranstaltung „Forum für Initiativen rund um nachhaltiges Leben“ mit einem Workshop-Beitrag mitgestaltet.

 
Im Workshop mit dem Titel „Soziale Innovationen in der Landwirtschaft“ haben sich die TeilnehmerInnen mit den aktuell spannenden Dynamiken in der Land- und Ernährungswirtschaft beschäftigt. In allen Bereichen, ob Erzeugung, Verarbeitung, Handel oder auf Netzwerkebene, lassen sich Projekte und Unternehmungen beobachten, die versuchen, gesellschaftlichen und ökologischen Problemen kreativ zu begegnen. Beispiele sind die über 130 deutschen Betriebe der solidarischen Landwirtschaft, die innovativen Projekte gegen Lebensmittelverschwendung wie foodsharing und das Start-up Querfeld, die Sozialunternehmen Kuchentratsch und nearbees oder die sogenannten Ernährungsräte, welche seit letztem Jahr in einigen deutschen Städten das lokale Ernährungssystem mitgestalten.

 

Gruppenarbeitsphase

Das Ziel der verschiedenen, parallel stattfindenden Workshops war es, die alltäglichen Herausforderungen der Akteure zu identifizieren: Wo besteht überregionaler Unterstützungsbedarf? Wo und wie kann RENN.süd unterstützend und fördernd wirken? Als Hemmnisse nannten die TeilnehmerInnen zum Beispiel, dass sich wenig neue Akteure in den Projekten engagieren und wenig Austausch mit der Politik stattfindet. Für viele Projekte ist es zudem notwendig, sich weiter zu professionalisieren. Schließlich wünschen sich viele Initiativen mehr Wertschätzung, vor allem von öffentlichen Stellen. Vom überregionalen Austausch zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen und Bereichen erhoffen sich die TeilnehmerInnen mehr „inhaltliche Tiefe“ für ihre Arbeit.

 

„Ich setze auf den Erfolg der RENN.
Nachhaltigkeit ist – trotz der komplexen Inhalte – sehr einfach:
Menschen in den Mittelpunkt stellen, langfristiges Denken ermutigen,
Ungewohntes möglich machen.“
Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Die Ergebnisse aus den insgesamt 14 verschiedenen Workshops werden nun im Nachgang aufbereitet und der identifizierte Bedarf aufgegriffen, damit die Veranstaltung Wirkung zeigt. RENN.süd wird in den nächsten Jahren als Kooperationspartner unterstützend bei Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen und ähnlichen Aktionen auftreten. In Kürze werden die Bedingungen für Kooperationen veröffentlicht. Die nächste Möglichkeit zur Mitgestaltung des Netzwerks bietet sich am 18. Mai bei einem Strategieworkshop in Ulm. Interessierte Nachhaltigkeitsakteure können sich hierfür bei den AnsprechpartnerInnen anmelden. Eine Zusammenarbeit mit RENN.süd ist für alle Initiativen und Akteure interessant, die sich mit Fragestellungen rund um das Thema „nachhaltig leben“ beschäftigen, zur Bewusstseinsbildung beitragen oder den Austausch zivilgesellschaftlicher Akteure und Initiativen fördern. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Solawis – die Zukunft der Landwirtschaft?

Der Buschberghof in Schleswig-Holstein war 1988 der erste in ganz Deutschland, der als Solidarische Landwirtschaft (kurz Solawi) betrieben wurde. Damals wagten die Jungbauern, die den Hof übernommen hatten, ein neues Konzept. Die auf dem Hof erzeugten Lebensmittel werden seitdem nicht mehr an Großhändler oder auf dem Wochenmarkt verkauft. Stattdessen verteilt sie der Erzeuger direkt an eine Gruppe privater Haushalte. Im Austausch dafür finanzieren die privaten Abnehmer die Arbeit des Hofs durch einen jährlich festgelegten und meist monatlich zu zahlenden Betrag, der alle Kosten des Betriebes deckt. Hofbetreiber und Abnehmer*innen bilden also eine eigene Wirtschaftsgemeinschaft.

Geteiltes Risiko, geteilte Ernte
Die Vorteile: Der Landwirt muss seine Arbeit nicht mehr vom Preisdruck diktieren lassen. Er kann so arbeiten, dass er gesunde Lebensmittel erzeugt, weniger ertragreiche, aber schädlingsresistente Sorten kultiviert, Landschaft und Natur schützt. Die teilnehmenden Haushalte bekommen im Gegenzug die gesamte Ernte, teilweise auch weiterverarbeitete Lebensmittel wie Brot oder Käse. Sie bezahlen also nicht mehr für ihre Nahrungsmittel, sondern für die ökologisch sinnvolle Bewirtschaftung des Betriebes. Alle teilen sich Verantwortung, Risiko, Kosten und letztlich die Ernte.

Solawis werden immer beliebter
Zehn Jahre dauerte es, bis die ersten Nachahmer ebenfalls den Schritt zur Solawi taten. In den letzten Jahren steigt die Zahl der so bewirtschafteten Höfe stetig. Aktuell gibt es mindestens 109 bestehende Solawi-Betriebe und 106 Solawi-Initiativen in Deutschland. Sie bezeichnen sich auch als Gemeinschaftshöfe, Landwirtschafts- oder Versorgungsgemeinschaften. Einige Höfe sind strikt basisdemokratisch organisiert, in anderen haben die Erzeuger bei Betriebsentscheidungen weitgehend freie Hand. Einzige Voraussetzung bleibt immer, dass das jeweilige Konzept von der Gemeinschaft aus Bauern und Privatleuten getragen wird.

