Im Gespräch mit Bundesminister Schmidt: „Ländliche Räume als Zukunftswerkstätten“ - Schweisfurth Stiftung Fair zu Mensch und Tier
Netzwerk News

Im Gespräch mit Bundesminister Schmidt: „Ländliche Räume als Zukunftswerkstätten“

„Jeder 9. Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt mit der Land- und Ernährungswirtschaft zusammen. 90% der Verbraucher*innen erwarten, dass die Landwirtschaft Tierschutz besonders achtet. 83% der Verbraucher*innen haben nur ein geringes oder gar kein Vertrauen in die Aussagen und Bilder bestehender Verpackungen.“ – Diese und viele weitere interessante Fakten finden sich im Grünbuch Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Neben Fakten bietet es aber vor allem viel Diskussionsstoff zur Zukunftsstrategie der deutschen Landwirtschaft.
Das Grünbuch ist deshalb auch Grundlage des ersten Interviews in der aktuellen Ausgabe des Magazins für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft Senate. Bundesminister Christian Schmidt spricht darin mit Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (in seiner Funktion als Leiter der Ernährungskommission des Senats der Wirtschaft) und Dr. Christoph Brüssel, Vorstand des Senats der Wirtschaft, über seine Visionen zur Entwicklung der ländlichen Räume.

„Tue Gutes und rede darüber und mache dich nicht kleiner als du bist“

Neben den Themen Klimawandel, Digitalisierung in der Landwirtschaft und Agrarpolitik betonte der Minister vor allem die notwendige Aufwertung der Berufe in der Landwirtschaft. Die geringe Anerkennung und Wertschätzung für die Agrarwirtschaft und das Lebensmittelhandwerk, aber besonders seitens der städtischen Mitbürger ist aktuell eine große Herausforderung. Fachkräftemangel in der Branche ist das Resultat. Vielen jungen Menschen ist der Arbeitsalltag in der Land- und Ernährungswirtschaft nicht bekannt und die Tätigkeiten in der Landwirtschaft sowie der ländliche Raum wirken unattraktiv. Christian Schmidt will deshalb den ländlichen Raum nicht allein als Ort der landwirtschaftlichen Produktion denken, sondern vernetzter und umfassender, und damit auch die Attraktivität erhöhen. Durch eine moderne technische Kommunikationsinfrastruktur sollen vielschichtige Erwerbs- und Ausbildungsmöglichkeiten entstehen und eine kluge Nutzung der zur Verfügung stehenden Flächen erreicht werden. Das Programm Kerniges Dorf des BMEL fördert hierzu zukunftsfähige Ideen und Konzepte. Auch der ökologische Landbau ist für junge Landwirte oftmals attraktiver als die Arbeit in konventionellen Betrieben. Der Bundesminister setzt in der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau das Ziel „mittelfristig 20 Prozent der Flächen in Deutschland für den Ökolandbau zu nutzen“. Staatliche finanzielle Anreize sollen die Branche dabei unterstützen.

Wer trägt die Verantwortung?

Der Bundesminister betonte jedoch, dass alle Akteure im Staat ihre Verantwortung wahrnehmen müssen, um die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft zu sichern.  Beim Bund sieht er unter anderem die Aufgabe, verbrauchernahe Informationen zu Lebensmitteln, Ernährung und Landwirtschaft bereit zu stellen. Die Bundesländer müssen ihre Verantwortung für die Aufsicht, für den Vollzug der Hygiene- und Tierwohlregelung ernst nehmen. Und schließlich ist der Austausch und die Offenheit aller Bürger*innen essentiell: „Ich erwarte von der Gesellschaft, dass sie einen kritischen aber offenen Dialog mit der Landwirtschaft führt“.
Das vollständige Interview kann online hier nachgelesen werden.

Themen: , , , , , ,