© Frank Erpinar

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald erhält B.A.U.M. Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, von 1987 bis 2020 Vorstand der Schweisfurth Stiftung, wird am 25. September 2020 mit dem renommierten B.A.U.M. Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis  in der Kategorie „Wissenschaft“ ausgezeichnet. Damit wird das herausragende Engagement des Hochschullehrers für Agrar- und Umwelt-Ethik sowie  Politik- und Unternehmensberaters gewürdigt:  für seine Forschung und Lehre zum Leitbild der öko-sozialen Agrarkultur und dessen Umsetzung in der Praxis sowie für seinen konsequenten Einsatz für den ganzheitlichen Mitweltschutz.

Pionier der öko-sozialen Agrarkultur

„Mit viel Herzblut und Sachverstand fördert Franz-Theo Gottwald den Dialog und die Entwicklung einer enkeltauglichen Landwirtschaft und setzt so wichtige Impulse für eine dringend erforderliche Agrarwende. Genau dieses Engagement würdigen wir mit dem B.A.U.M. Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis“, kommentiert Laudatorin Prof. Dr. Anja Grothe.

„Ich freue mich sehr über diese besondere Auszeichnung. Gerade auch weil hiermit über 30 Jahre dranbleiben, Kritiker überzeugen, Weggefährten unterstützen wertgeschätzt werden. Natürlich wäre all die wissenschaftliche Arbeit verbunden mit Erprobung in der Praxis nicht möglich gewesen, wenn Karl Ludwig Schweisfurth nicht bereits Ende der 70iger Jahren überzeugt gewesen wäre, dass es dringend Alternativen zur konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft braucht. Die Auszeichnung gilt auch der von ihm gegründeten Schweisfurth Stiftung“, bedankt sich Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald.

Mehr über das vielfältige Engagement von Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald erfahren Sie hier und in diesem Video (Film 13).

Über die Auszeichnung

Mit dem B.A.U.M. Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis werden seit 1993 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes durch langjähriges herausragendes Engagement und beispielhafte Initiative um Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung verdient gemacht haben. Der Umweltpreis zählt zu den wichtigsten Nachhaltigkeitsauszeichnungen in Deutschland.

Auftrag an die Forschung: Gesunde Böden – Die Stiftung als Brückenbauerin

Die Mission lautet: gesunde Böden schaffen in Europa. Konkret bedeutet dies, Lösungen zu entwickeln, um die Bodengesundheit und damit auch alle wichtigen Bodenfunktionen wiederherzustellen und darüber hinaus das Bewusstsein der Gesellschaft für die Wichtigkeit eines gesunden Bodens zu stärken. Den Auftrag hierzu, und zu vier weiteren Missionen ,  hat die EU im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms „Horizon Europe“ gegeben. Die Vorgabe von und Orientierung an diesen Missionen gibt der Forschung eine klare Ausrichtung, gleichzeitig können Bottom-up Ansätze wie bspw. das Lernen von Praxisbeispielen, integriert werden. Durch diesen innovativen Ansatz wird eine zweckgebundene, zielgerichtete Forschung sichergestellt. Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, ist Mitglied im Expertenbeirat des „Mission Board Soil, Health and Food“, der diesem bei der Ausarbeitung von Vorschlägen unterstützt.

Die Stiftung als Brückenbauerin

„Die Schweisfurth Stiftung versteht sich als Vermittlerin zwischen verschiedenen Akteuren wie Landwirten, Verarbeitern, Wandel-Pionieren usw. Mit den Erfahrungen und unserem Netzwerk können wir insbesondere den Bottom-up Prozess unterstützen. Denn zum einen sind wir gut vernetzt mit Aktiven und Meinungsmultiplikatoren und können „Horizon Europe“ bei ihnen bekannt machen und zum anderen können wir die Impulse der Praktiker in das Mission Board tragen“, erklärt Dr. Niels Kohlschütter seinen Beitrag im Expertenbeirat. Zudem verfügt die Schweisfurth Stiftung über einen großen Erfahrungsschatz bzgl. der Gestaltung praxisnaher, wissenschaftlicher Partizipationsprozesse und kann hier ihre Expertise mit dem Mission Board teilen, bspw. aus dem aktuellen Projekt der Mitmach-Konferenzen.