Was können Solawis zusammen bewirken?
Können neue Wirtschaftsformen und –Initiativen, wie Solidarische Landwirtschaft, Aquaponik-Konzepte oder Urban Gardening Projekte das etablierte Ernährungssystem in Deutschland verändern? Wie können sie dabei zusammenarbeiten und einander unterstützen? Diese Fragen untersucht das gemeinsame Forschungsprojekt „nascent – Neue Chancen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen“ der Universität Oldenburg, der Hochschule München und der anstiftung. Die Schweisfurth Stiftung ist Beratungspartner des Projekts. Insgesamt 26 Unternehmen und Initiativen, wie die Münchner Produktionsgemeinschaft Kartoffelkombinat, die Leipziger urbane Landwirtschaft ANNALINDE oder die TAGWERK Genossenschaft, unterstützen das Forschungsprojekt mit ihrem vielfältigen Praxiswissen. Zehn Transferpartner, darunter das 2011 gegründete Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, helfen bei der Verbreitung der Ergebnisse.

Mehr aktuelle Informationen zu Solawis finden Sie hier:

Broschüre zum Weiterlesen:
„Solidarische Landwirtschaft – Gemeinschaftlich Lebensmittel produzieren“

Über Fortschritte und Ergebnisse des Projekts „nascent“ können Sie sich hier informieren:
„nascent – Neue Chancen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen“ 

Sie überlegen, sich einer Solawi anzuschließen? Hier finden Sie Initiativen in Ihrer Nähe:
Interaktive Landkarte für Solidarische Landwirtschaft

Profil und Interview vom Kartoffelkombinat auf relaio.de – Der Plattform für nachhaltiges Unternehmertum der Hans Sauer Stiftung

Beitragsbild:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          © David Freudenthal, mit freundlicher Unterstützung der Hans Sauer Stiftung

wir-kooperieren.org

Was brauchen wir für ein gutes Leben? Wie lassen sich Betriebsgemeinschaften nachhaltig entwickeln? Welche Kooperationsmöglichkeiten gibt es zwischen Stadt und Land und was braucht es für ein gutes Miteinander?

Tolle Idee − und dann?

Der zündenden Idee, einen Biohof gemeinsam zu bewirtschaften, folgt oft eine Phase harter Um- und Auseinandersetzung. Unterschiedliche Vorstellungen, Arbeitsweisen und Weltanschauungen prallen aufeinander. Damit aus solchen Prozessen eine erfolgreiche und fruchtbare Kooperation für möglichst alle Beteiligten wachsen kann, arbeiten wir gemeinsam mit der Software AG Stiftung und Projektleiter Stephan Illi an einer Studie zur „Förderung der Zusammenarbeit von biodynamischen Bauern als Impuls zur Diversifizierung des Ökolandbaus“.
Ziel ist es, gemeinsam herauszufinden, wie sich zwischenmenschliche Konflikte bei der Gründung oder Führung von Hofgemeinschaften in der Landwirtschaft lösen lassen. Kernstück des Projekts ist eine gezielte Beratung, mit deren Hilfe die Beteiligten Entwicklungsprozesse erfolgreich umsetzen können.

Einzigartiges Beratungsangebot

Da es bisher kaum Angebote gibt, die Zusammenarbeit systematisch und grundlegend zu erlernen, schließt dieses wegweisende Projekt eine große Lücke. „Auf der Webseite www.wir-kooperieren.org wird die zielgerichtete Beratung ergänzt durch praktisches Handwerkszeug zum Herunterladen“, so Projektleiter Stephan Illi. Das Angebot richtet sich an bestehende ebenso wie an in Gründung befindliche Hofgemeinschaften.

Solidarische Regionen

Wie groß der Wunsch nach Nähe zwischen Bauern und Konsumenten tatsächlich ist, zeigt das Projekt „Solidarische Regionen“. Zur Jahreswende 2014/2015 wurden über vier Monate hinweg Biokunden, Biobauern sowie Verarbeiter und Händler der Biobranche befragt: Wünschen Sie sich eine tiefergehende Beziehung über die Wertschöpfungskette hinweg? Und wenn ja, wie sieht dieses Interesse konkret aus?

Wer macht was und wie?

Die Auswertung zeigte deutlich, dass ein wachsender Anteil der Verbraucher gerne mehr über regionale Erzeuger und Hersteller wissen will. Auch die Gesichter und Geschichten hinter den Lebensmitteln kennenzulernen, ist den Konsumenten zunehmend ein Anliegen. Ebenso wurde großes Interesse an mehr Teilhabe festgestellt, etwa durch Mitfinanzierung von Betriebsinvestitionen. Einige der Befragten wollten gerne ganz konkret auf Höfen mitarbeiten.

Im Interview berichtet Stephan Illi im September 2016 vom aktuellen Projektstand.

 

Kurz-gut

Projektname: wir-kooperieren.org
Startschuss: 2014
Status:
läuft
Wirkungskreis:
regional, global anwendbar
Zielgruppe:
Landwirte, Hofgründer, Gemeinschaftshöfe, CSA, Genossenschaften
Maßnahme:
Gründung, Homepage, Begleitforschung
Leitung / Ansprechpartner/in: Stephan Illi, Büro für Agrarkultur
Mehr unter: wir-kooperieren.org