Missionen für Europa: Das EU-Projekt „Horizon Europe“

„Horizon Europe“ ist das Rahmenprogramm der EU für Forschung und Entwicklung. Das übergeordnete Ziel ist es, ein innovationsorientiertes Wachstum zu fördern, welches gleichzeitig auf eine nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung Europas einzahlt. Zentrales Element dabei: die Orientierung des Forschungsprogramms an unterschiedlichen Missionen. Darin wird das Potenzial gesehen, alle Mittel effizient zu bündeln und Forschung und Entwicklung gezielt auf die Lösung drängender, gesellschaftlicher Herausforderungen zu konzentrieren. Insgesamt wurden fünf Bereiche definiert für welche „Mission Boards“ spezifische Aufträge formulieren und ausarbeiten. Jedes „Mission Board“ wird dabei von einer Beratergruppe unterstützt. Dr. Niels Kohlschütter ist beratendes Mitglied der Arbeitsgruppe zu der Mission „Soil, Health and Food“. Ausführliche Informationen zu dem Projekt und den einzelnen Missionen finden Sie hier.

 

Engagiert für eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft: Die Stiftung auf der Biofach

Die Biofach, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, ist seit über 30 Jahren der Treffpunkt der internationalen Bio-Branche. Selbstverständlich also, dass die Schweisfurth Stiftung, als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Praxis, hier anwesend ist. Auch in diesem Jahr wirkte sie als Impulsgeber im Rahmen des Biofach Kongresses aktiv mit. Lesen Sie hier ausführlich über das Engagement der Schweisfurth Stiftung auf der Biofach 2020.

Kuhgebundene Kälberaufzucht: Pioniere zeigen, dass es geht!

Die Kälber wieder bei den Müttern lassen – dafür plädierten die ReferentInnen bei der Veranstaltung „Kuhgebundene Kälberaufzucht: Milch und Fleisch aus besonders tierfreundlicher Haltung“ auf der BIOFACH. Doch wie funktioniert eine kuhgebundene Kälberaufzucht? Und was passiert eigentlich mit den Bullenkälbern? Diese und weitere Fragen wurden von Saro G. Ratter, Projektmanager der Schweisfurth Stiftung, Rolf Holzapfel, Geschäftsführer der Demeter Heumilch Bauern Süd und Beate Reisacher, Projektmanagerin Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten diskutiert. Den ausführlichen Nachbericht finden Sie hier. 

Eine Frage der Haltung: Zweinutzungshuhn oder Früh-Erkennung im Ei?

Schluss mit dem Kükenschreddern! Da waren sich die Diskutanten auf der Biofach Veranstaltung des Tierzuchtfonds einig. Doch wie kommen wir aus dem Kükendilemma? Sind das Zweinutzungshuhn und/oder die Früherkennung im Ei eine praxistaugliche, tierethisch vertretbare Alternative? Diesen Fragen gingen Werner Hockenberg, Geflügelzüchter und Mitinitiator der Bruderhahninitative , Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH , Annika Bromberg vom Tierzuchtfonds, Kristin Höller, Referentin bei der SELEGGT GmbH und Prof. Dr. Franz -Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung, auf den Grund. Die spannende Diskussion gibt es hier.

Junge ForscherInnen im Fokus: Herausragende Arbeiten ausgezeichnet

Innovativ, fundiert und wegweisend – so lassen sich die Bachelor- und Masterarbeiten beschreiben, die auf der Biofach mit dem Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft  ausgezeichnet wurden. Der Preis wird seit 2014 jährlich von der Schweisfurth Stiftung gemeinsam mit der Lebensbaum Stiftung, der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller sowie der Biofach verliehen. Mit der Auszeichnung werden herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten gewürdigt, die sich mit der Herstellung, Vermarktung oder Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln auseinandersetzen. Lesen Sie hier.

Junge ForscherInnen im Fokus: Herausragende Arbeiten ausgezeichnet

Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft

Innovativ, fundiert und wegweisend – so lassen sich die Bachelor- und Masterarbeiten beschreiben, die auf der Biofach mit dem Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft  ausgezeichnet wurden. Der Preis wird seit 2014 jährlich von der Schweisfurth Stiftung gemeinsam mit der Lebensbaum Stiftung, der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller sowie der Biofach verliehen. Mit der Auszeichnung werden herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten gewürdigt, die sich mit der Herstellung, Vermarktung oder Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln auseinandersetzen.

„Die prämierten Arbeiten zeigen einmal mehr, wie wichtig Forschung für die Praxis ist. Nur durch solch innovativen Ansätze in der Wissenschaft kommt die Bio-Branche weiter voran“, kommentiert Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstandsvorsitzender der Schweisfurth Stiftung und Jurymitglied des Forschungspreises Bio-Lebensmittel. Insbesondere die thematische Vielfalt und die zukunftsweisenden Ergebnisse begeisterten die Jury: Annemarie Ohlwärter untersuchte das Superfood Weiße Lupinen; Marlon Rommel ging der Frage nach, wie unsere Lebensmittelsysteme nachhaltig gestaltet werden können; Kaja Gutzen beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit ökologischer Sortenprüfung; Stefan Peil bereitete in seiner Abschlussarbeit den Weg für eine erfolgreiche Bekämpfung der Esca-Krankheit bei Rebholz und Sophie Löbbering adaptierte die Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft auf Bäckereien.

Lesen Sie hier  mehr über die ausgezeichneten Bachelor- und Masterarbeiten.

Weiterentwicklung des Konzeptes

Ziel des Forschungspreises Bio-Lebensmittelwirtschaft ist es, junge Menschen mit innovativen Ideen für die Themen der Bio-Lebensmittelwirtschaft zu begeistern und Nachwuchskräfte zu gewinnen. Dies soll nun weiterausgebaut werden, indem ein Netzwerk zwischen Unternehmen, Hochschulen und Studierenden aufgebaut wird. Geplant ist hierfür eine Plattform, auf der sich Studierende und Unternehmen finden können, um gemeinsam Themen für Abschlussarbeiten zu entwickeln. Im Zuge dessen wurde auch ein neuer, griffigerer Name für den Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft entwickelt: Ab jetzt heißt der Preis nun „BioThesis“.

Mehr Informationen dazu gibt es hier.

NachwuchsforscherInnen setzen Impulse für Bio-Branche

Von Bio-Karpfen bis Consumer Beliefs – so groß war die Bandbreite der Themen der Bachelor- und Masterarbeiten, die mit dem Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft auf der Biofach 2019 ausgezeichnet wurden. Der Preis wird seit 2014 jährlich von der Schweisfurth Stiftung gemeinsam mit der Lebensbaum-Stiftung, der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller sowie der Biofach vergeben. Mit der Auszeichnung werden herausragende wissenschaftliche Leistungen rund um das Thema Bio-Lebensmittel gewürdigt.

Innovation und Wissenschaft – essentiell für die Bio-Branche

Forschung liefert einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Bio-Branche. Dabei bedarf es innovativer Ansätze, um den ökologischen Sektor kontinuierlich voranzubringen. Der Forschungspreis fördert aktiv Wissenschaft und Forschung im Bereich Bio-Lebensmittelwirtschaft, indem dieser Studierende für die Themen der Bio-Branche begeistert. „Die prämierten Arbeiten zeichnen sich, neben der hohen wissenschaftlichen Qualität, durch einen starken Praxisbezug aus. Diese enge Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Praxis ist von entscheidender Bedeutung, um die Brücke zwischen theoretischen Erkenntnissen und praktischer Umsetzung zu schlagen.“, kommentiert Prof. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung und Juror.

Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten –  ein Überblick

Im Rahmen der Biofach 2019 erhielten die PreisträgerInnen den mit 2.000 € dotierten Forschungspreis. Zudem hatten sie die Möglichkeit ihre Ergebnisse dem Fachpublikum zu präsentieren, das sie mit der Vielfalt an Themen und überraschenden Erkenntnissen beeindruckten:

  • Mehl im Bio-Speiseeis: Laura Entringer von der Hochschule Trier verfasste ihre Bachelorarbeit in Kooperation mit einer kleinen Molkerei mit dem Ziel, im Speiseeis den konventionellen Stabilisator Pektin durch eine biologische Alternative zu ersetzen. Die  Lösung: Johannisbrotkernmehl.
  • Verbesserung der Vermarktungsstrategie für Bio-Karpfen: In ihrer Bachelorarbeit analysierte Katharina Schwab von der Hochschule Triesdorf die Prozesskette der Erzeugung und Vermarktung von Bio-Karpfen und arbeitete konkrete Handlungsempfehlungen für die zukünftige größere Verbreitung heraus.
  • Revolution in der Nitratforschung: Johanna Hoppe von der Universität Kassel verglich in ihrer Masterarbeit Studien zur Nitratauswaschung bei konventioneller und ökologischer Bewirtschaftung. Sie kam zu einem überraschenden Ergebnis: Anders als bisher angenommen, gelangt durch ökologische Bewirtschaftung zehn bis 52 Prozent weniger Nitrat in unser Grundwasser.
  • SDGs angewandt: Mit dem Ziel, die UN Ziele für eine nachhaltige Entwicklung in der Praxis umzusetzen, unterstützte Banu Sengül von der Technischen Universität Hamburg im Rahmen ihrer Masterarbeit einen landwirtschaftlichen Betrieb bei der Umstellung auf Ökolandbau.
  • Consumer Beliefs und Bio-Lebensmittel: Jenny Kleeblatt von der Technischen Universität München analysierte über tausend Onlinekommentare im Hinblick auf die Authentizität von Bio-Lebensmitteln und kam zu dem Ergebnis, dass diese nicht nur von den Faktoren Gesundheit und Label abhängt, sondern auch von den Aspekten Herkunftsland und Einkaufsstätte.

Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeiten zeigen einmal mehr, wie wichtig Forschung für die Praxis ist.

Die Kommerzialisierung allen Lebens hat Folgen

Mit der Technik von morgen die Probleme von heute lösen – eine verlockende Vision. Auch in der Landwirtschaft versprechen neue Technologien scheinbar das Ende aller Hungersnöte. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, warnt dagegen vor der sogenannten Bioökonomie.

Ein unkalkulierbares Risiko
„Wir haben schon das Elend der Atomtechnik erleben müssen, partiell das Elend der grünen Gentechnik – und jetzt fangen wir an, die Grundbausteine des Lebens neu zu kombinieren“ resümiert Gottwald im Interview mit dem oya Magazin. Der Einsatz solcher neuen, „nicht rückholbaren“ Biotechnologien wie der synthetischen Biologie sei mit einem nicht kalkulierbaren Risiko verbunden, so der Agrarexperte. Ein Risiko, das aus seiner Sicht zudem unnötig ist:

„Es wird argumentiert, dass diese Entwicklung nötig sei, um 10 Milliarden Menschen zu ernähren, aber das ist auch durch sanfte Alternativen, die für mehr Menschen mehr Zugänge zu Nahrung ermöglichen und weniger Kosten verursachen, erreichbar.“

Eine Aufgabe für die Politik – und jeden einzelnen
Um diesen sanften Methoden den Vorzug vor einer Vermarktung alles Lebendigen zu geben, sieht der Vorstand der Schweisfurth Stiftung Politik und Gesellschaft in der Pflicht: „Meines Erachtens ist ein politischer Rahmen gefragt und zugleich eine Begleitung von Menschen in andere Wahrnehmungs- und Empfindungsmuster, die sie aus der Einstellung herausführen, Natur beherrschen zu wollen.“

Zum vollständigen Interview im oya Magazin